„Jude“ als Schimpfwort im Sonderzug

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Dortmund.  In einem Sonderzug von Dortmund-Fans zum DFB-Pokalfinale in Berlin am letzten Samstag benutzten Hooligans von der Südtribüne „Juden“ als Schimpfwort, um Schalke- und Nürnberg-Fans mit Gesängen zu beleidigen. BVB-Fans verletzten auf Bahnsteigen stehende Reisende, beschädigten Waggons und zogen auf der Rückfahrt nach Dortmund 28 Mal die Notbremse.

Chartervertrag

Die Hälfte der von der Schweizer Centralbahn eingesetzten Waggons sind schwer beschädigt worden. Die Reparaturen in einer Mönchengladbacher Eisenbahnwerkstatt dauern zwei Wochen. Vertragspartner des auf Bahn-Erlebnisreisen spezialisierten Unternehmens mit Sitz in Basel (Schweiz) ist die BVB-Ultragruppe „The Unity“. Sie organisierte die Reise im Auftrag der „Fangemeinschaft Südtribüne“. Die Fangemeinschaft ist ein Zusammenschluss mehrerer Fanclubs.

Im Chartervertrag steht, dass der Kunde für die von seinen Fahrgästen verursachten Schäden haften muss. Die Höhe des Schadens ist noch nicht absehbar, übersteige aber laut Centralbahn-Geschäftsführer Rudolf Wesemann die Kaution (3000 Euro) deutlich. Die nach Berlin reisenden BVB-Fans zahlten für Hin- und Rückfahrt 45 Euro – und erlebten blanken Hass inklusive. Mitglieder der 2015 gegründeten Hooligan-Gruppe „0231 Riot“ hätten antisemitische und gegen Homosexuelle gerichtete Lieder gesungen, berichtete ein Fan als Augenzeuge. Die Texte zielten auf Schalke- und Nürnberg-Fans ab. Schalker und Nürnberger sind freundschaftlich verbunden – und damit Erzfeinde für BVB-Fans, die beim Anblick dieser Gegner Hass empfinden.

Die „0231“ im Namen der Hooligan-Gruppe steht für die Vorwahl von Dortmund. „Riot“ bedeutet Randale. Laut Bundespolizei-Sprecher Volker Stall sei die Gruppe „extrem gewaltbereit“. „0231 Riot“ hat Stammplätze auf der Südtribüne.

Den Namen des Fans, der über den Vorfall im Multimedia-Netzwerk „Vice“ im Internet berichtete und mit unserer Zeitung gesprochen hat, können wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Aus Angst vor Pöbeleien und Gewalt habe sich niemand unter den bis zu 200 Fans getraut, gegen den Antisemitismus im Party-Waggon vorzugehen, berichtete er weiter. Der Fan sprach von einer „aufgeheizten Stimmung“ im Zug.

Durch Pyrotechnik verletzt

Die Bundespolizei berichtete zudem von mehreren unbeteiligten Reisenden, die in Dortmund und Berlin auf dem Bahnsteig stehend durch Pyrotechnik verletzt oder angegriffen wurden. Ein BVB-Fan hatte in Berlin einen Polizisten attackiert. Auf der Rückreise zogen Unbekannte in 28 Fällen an der Notbremse. Der mit 880 Fans besetzte Zug kam deshalb mit dreieinhalb Stunden Verspätung an.

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