Tanz

Junge Choreographen lassen die Emotionen überspringen

Sofja Romano und Noikolaos Doede

Sofja Romano und Noikolaos Doede

Hagen.   Unter dem Thema „Junge Choreographen stellen sich vor“ bekamen Tänzer des Theaters die Möglichkeit, eigene Choreographien aufzuführen.

100 Zuschauer, eine leere Bühne, frische Ideen. Ein Rezept, das sich bereits zum dritten Mal als Erfolg herausstellen sollte. Unter dem Thema „Junge Choreographen stellen sich vor“ bekommen Tänzer des Hagener Theaters die Möglichkeit, ihre eigenen Choreographien auf die Beine zu stellen und sich aus dem Hintergrund zu behaupten.

Sieben Tänzer haben am Freitagabend die Seite gewechselt und bis ins kleinste Detail ihre Choreographien ausgeschmückt. In den schmalen Räumlichkeiten des Opus vergaß man schnell, dass man nicht im Großen Haus saß, sondern Zeuge einer privaten Vorstellung wurde. Viele Besucher waren von den Darbietungen der Tänzer begeistert. „Man kann sich gut vorstellen, was die Tänzer spüren. Sie lassen ihre eigenen Emotionen einfließen“, sagte Lilli Anlauf. Neele Jacobsen konnte sich da nur anschließen: „Irgendwie ist es individuell und persönlich zugleich.“

Bobby Briscoe, der seit 2013 am Theater Hagen Ballett tanzt, entwickelte seine Choreographie um die Musik von Franz Liszt. „Zuerst kommt immer die Musik, dann kann ich mir etwas vorstellen und daraus entwickle ich dann das Stück weiter“, erklärte Briscoe und fügte hinzu: „Mir ist wichtig, wie das Ballett die Zuschauer erreicht. Es funktioniert nicht, wenn nur ich die Emotionen spüre, aber das Publikum nicht.“

Unruhiges Licht

Genau das gelang aber allen jungen Choreographen. Direkt die zweite Choreographie zog die Zuschauer in ihren Bann. Unter dem Titel „Surface“ behandelte der japanische Tänzer Toshitaka Nakamura das Thema „Angst“. Es gab wenige Requisiten und die Kostüme waren schwarze, durchsichtige Hemden und Hosen. Im Vordergrund standen der Ausdruck des Tanzes, die Musik und das Licht.

Durch laute, unangenehme Bässe und unruhiges Licht wurde das gerade einmal 100 Personen starke Publikum unbewusst unruhig. Wo vorher ruhige, emotionale Musik und starres Licht die Bühne beherrschte, traute sich niemand auch nur zu räuspern und seine Augen von den Tänzern zu nehmen. Doch der Bruch in dem Stück veranlasste das Publikum auf dem Stuhl zu rutschen, sich am Kopf zu kratzen und mit dem Sitznachbarn einen raschen Blick auszutauschen.

Gemischtes Bild

Von all den sieben Choreographien ist dies nur ein Beispiel. Denn man konnte des Öfteren feststellen, dass das Publikum emotional ergriffen war. Claudia Reinsch, die extra aus Wuppertal angereist war, war fasziniert von der Vorstellung: „Ich finde das wirklich toll, wie mit wenigen Mitteln die Geschichten auf den Punkt gebracht werden. Die Stücke berühren mich, obwohl ich vorher nicht wusste, worum es bei den Choreographien geht.“

Insgesamt kamen alle Choreographien ohne viele Requisiten, häufig nur zwei oder drei, aus. Durch unterschiedliche Themen, Musik und starke Ausdruckstänze bot sich trotzdem ein gemischtes Bild. „Wir finden es wieder ganz toll, was aus den eigenen Reihen des Theaters entsteht. Jedes Jahr gehen wir unvoreingenommen in die Vorstellung und sind begeistert von der Vielfalt“, erzählte Peter Halm und wurde von Johann Dieckmann ergänzt: „Gefühl und Umsetzung stimmen hier“. Wie sich an dem Abend herausstellte, waren viele Besucher da, die bereits die beiden vorangegangenen Teile gesehen hatten.

Viele Puzzleteile

Die Highlights des Abends waren eine Regeninstallation, die Tränen vom Bühnenhimmel regnen ließ und eine Video-Projektion, die einem der Stücke mehr Nachdruck verlieh. Doch im Mittelpunkt standen ohne Frage die Tänzer, die teilweise mehrere Tanzstile in einer Choreographie tanzten und dabei sehr überzeugend die Geschichte dahinter vermittelten. „Ich habe gewusst, dass es gut wird, aber die Ausführung und Mimik sind selbst für mich als Tänzerin inspirierend“, fasste Saskia Schulz den Abend zusammen.

Natürlich konnte nicht jedem Zuschauer alles gefallen, aber die Kritik, die geäußert wurde, konnte meist durch etwas Positives wieder ausgewogen werden. „Mir ist es ein bisschen zu düster von den Themen, aber tänzerisch ist es super und die Schlagzeug-Musik hat mich wirklich berührt“, sagte eine Zuschauerin.

Richtige Mischung finden

Die richtige Mischung für jeden zu finden sei nicht so leicht, wusste auch Bobby Briscoe nach der Vorstellung zu berichten „Das sind viele Puzzleteile, die das ganze Bild zusammen ergeben. Die Reihenfolge ist wichtig und man muss Rücksicht auf die Tanzkollegen nehmen, dass diese sich nicht zu Beginn völlig verausgaben. Aber wenn alles passt, lebt man für das Publikum und spürt die Magie.“

Dass der Abend mit Standing Ovation und „Großartig“-Rufen endete, müsste hier eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden.

>>Hintergrund: Zwei weitere Termine

  • In der Reihe „Tanzlabor“ erarbeiten Mitglieder des Hagener Balletts eigene Choreographien, studieren sie mit Kollegen ein und zeigen sie vor Publikum.
  • Weitere Termine sind am Mittwoch und Donnerstag, 21. und 22. Juni, jeweils 19.30 Uhr.

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