Spezialeinsatz

Kläranlage Vorhalle: Taucher müssen in den Faulturm hinab

Taucheinsatz in der Vorhaller Kläranlage: Aus 37 Metern Tiefe steigt der Industrietaucher auf und wird umgehend von seinen Kollegen von Klärschlammrückständen befreit.

Taucheinsatz in der Vorhaller Kläranlage: Aus 37 Metern Tiefe steigt der Industrietaucher auf und wird umgehend von seinen Kollegen von Klärschlammrückständen befreit.

Foto: Ruhrverband

Vorhalle.   Es ist ein Spezialeinsatz, für den man seinen Ekel vergessen muss. Der Faulturm der Kläranlage in Hagen-Vorhalle wird von Tauchern gereinigt.

Es ist ein Einsatz, bei dem man kein Mensch sein darf, der stark gegen Ekelgefühle ankämpfen muss. Taucher reinigen in diesen Tagen den Faulbehälter der Kläranlage in Vorhalle, die ab 2028 nur noch die einzige Kläranlage sein soll, in der das Hagener Wasser gereinigt wird. Aktuell gibt es noch drei Kläranlagen im Stadtgebiet.

In kompletter Montur wird der Industrietaucher eines österreichischen Spezialunternehmens in den etwa 37 Meter tiefen Faulbehälter der Kläranlage in Vorhalle abgeseilt. Dort muss er sich bei knapp 37 Grad Schlammtemperatur in völliger Dunkelheit zurechtfinden. Sein Auftrag: Sandablagerungen und sogenannte Verzopfungen im Faulturm der Kläranlage entfernen, damit der Klärbetrieb nicht beeinträchtigt wird.

In den Faulbehältern einer Kläranlage befindet sich der bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm. Beim Ausfaulen entsteht Klärgas, das in den Blockheizkraftwerken der Kläranlage Hagen zur Energiegewinnung genutzt wird. „Aber im Laufe der vergangenen 20 Jahre haben Sedimentablagerungen in den zwei Faulbehältern dafür gesorgt, dass die Durchmischung des Faulschlamms empfindlich gestört wird. Dadurch leiden die Faulraumkapazität und die Gasausbeute“, erklärt der zuständige Ruhrverband.

Die sogenannte„Nassräumung“ wird von fünf Tauchspezialisten durchgeführt und ist eine Alternative zur kostspieligeren Komplettentleerung des Faulbehälters. Die Industrietaucher entfernen im Zeitraum von knapp drei Wochen und fünf Tauchgängen täglich die Ablagerungen. Maximal eine halbe Stunde bleiben die Spezialisten im Klärschlamm. Das Auftauchen dauert 30 Minuten und erfolgt etappenweise, denn dem Risikoeiner „Dekompressionskrankheit“ (zu schnelles Auftauchen nach Überdruck) soll sich kein Taucher aussetzen müssen.

Gebührenstabilität sichern

Um langfristig bei den Abwasserkosten Gebührenstabilität gewährleisten zu können, möchte der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) das Kläranlagennetz im Stadtgebiet weiter ausdünnen: Künftig sollen lediglich noch an der Kläranlage in Vorhalle im Schatten des Eisenbahnviadukts die Hinterlassenschaften der Hagener an den Ruhrverband übergeben werden. Die Kläranlagen in Fley und Boele/Bathey möchte man aufgeben. „Bis 2028 bleibt die Anlage in Fley aber noch bestehen“, sagt WBH-Vorstand Hans-Joachim Bihs. Vor dem Hintergrund der Aufgabe der Anlage in Fley soll ab 2020 dann mit den Planungen einer neun Kilometer langen Abwasser-Rohrleitung entlang der Lenne und Ruhr nach Vorhalle begonnen werden. Kosten dafür: geschätzt 15 bis 18 Millionen Euro. Klingt nach viel Geld. Aber Hans-Joachim Bihs sagt: „Der Betrieb einer einzigen Kläranlage kostet uns im Jahr 500.000 Euro.“ Fallen zwei Anlagen weg, sind die Investitionskosten für die neue Rohrleitung schnell wieder hereingewirtschaftet.

Mit der Aufgabe der Kläranlage in Fley ergibt sich für die Stadt Hagen zudem die Chance, dass das einst kostenlos dem Ruhrverband überlassene Grundstück im Lennetal als Gewerbefläche attraktiv nachgenutzt werden könnte.

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