Toleranz

Jugendtheater Lutz: „Nathan der Weise“ wird in Hagen gezeigt

Nathan der Weise im Lutz: Auf der Jungen Bühne im Theater Hagen spielen Michael Mayer und Ralf Grobel.

Nathan der Weise im Lutz: Auf der Jungen Bühne im Theater Hagen spielen Michael Mayer und Ralf Grobel.

Foto: Dirk Burghaus

Hagen. Wenn „Du Jude“ wieder zum Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen wird, dürfen die Bühnen nicht wegsehen. Lutz-Leiterin Anja Schöne betrachtet das Theater nicht nur als Bildungs-Instrument, sondern vor allem als Ort des Nachdenkens und der Diskussion.

Dass die Besucher dabei gleichzeitig Spaß haben, belegt die Übersetzung von Lessings Klassiker „Nathan der Weise“ in ein zeitgemäßes Schauspiel, das mit Mitteln der Simultanerzählung und mit großartigen Comicbildern den berühmten Toleranzappell der Ringparabel ganz aktuell wirken lässt.

„Schon für Kinder sind Vorurteile gegenüber anderen Religionen ein Thema“, hat Anja Schöne im Kontakt mit Lehrern erfahren. „Wir thematisieren in dem Stück auch den verbreiteten Antisemitismus unter jungen Muslimen. Und wir nehmen ebenfalls die Islamfeindlichkeit mit rein. Das wird bestimmt für viele Debatten sorgen.“

Lutz kann flexibel auf weitere Terminwünsche reagieren

Die „Werner Richard – Dr. Carl Dörken-Stiftung“ und der Lions-Club Hagen-Harkort machen das „Nathan“-Projekt möglich, bei dem das Lutz erstmals mit dem Comiczeichner Jan Falkenberg zusammenarbeitet. Die Aufführungen dauern wegen der Coronaregeln 90 Minuten, „das finde ich aber für die junge Zielgruppe auch gut“, sagt Anja Schöne.

Da mehrere Oberstufen-Lehrer sich Abendvorstellungen gewünscht haben, gibt es für „Nathan“ zusätzlich zu den klassischen Schulaufführungen am Vormittag weitere Termine abends. „Wir können flexibel auf die Wünsche der Schulen eingehen. ,Nathan‘ ist bereits sehr gefragt.“

Anja Schöne: „Gesamte Spielzeit geht es um das Thema Kinderrechte“

Antisemitismus und Hass unter Religionen sind komplexe Sachverhalte, die im Hagener „Nathan“ dennoch auf einer spielerischen Ebene ausgesprochen heutig vermittelt werden. Im Hintergrund steht die Überlegung: Müssen wir antisemitische Angriffe nur registrieren, oder sollte jeder Einzelne auch Stellung beziehen?

Die Frage nach der individuellen Verantwortung wird auch die weitere Saison im Lutz bestimmen. Anja Schöne: „Unsere ganze Spielzeit geht um das Thema Kinderrechte. Unser Wunsch ist es, dass alle Menschen sich als Menschen begegnen. Das ist das große Thema in dieser Produktion.“

Premiere ist am Sonntag, 26. September, um 19.30 Uhr im Lutz. Karten und Termine: 02331 / 2073218 und www.theaterhagen.de.

Literarischer Hintergrund: Die Ringparabel kurz erklärt

Die Ringparabel kurz erklärt: Ein Mann besitzt einen Ring, ein Familienerbstück, der die Eigenschaft hat, den Träger vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wenn der Besitzer ihn in dieser Zuversicht trägt. Der Ring wurde über Generationen immer an den Lieblingssohn vererbt. Nun hat ein Vater drei Söhne, die er gleichermaßen liebt. Deshalb lässt er den Ring insgeheim kopieren und vererbt jedem Sohn ein Exemplar.

Nach dem Tod des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um zu klären, welcher der drei Ringe der echte sei. Der Richter erinnert die drei Männer daran, dass der Ring die Eigenschaft hat, den Träger bei anderen Menschen beliebt zu machen. Wenn dieser Effekt bei keinem der Erben eingetreten sei, sei der echte Ring wohl verloren gegangen.

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