Unfallstatistik

Kinder leben auf den Hagener Straßen gefährlich

Die jüngsten Zahlen aus der Verkehrsunfallstatistik stimmen Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr, und Polizeipräsident Wolfgang Sprogies (rechts) durchaus nachdenklich.Foto:Michael Kleinrensing

Die jüngsten Zahlen aus der Verkehrsunfallstatistik stimmen Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr, und Polizeipräsident Wolfgang Sprogies (rechts) durchaus nachdenklich.Foto:Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Zahl der Unfälle mit Kindern hat in Hagen im Jahr 2018 erneut zugenommen – ganz anders als im Landestrend. Die Ursachen sind rätselhaft.

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Die Zahl der in Hagen bei einem Verkehrsunfall verletzten Kinder hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. 72 Kinder waren 2018 in einen Unfall verwickelt, glücklicherweise kam keines von ihnen zu Tode.

Dennoch bereitet die Steigerung gegenüber den Vorjahren (2017: 67 Kinder, 2016: 65, 2015: 33) Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium Hagen, Sorge: „Die Zahlen explodieren nach oben. Leider konnten wir den Trend wieder nicht umkehren – wohl auch, weil wir nicht wissen, was die Ursache für diese Entwicklung ist.“

Über 9000 Unfälle

Hoffmanns Sorgen erscheinen berechtigt, zumal die Kinderunfälle in ganz Nordrhein-Westfalen rückläufig ist (von 6668 im Jahr 2017 auf 6593 im Jahr 2018). Verhalten sich die Kinder in Hagen also besonders unaufmerksam im Verkehr? Sind die Autofahrer rücksichtsloser als anderswo? Sind die Verkehrsverhältnisse hier besonders unübersichtlich?

Hoffmann will keine dieser Vermutungen gelten lassen, vielmehr ist er zu der Überzeugung gelangt, dass die Zahl der Kinderunfälle mit der Zahl der Gesamtunfälle in Hagen steigt. Das klingt einleuchtend und ist belegbar. Seit 2014 (7513) gibt es jedes Jahr mehr Unfälle in Hagen, 2018 waren es bereits 9019. „Das ist eine sehr unerfreuliche Statistik“, zeigte sich auch Polizeipräsident Wolfgang Sprogies verdrießlich.

Unglücke in der Freizeit

Die Polizei hat auch ausgewertet, dass die Mehrzahl der Kinder (39) in ihrer Freizeit verunglückt ist, nur vier sind auf dem Schulweg zu Schaden gekommen. Deshalb das Verhalten von Helikopter-Eltern, die ihren Nachwuchs mit dem Auto vors Schultor chauffieren, zu rechtfertigen, sei jedoch ein Trugschluss, so Hoffmann: „Im Gegenteil: Diese Kinder lernen nicht, wie sie sich im Verkehr verhalten müssen und verunglücken umso eher in ihrer Freizeit.“

Natürlich werde die Polizei auch zukünftig Verkehrserziehung in allen Schulen leisten, doch das könne letztlich nur eine Hilfestellung sein: „Für die Erziehung sind in erster Linie die Eltern verantwortlich. Auf sie kommt es an, ob ein Kind vor einer roten Ampel stehen bleibt oder beim Fahrradfahren einen Helm aufsetzt.“

Blechschäden und Unfallfluchten

Unter den über 9000 Unfällen sind übrigens zahlreiche Blechschäden, die beim Ein- und Ausparken zustande gekommen, häufig auf den Parkplätzen von Supermärkten. Viele Verursacher begehen anschließend Fahrerflucht, womit aus einem Versicherungsschaden sogleich eine Straftat wird. „Sie riskieren eine Vorstrafe und den Entzug des Führerscheins“, zeigt Hoffmann für solches Verhalten keinerlei Verständnis.

Doch auch in diesem Bereich ist die Statistik wenig verheißungsvoll: 2017 gab es 1707 Unfallfluchten in Hagen, 2018 waren es 1714. Immerhin 45 Prozent davon klärte die Polizei auf.

Drei Todesfälle

Bei drei Unfällen in Hagen kamen im letzten Jahr Menschen ums Leben. Am 17. Mai wurde ein Fußgänger (81) an der Ecke Stennert-/Mühlenbergstraße von einem Lkw-Fahrer beim Abbiegen übersehen und umgefahren, am 6. Juli starb eine Frau (32) beim Überqueren des Märkischen Rings, weil sie mit einem Auto kollidierte, am 19. Juli wurde ein E-Bike-Fahrer (74) beim Überqueren des Bahnübergangs Barmerfeld von einem Zug erfasst.

Zahlreiche Autofahrer ignorieren nach wie vor das Handyverbot am Steuer. 2431 Fahrzeugführer erwischte die Polizei 2018 in Hagen, sie wurden mit 100 Euro Bußgeld sowie einem Punkt in Flensburg bestraft.

Wer mehrmals ertappt wird, den kann das Straßenverkehrsamt laut Hoffmann zur medizinisch-psychologischen Untersuchung („Idiotentest“) schicken, um herauszufinden, ob er zum Führen eines Fahrzeugs überhaupt geeignet ist.

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