Erziehung

Kita Gabriel in Hagen ist größter Kindergarten in NRW

Kinder Holzgerüst im Park der Kita.

Kinder Holzgerüst im Park der Kita.

Foto: Heuel

Hagen-Mitte.   Dieser Kindergarten hat zwei freigestellte Leiterinnen und sogar eine Sekretärin: Die Kita Gabriel (200 Kinder) ist die größte Kita in NRW.

36 Erzieherinnen, zwei Leiterinnen, vier Hauswirtschafterinnen, vier Putzfrauen, eine Sekretärin und zahlreiche Praktikanten – die Kindertagesstätte Gabriel ist ein Kindergarten der Superlative. 200 Kinder werden in der Yorckstraße betreut, sie verteilen sich auf zehn Gruppen. Die Hagener Einrichtung ist die größte Kindertagesstätte in Nordrhein-Westfalen.

Trotz ihrer Dimensionen ist die Tagesstätte zugleich ein Vorzeige-Kindergarten. Die Gruppenräume sind modern und strahlen zugleich eine helle, sympathische Heimeligkeit aus, der riesige Außenbereich gleicht einem Park und ist mit Bäumen und Spielgeräten bestanden. Obwohl hier bisweilen weit über hundert Kinder herumtollen, wirkt das Gelände nie überfüllt. „Eine grüne Oase mitten in der Stadt – ist doch super“, sagen Kita-Leiterin Judith Kikillus und ihre Stellvertreterin Barbara Hollstein-Geraridis.

Markanter Rundbau

In dem markanten Rundbau an der Yorckstraße 11 war bis 2013 ein kleiner Kindergarten der evangelischen Stadtkirchengemeinde untergebracht. Doch dann gab die Kirche ihr Gemeindezentrum an der Yorckstraße auf, die Kita Hegemann GmbH, ein privater Kindergartenbetreiber, übernahm Hauptgebäude und Rondell und setzte noch einen Anbau hinzu. „Ich glaube, für dieses Stadtviertel ist das eine gute Lösung“, prophezeite damals Oliver Hegemann.

Er sollte Recht behalten. Seine betont christliche Ausrichtung hat der Kindergarten zwar verloren, dafür herrscht hier jetzt eine bunte Mischung der Kulturen. „Wir sind multikulturell, wie es die Innenstadt auch ist“, sagt Hollstein-Geraridis: „Kinder aus bildungsfernen Schichten sind ebenso bei uns wie Kinder aus Akademikerfamilien.“

Die ganz kleinen Knirpse im Alter von 1 bis 3 Jahren sind in dem Rundbau untergebracht, nach dem dritten Geburtstag wechseln sie in eine der Gruppen des Hauptgebäudes und nach weiteren drei Jahren zumeist auf die benachbarte Grundschule Henry van de Velde, mit der der Kindergarten eng zusammen arbeitet. „Wir helfen den Kindern natürlich, damit der Übergang von der Kita in die Schule möglichst reibungsfrei funktioniert“, sagt Leiterin Kikillus.

Geringer Lärmpegel

Auffallend ist, dass es trotz der Anwesenheit von 200 Kindern ausgesprochen ruhig zugeht. Barbara Hollstein-Geraridis kann das nur bestätigen, sie hat bis vor kurzem noch in einem gerade mal dreigruppigen Kindergarten gearbeitet: „Und da war es lauter als hier.“ In der Kita Gabriel sei klar geregelt, dass die Kinder nicht viel Zeit auf den Fluren verbringen dürften: „Weil wir sie da nicht gut beaufsichtigen können.“

Aber das wirke sich, neben der Disziplin, auf die die Erzieherinnen Wert legen, eben auch positiv auf den Lärmpegel im Gebäude aus.

„Kita mit Biss“

Neben einigen weiteren Zusatzqualifikationen hat der Kindergarten die Bezeichnung „Kita mit Biss“ erworben, womit ein Präventionsprogramm mit dem Ziel, Karies bei Kindern einzudämmen, gemeint ist. Süßigkeiten sind in der Groß-Kita bis auf wenige Ausnahmen tabu, zumal es den Eltern untersagt ist, ihren Kindern etwas zu essen mitzugeben.

Andererseits sind Frühstücksbüffet und Mittagessen für alle Kinder kostenlos, nachmittags gibt es Obst und Rohkost. „Die Eltern akzeptieren das“, sagt Kikillus und verweist darauf, dass Väter und Mütter in viele Maßnahmen eingebunden werden: „Auf Elternarbeit legen wir hier großen Wert. Zweimal im Jahr ist Elternsprechtag.“

Hoher organisatorischer Aufwand

Der organisatorische Aufwand, den solche Angebote erfordern, ist nur zu bewältigen, weil Kikillus und Hollstein-Geraridis für Verwaltung und Leitung der Einrichtung von erzieherischen Aufgaben freigestellt sind und zudem noch von einer Sekretärin unterstützt werden. Es braucht eben Zeit, täglich 200 Mittagessen abzurechnen. Und im Sommer werden bisweilen 40 Kinder verabschiedet und 40 neu aufgenommen.

Es läuft rund in der größten Kita von NRW mit ihren 200 Kindern und 47 Beschäftigten, die übrigens allesamt Frauen sind. „Wir hätten ja gern einen Mann im Team“, sagt Hollstein-Geraridis. Doch männliche Erzieher gibt es bekanntlich kaum. Scheint so, als bleibe Erziehungsarbeit Frauensache.

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