Kunst

Kai Schröder aus Hagen präsentiert verlassene Orte

Kai Schröder präsentiert den Prototyp zu „Lostventure“. Der Bildband zeigt verlassene Orte.

Kai Schröder präsentiert den Prototyp zu „Lostventure“. Der Bildband zeigt verlassene Orte.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Was Kai Schröder an verlassenen Orten in Hagen und anderswo fasziniert und warum sein Bildband in die momentane Corona-Zeit passt.

Die Fotos sind vor vier, fünf Jahren in ganz Deutschland und in Belgien entstanden – damals war die Zeit noch eine andere. „Aber genau jetzt wäre die Zeit richtig, um meinen Bildband ,Lostventure’ herauszubringen“, sagt Kai Schröder und spielt damit auf die Corona-Pandemie, die Gefühle der Ungewissheit, Vergänglichkeit und Verfremdung, an. Der 41-jährige Designer hat einen Prototypen mit Motiven, die „lost places“, also verlassene Orte, zeigen, erstellt. Verlagsverhandlungen zögen sich lange hin, sagt der gebürtige Hagener, der mittlerweile in Wetter lebt. Er versuche nun, die Kosten für die Produktion selbst aufzubringen beziehungsweise ein Crowdfunding-Projekt (Schwarmfinanzierung) zu starten.

„Lostventure“, zu deutsch „Wagnis ins Verlassene“, sei kein reines Fotobuch, „es ist ein Kunstwerk“, betont der Designer und streicht versonnen über das Buch, das größtenteils Schwarz-Weiß-Fotografien, flankiert mit Zitaten bekannter Schriftsteller wie Edgar Allan Poe und Franz Kafka, enthält.

Zwei verlassene Orte, die Kai Schröder aufgesucht hat, befinden sich in Hagen. So hat er die Indu­striebrache von Brandt in Haspe besucht und den morbiden Charme der Zwieback- und Keksfabrik mit der Kamera eingefangen, außerdem hat der 41-Jährige ein verlassenes Fabrikgebäude in der Nähe von Dahl abgelichtet.

Fotos als Metaphern für Situation

„Mir ist wichtig, den Kontrast zwischen Schönheit und Verfall zu zeigen“, sagt Kai Schröder, der mit seinen Motiven keine positive Stimmung schaffen möchte, sondern vielmehr das zeigen will, was gerade auf der Welt passiert: „Viele Menschen fühlen sich derzeit einsam und isoliert. Meine Fotos sind Metaphern für die Situation, die viele von uns momentan erleben.“

Kai Schröder hat auf seiner Tour diverse „lost places“ angesteuert. So ist er durch eine leergezogene Militärkaserne und verlassene Ruinen gestreift. Ab und an lässt der Künstler eine leichte Farbigkeit zu, „bei den Kasernen-Fotos schimmern zum Beispiel Grüntöne durch, die Schimmelbildung und Pflanzenwuchs sichtbar machen. Die Motive spiegel wider, dass sich die Natur als übermächtiger Gegner alles zurück holt.“

Den Ist-Zustand zeigen

Was ihm wichtig ist? „An meinen Motiven ist nichts geschönt. Ich zeige den Ist-Zustand“, unterstreicht der 41-Jährige. „Meine Fotos sind angelehnt an die analoge Fotografie, sie sind kaum manipuliert, ich benutze Photoshop so wenig wie möglich.“

Wenn die Finanzierung des Buches steht, will Kai Schröder zwei Versionen herausbringen: Der großformatige Bildband soll 211 Seiten umfassen, der kleinere 146 Seiten, „für beide Versionen werde ich edles Material wie Asphalt- und Pergaminpapier verwenden, denn nicht nur auf Optik und Inhalt kommt es an, sondern auch auf den haptischen Eindruck.“

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