Kultur

Klangskulpturen aus Besen und Stuhlbeinen

Künstler Taka Kagitomi (links) und Kurator Ihsan Alisan bereiten derzeit die Klangskulpturen-Ausstellung im jungen Museum im Souterrain des Osthaus-Museums vor. 

Künstler Taka Kagitomi (links) und Kurator Ihsan Alisan bereiten derzeit die Klangskulpturen-Ausstellung im jungen Museum im Souterrain des Osthaus-Museums vor. 

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.   Der japanische Künstler Taka Kagitomi präsentiert ab Februar ein experimentelles Klangskulpturen-Projekt im Osthaus-Museum.

Es geht um Austausch und um Verständigung. „Schwingungen sind die Sprache, die jeder Mensch versteht“, formuliert Taka Kagitomi seine Botschaft klar und deutlich. Der in Japan geborene, jedoch seit mehr als 25 Jahren in Deutschland lebende Künstler stellt ab Februar im Kunstquartier aus.

Doch keine gewöhnliche Ausstellung bereiten der 44-Jährige und Kurator Ihsan Alisan derzeit vor, sondern eine Performance, an der sich aufgeschlossene Leute beteiligen können. Aufgeschlossen deshalb, da das Projekt, in dem in den folgenden Wochen im Osthaus-Museum eine Installation entsteht, schon etwas „schräg“ ist.

Künstler Taka Kagitomi im Osthaus-Museum

Der Künstler Taka Kagitomi sammelt für seine Performance zur Ausstellung „but it rings and I rise“ Holzgegenstände. Die Ausstellung findet im Februar im Osthaus-Museum statt.
Künstler Taka Kagitomi im Osthaus-Museum

Kagitomi und Alisan setzen auf Interaktion. Heißt, möglichst viele Bürger sollen sich aktiv am Klangskulpturen-Projekt beteiligen, das dadurch wächst und sich in eine Richtung entwickelt, die jetzt noch niemand kennt.

Sperrmüll wird nicht angenommen

„An den folgenden fünf Samstagen ziehen wir durch die Fußgängerzone und bitten die Leute auf der Straße, uns mit Gegenständen aus Holz, die sie nicht mehr benötigen, für unser Projekt zu unterstützen“, erklärt der Künstler. Da nicht davon auszugehen ist, dass Wochenend-City-Bummler Teppichklopfer, ­Feger, Besen, Tisch- oder Stuhlbeine, alte Tennisschläger oder Musikinstrumente aus Holz bei sich tragen, können die Objekte später an der Kasse im Kunstquartier abgegeben werden.

„Es werden allerdings keine großen Möbelstücke angenommen“, warnt Ihsan Alisan im Vorfeld jene, die die Sammelaktion als bequeme und kostenfreie Möglichkeit ansehen könnten, Sperrmüll loszuwerden.

„Bitte mitmachen!“

Auf die Vernissage am Freitag, 9. Februar, blickt Ihsan Alisan mit Spannung: „Es wird dann nicht heißen ,Bitte nichts anfassen!’, sondern ,Bitte mitmachen!’, macht der Kurator auf den Abend neugierig.

Denn aus den gesammelten Objekten kreiert Taka Kagitomi dann skurrile Klangskulpturen aus defekten Instrumenten, Drumsticks, Gehstöcken und vielem mehr.

„Die Besucher sind aufgefordert, bei dieser experimentellen Performance selbst zu Musikern und Schwingungen-Erzeugern zu werden“, erläutert Alisan das Projekt. Und Taka Kagitomi verwandelt parallel dazu eigens gesammelte oder von Bürgern gespendete Gegenstände mit elektrischen Verstärkern zu berührungssensiblen Klangkörpern.

Außerdem wird er von befreundeten Performance-Künstlern und ausgebildeten Musikern unterstützt.

Fantastische Akustik

„Das Spektakel findet im Souterrain des Osthaus-Museums, also im jungen Museum, statt. Die hohen Museumsräume haben eine fantastische Akustik, es entsteht ein regelrechtes Akustik-Labor“, verspricht Ihsan Alisan. Die Ausstellung ist das dritte von Alisan kuratierte Projekt im Osthaus-Museum.

Birgit Schulte, stellvertretende Direktorin des Osthaus-Museums, begrüßt, dass Künstler wie Taka Kagitomi auf die Straße gehen, um später mit neuen Ideen und Gegenständen ins Museum zurückkehren.

„Kunst im öffentlichen und geschlossenen Raum verbinden sich – ein schönes Experiment.“

Die archaisch anmutende Performance, bei der sich Kagitomi eine Holzmaske aufsetzt, die zum Klangkörper mutiert, wirkt befremdend.

Durch den Einsatz eines elektrischen Verstärkers wird ein sphärischer Klangteppich gewebt.

„In Kagitomis Performances wird der menschliche Körper regelrecht zum Resonanzkörper“, so Birgit Schulte, die den experimentellen Charakter des Projektes schätzt.

Die Ausstellung läuft bis zum 11. März.

Während der Ausstellungsdauer bietet der Künstler an mehreren Sonntagen 90-minütige kostenlose Workshops mit anschließender Performance an. Lediglich der übliche Eintritt ins Kunstquartier ist von den Besuchern zu entrichten.

>>>HINTERGRUND

  • Taka Kagitomi wurde 1973 in Chiba (Japan) geboren. Seit 2008 ist er Meisterschüler bei Prof. Tal R. an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf.
  • Stipendien und etliche Ausstellungsbeteiligungen führten ihn u.a. in die USA, Ukraine, Finnland und in die Schweiz.
  • Taka Kagitomi lebt in Düsseldorf, wo er ein Atelier – eine Art Tischlerwerkstatt, in der er etliche Gegenstände sammelt und verarbeitet – betreibt.
  • Das Klangskulpturen-Projekt „But it rings and I rise“ entsteht in Zusammenarbeit dem Flüchtlingshilfsprojekt „Rhythmus, Hertz, Klang“ und wird finanziell gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft sowie dem Landesmusikrat NRW.
  • Es handelt sich um Taka Kagitomis erste Einzelausstellung in Deutschland. Die Ausstellung wird durch Workshops flankiert.
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