Bundestagswahl

Junge Hagener fordern mit Videos zur Wahl am Sonntag auf

Rappen vor der Kamera: „Kreuz an“ heißt ein Projekt, mit dem junge Menschen aufrufen, zur Wahl zu gehen. Tausende sehen ihre Videobotschaften.

Rappen vor der Kamera: „Kreuz an“ heißt ein Projekt, mit dem junge Menschen aufrufen, zur Wahl zu gehen. Tausende sehen ihre Videobotschaften.

Foto: privat

Hagen.   „Kreuz an“ heißt ein bundesweit einmaliges Projekt. Junge Hagener machen sich mit Songs dafür stark, dass die Menschen zur Wahl gehen.

Sie wippen mit den Füßen. Sie nicken mit den Köpfen. Die Finger trommeln den Takt auf den Tisch. Ohrwurm. „Nicht schon wieder“, sagt Anna und lacht, als sie das Video auf dem Smartphone sieht und sich der Song unaufhaltsam einen Weg in ihren Kopf sucht.

Anna Beisheim (19), Bennedikt Puley (20), Finja Oberschelp (17) und all die anderen – sie sind diejenigen, die in einem bundesweit einmaligen Projekt dafür sorgen wollen, dass junge Menschen am Sonntag zur Wahl gehen. Sie haben Gedichte geschrieben, Songs komponiert und Videos produziert – Botschaften, die über die soziale Netzwerke Tausende erreichen.

Politiker diskutieren mit jungen Hagenern im Kultopia

Freitagabend (18 Uhr) werden im Kultopia, Konkordiastraße, in einer Multi-Mediashow alle Ergebnisse präsentiert. Zu einer Diskussion, zu der Interessierte eingeladen sind, kommen die Bundestagsabgeordneten René Röspel (SPD), Cemile Giousouf (CDU), Karen Haltaufderheide (Grüne), Ralf Sondermeyer (Linke) und Katrin Helling-Plahr (FDP).

„Kreuz an“ heißt dieses Projekt, das auch bei den Teilnehmern viel bewegt hat. „Anfangs hatte ich kaum eine Vorstellung, was es mit dem Wahlrecht auf sich hat“, sagt Anna Beisheim. „Aber das hat sich geändert. In den Sommerferien haben wir jeden Tag zusammengesessen. Wir haben diskutiert – über Politik, über Populismus. Und wir haben gearbeitet – Texte geschrieben, gerappt, gedreht. Selbst meine Großeltern haben das Video aufgerufen.“

AfD nicht zur Veranstaltung im Kultopia eingeladen

So verbreiten sie ihre Botschaft: wie wichtig Demokratie ist. Und wie gut es ist, überhaupt eine Wahl zu haben und mitentscheiden zu können. „Wir pöbeln nicht, wir sind nicht respektlos“, sagt Bennedikt Puley, „wir wollen mit Argumenten überzeugen. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn man stumpfe Parolen umsetzen würde. Das war auch einer der Gründe, warum wir uns dazu entschlossen haben, keinen Vertreter der AfD einzuladen.“

Aus 40 jungen Menschen, die an „Kreuz an“ teilgenommen haben, sind 40 politisch denkende Menschen geworden. „Klar sprechen wir auch in der Familie über Politik. Aber in der Schule kommt das Thema viel zu kurz“, sagt Bennedikt Puley und die anderen am Tisch nicken. „Was passiert, wenn junge Menschen nicht zur Wahl gehen und ältere über ihre Zukunft entscheiden lassen, sieht man ja an der Brexit-Entscheidung in Großbritannien.“

Nachfolgeprojekt zur Europawahl

Mitentscheiden will auch Finja, 17 Jahre alt. Zur Wahl gehen darf sie nicht. „Ich kann Arbeiten und Steuern zahlen“, sagt sie, „ich bin Teil der Gesellschaft. Aber wählen darf ich nicht. Das ist ungerecht.“

Konzipiert und mit einem Team auf die Beine gestellt haben „Kreuz an“ Gandhi Chahine und Dirk Schubert. „Wo lernen junge Menschen denn heute noch Demokratie? Wer erklärt ihnen, wie Politik funktioniert und welche Bedeutung Parteien haben?“ fragt Chahine, „Schulen sind von sich aus nicht demokratisch. Da passiert zu wenig.“ – „Je früher man beginnt, sich mit Politik zu beschäftigen, desto politischer wird man auch“, meint Dirk Schubert, der „Kreuz an“ als großen Erfolg sieht. „Wir denken jetzt über ein Nachfolgeprojekt zur Europawahl nach.“

>>HINTERGRUND: DAS TEAM HINTER DEM TEAM

Zum „Kreuz an“-Team gehören Germain Bleich (Musik), Alex Spelsberg, Achim Böcking (Video), Frederic Decker (Inhalte) und ein Social-Media-Team.

Träger ist das freie Institut „HeurekaNet“ aus Münster.

Infos und Diskussion unter www.facebook.com/kreuzan/

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