Nachbarschaftshilfe

Kleine Heldentat – Nachbar-Landwirte retten Ernte vor Regen

Die Helfer Klaus Prinz, Werner Becker, Jan Grothmann, Peter Moll und die Söhne von Jürgen Wellerdieck, Stefan und Thomas (alle Erwachsenen von links) mit Söhnen und Enkeln auf der Heu-Wiese.

Die Helfer Klaus Prinz, Werner Becker, Jan Grothmann, Peter Moll und die Söhne von Jürgen Wellerdieck, Stefan und Thomas (alle Erwachsenen von links) mit Söhnen und Enkeln auf der Heu-Wiese.

Foto: Sascha Kertzscher/Jürgen Wellerdieck

Tücking.  Als die Heuernte von Jürgen Wellerdieck im Starkregen abzusaufen droht, hört er das Brummen mehrerer Trecker auf dem Tücking – die Rettung naht.

Vielleicht wäre die Welt ja eine bessere, wenn man auch in anderen Branchen so zueinanderstehen und selbstlos die Ärmel für die Kollegen hochkrempeln würde. Als während des Unwetters am vergangenen Donnerstag die Heu-Ernte auf den Wiesen des Landwirtes Ernst Rasche auf dem Tücking abzusaufen droht und Flächenpächter Jürgen Wellerdieck um das Futter für seine Pferde fürchtet, hört er plötzlich das laute Brummen mehrerer Trecker, die auf den Tücking rollen. Im letzten Moment haben drei Landwirte aus der näheren Umgebung alles stehen und liegen lassen und retten die Ernte. Eine Geschichte über Zusammenhalt, wie es ihn nur noch selten gibt.

Seit über 100 Jahren hilft man sich gegenseitig

„Das kenne ich gar nicht anders. Das machen unsere Familien seit über 100 Jahren so. Hier hält man zusammen“, sagt Landwirt Rainer Schmalenbach, der zu den Rettern gehörte. Was war geschehen? Jürgen Wellerdieck, der bei Landwirt Ernst Rasche eine rund drei Hektar große Fläche gepachtet hat, um dort Heu für seine Pferde zu gewinnen, war in Not. Um es aufzunehmen, zu pressen und zu wickeln, sind eigentlich drei Arbeitsschritte notwendig, die im Normalfall in mehreren Stunden oder an mehreren Tagen durchgezogen werden. Diesmal geschah das alles in einer Stunde.

Denn: Rainer Schmalenbach fuhr vom Tücking heran , nahm das Heu auf und verarbeitete es mit seiner Heuballenpresse so, dass es auf die Wiesenflächen fiel. Danach kam Landwirt Peter Moll vom Kuhlerkamp herangefahren und wickelte das Heu mit einer Wickel-Maschine. Werner Becker und sein Schwiegersohn – beide vom Hof Becker auf der Halle – kamen mit Traktoren und Anhängern und luden das Heu auf, um es in Sicherheit und in trockene Umgebung zu bringen.

Starkregen kann Ernte ruinieren

„Das ist doch ganz klar, dass wir sofort losfahren, um zu helfen“, sagt Werner Becker. Niemand wolle selbst erleben, wie seine Erträge absaufen. Landwirtschaft ist eine Arbeit, die viele Arbeitsschritte erfordert, viel Zeit und viele körperliche Mühen. Dementsprechend schmerzhaft kann es sein, wenn das Ergebnis monatelanger Vorbereitungen einfach im Starkregen untergeht.

„Es ist aber tatsächlich schon viele Jahre so, dass die Höfe auf dem Tücking zusammenhalten“, sagt Rainer Schmalenbach. So würden beispielsweise Maschinen wie Rundballenpressen oder Wickler, die in der Anschaffung horrende Kosten verursachen, miteinander geteilt. So profitieren alle Höfe von der individuellen Ausstattung des jeweils anderen. „Stimmt, so etwas gibt es in anderen Branchen gar nicht. Aber in der Landwirtschaft ist das sehr wichtig“, sagt Werner Becker.

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