Sinfoniekonzert

Junge Klarinettistin überzeugt bei Konzert in Hagen

Die Klarinettistin Bettina Aust

Foto: Christine Schneider / Schneiderphotography

Die Klarinettistin Bettina Aust Foto: Christine Schneider / Schneiderphotography

Hagen.   Mit Bettina Aust begeistert eine wunderbare Solistin beim Sinfoniekonzert der Hagener Philharmoniker. Sie nutzt die Chancen, die Mozart bietet.

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Die Klarinette ist d i e Entdeckung des 18. Jahrhunderts. Wolfgang Amadeus Mozart verliebt sich in den Klang des erst um 1700 erfundenen Instruments und hat ihm kurz vor seinem Tod noch eines der schönsten Werke der Musikgeschichte geschenkt, das die Hagener Philharmoniker jetzt im Sinfoniekonzert ebenso lustvoll wie beseelt zelebrieren.

Bei Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es Dur steht dann das Horn im Mittelpunkt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Junge Klarinettistin nutzt die Chancen, die Mozart ihr bietet

Die junge Klarinettistin Bettina Aust ist eine wunderbare Musikerin. Sie nutzt alle Chancen, die Mozart dem Solisten bietet, die Läufe, gebrochenen Dreiklänge und Sprünge perlen virtuos und fröhlich, die unerwarteten Molltrübungen verleihen der Partitur Tiefe.

Das Publikum entdeckt das Instrument völlig neu, denn Bettina Aust zeigt, wie sich die einzelnen Register zwischen Diskant und Chalumeau-Bass klanglich voneinander unterscheiden und was mit ihnen gestalterisch möglich ist. So wird ihr Spiel gleichsam zum Dialog mit sich selbst, die flinken Registerwechsel erzeugen zudem aparte Echowirkungen. Doch über all dem strahlt das Lied des langsamen Satzes, ergreifend ausgesungen in einer Kultur des leisen Spiels, die alle Preise rechtfertigt, welche die Solistin bisher errungen hat.

Schubert "Ständchen" als Zugabe

Generalmusikdirektor Joseph Trafton dirigiert die Philharmoniker mit feinem, federnden Puls und fein ausgehörter Intonation. Die Streicher glänzen regelrecht.

Als Zugabe gibt es Schuberts „Ständchen“, so betörend exquisit und herzbewegend gespielt, dass das Publikum Bettina Aust am liebsten gar nicht hätte gehen lassen.

Eine derart homogene Leistung lässt Bruckners „Vierte“ vermissen. Viele große Dirigenten haben mit den Philharmonikern bereits Bruckner interpretiert, unvergessen sind die Konzerte mit dem 2001 verstorbenen Heinz Rögner. Für den jungen Amerikaner Joseph Trafton ist Bruckner noch Neuland, daher ist es spannend, wie der GMD sich diesem Trumm von einer Sinfonie nähert.

Steigerungswellen entladen sich in monumentalem Höhepunkt

Dafür wählt Trafton eine Aufstellung, die sich in der Hagener Stadthalle gut bei Werken der Romantik bewährt hat: Die Kontrabässe sind hinten platziert, das Blech rechts, erste und zweite Geigen einander gegenüber. Aus der Tiefe der Streichbässe heraus angeschoben, entwickelt Trafton eine Architektur aus gewaltig geschichteten Klangblöcken, Steigerungswellen, die sich in monumentalen Höhepunkten entladen.

Die Zuhörer genießen gelungene Passagen, aber es gibt auch problematische Stellen, Bruckners raffiniertes Spiel mit geradem und triolischem Puls zum Beispiel wird allzu viereckig eingeebnet, die Übergänge funktionieren nicht als Spannungs-Scharniere und die integrierten Stimmungswechsel werden vernachlässigt, darunter das Waldweben sowie die Fernklangeffekte. Am gravierendsten wirkt sich das beim Scherzo mit seinem Tristan- und Isolde-Hornruf zum Auftakt aus. Dieses Jagdmotiv ist nicht nur idyllisch, es offenbart abgründige Seiten, und die möchte man hören.

Hagener Publikum ist begeistert

Den langsamen Satz gestaltet Trafton als Pilgerchoral, der sich zum Hymnus aufschwingt. Der Schluss verhaucht sich delikat in leisen Paukenschlägen. Solohornist Stefan Henke leistet in allen vier Sätzen großartige Arbeit, und die Streicher überzeugen erneut. Zu den schönsten Momenten der Interpretation gehört die Zielgerade des Finales, wenn Trafton alle Farben des Orchesters wie gewaltige Orgelregister „zieht“ und zu einem sinfonischen Großerlebnis zusammenführt. Das Publikum ist zu Recht begeistert.

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