Bildung

Kegelbahn für Altenheime: Schüler in Hagen gründen Firma

Der Kurs Juniorfirma hat eine Kegelbahn für ältere Menschen konstruiert.

Der Kurs Juniorfirma hat eine Kegelbahn für ältere Menschen konstruiert.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Mit einer eigenen Firma haben Schüler des Hildegardis-Gymnasiums in Hagen eine Kegelbahn für Senioren konstruiert. Zum Preis von 49 Euro.

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Die Großeltern vieler Schüler aus der Klasse befänden sich in einem Altenheim, berichtet Viktoria Boquoi, Neuntklässlerin am Hildegardis-Gymnasium. Nicht zuletzt deshalb hatten die 18 Jungen und Mädchen, die sich im Wahlpflichtfach Juniorfirma zusammengefunden haben, bei der Entwicklung eines marktfähigen Produktes die Bedürfnisse alter Menschen im Blick.

Herausgekommen ist ein Produkt namens „Bowl goal“, eine Tischkegelbahn, an der auch körperlich beeinträchtigte Menschen spielen und Spaß haben können. „Auch wenn sich alte Menschen vielleicht nicht mehr so gut bewegen können, brauchen sie ja Beschäftigung“, erläutert Viktoria: „Deshalb ist die Bahn, die wir konstruiert haben, leicht und handlich. Und man kann auch im Sitzen bzw. im Rollstuhl daran spielen.“

Der Name des Schulfaches – Juniorfirma – ist übrigens Programm. Die Neuntklässler haben tatsächlich, unter dem Dach der IW Junior gemeinnützigen GmbH, die zum Institut der deutschen Wirtschaft in Köln gehört, die Firma Ludenx gegründet, um die Kegelbahn vertreiben zu können.

Auf dem freien Markt

Jeder Schüler hat einen Posten übernommen – im Vorstand, der sich um die wichtigen Entscheidungen kümmert, in der Marketingabteilung, in der Buchführung, der Personalabteilung oder der Produktion. „Wir lernen hier alles, was man wissen muss, um später vielleicht eine eigene Firma zu gründen“, sagt Tobias Spatek. Und die Schüler haben bereits verinnerlicht, dass der Erfolg des gesamten Projektes gefährdet ist, wenn nur ein Rädchen (eine Abteilung) im Unternehmen den Dienst versagt.

Die Schülerfirma darf auf dem freien Markt agieren, wenngleich ihr Bewegungsspielraum eingeengt ist. Maximal 15.000 Euro dürfen die Hilde-Schüler umsetzen und nicht mehr als 5000 Euro Gewinn erwirtschaften. „Das Projekt dient ja nicht dazu, irgendjemanden reich zu machen“, sagt Fachlehrerin Kamila Stays: „Einen etwaigen Erlös verwenden wir für einen guten Zweck oder zahlen ihn an unsere Sponsoren bzw. Investoren zurück.“

Erfahrener Berater

Neben den Schülern selbst haben vor allem Eltern, Freunde und Lehrer in Ludenx investiert. Und mit Uwe Gnasnick (55) hat sich die Schülerfirma einen erfahrenen Berater an die Seite geholt. Der Vater einer Tochter im Kurs hat schon mit 20 Jahren seine erste Firma gegründet und ist heute als Unternehmensberater tätig.

Dank seiner Unterstützung hat die gerade mal zwei Kilo schwere Kegelbahn mit den Maßen 1,60 x 60 x 8 cm Marktreife erlangt, die Schüler wollen sie nun zum Preis von 49 Euro in Altenheimen präsentieren und zum Verkauf anbieten. Den Rest regeln Angebot und Nachfrage: Werden die entsprechenden Stückzahlen bestellt, könnten die Schüler die aus Holz und Pappe konstruierte Bahn (mit Kegeln und Kugel aus Kunststoff) in Serie montieren.

Mit Ablauf des Schuljahres wird Ludenx aufgelöst, das fordern die Regeln des Projektes. Im nächsten Jahr können dann die nächsten Neuntklässler mit einem eigenen Unternehmen ihren wirtschaftlichen Instinkt beweisen.

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