Fridays for Future

Klima-Aktivisten in Hagen: Fünf klare Forderungen an Politik

Janne Rosenbaum von Fridays for Future spricht vor Mitgliedern von Rat und Verwaltung im Rathaus. 

Janne Rosenbaum von Fridays for Future spricht vor Mitgliedern von Rat und Verwaltung im Rathaus. 

Foto: Mike Fiebig

Hagen.  Fridays-for-future-Bewegung im Ratssaal: Die Schüler präsentieren sich sortiert und positionieren sich. Doch es gibt auch Ernüchterung.

Der Abend hatte einen positiven und einen ziemlich ernüchternden Aspekt. Positiv ist, dass die Mitstreiter der Bewegung „Fridays for future“ in Hagen und die Mitglieder des Stadtrates sich im Ratssaal zu einer wichtigen und gemeinsamen Diskussion eingefunden hatten. Sehr ernüchternd aus Zuhörersicht muss man beschreiben, dass die jungen Menschen gleich mehrfach zwei der auch abseits der Veranstaltung wohl meistgesagten Sätze der Hagener Verwaltungsspitze zu hören bekamen. Erstens: „Das liegt nicht in den Händen der Stadt Hagen, sondern muss auf Landes- und Bundesebene angegangen werden.“ Und zweitens: „Wenn wir das machen, was macht das dann mit der finanziellen Situation der Stadt Hagen?“

Oberbürgermeister Erik O. Schulz musste ob seiner Rolle am Dienstagabend nicht viel Haltung zeigen. Er machte den Moderator. Das machte er fair und auf Augenhöhe, er fragte die engagiert vortragenden Schüler um Frontfrau Janne Rosenbaum aber auch ziemlich suggestiv, was all die für Hagen geforderten Klima-Maßnahmen denn mit den ohnehin hohen Stadtschulden machen würden. Ein bisschen so, wie man es aus zahlreichen ernüchternden politischen Diskussionen in Hagen kennt. Die Schüler drohten fast ein bisschen eingefangen zu werden von dieser entmutigenden Lethargie, die das Schulden-Argument in Hagen oft auslöst.

Schlagfertige Janne Rosenbaum

Doch die schlagfertige Janne Rosenbaum entgegnete, dass man ja von der gedanklichen Haltung her mal anfangen könnte, darüber nachzudenken, ob man Nachfolgegenerationen eigentlich auch noch irgendwas anderes hinterlassen könnte als Finanzen. Beispielsweise eine Stadt, in der man noch leben könne. Applaus für Rosenbaum.

Die Klimakämpfer hinterließen der Politik der Verwaltung in einem knackigen Vortrag fünf Forderungen: 1. Klimaschutz muss oberste Priorität in Rat und Verwaltung haben. 2. Es muss ein Masterplan „100 Prozent“ Klimaneutralität“ bis 2035 in Hagen her. 3. Vorrang dem Umweltverbund und Einführung eines 365-Euro-Tickets im ÖPNV. 4. Jährliche Überprüfung der CO2-Emmissionen pro Kopf in Hagen. Und 5. Ausrufung des Klimanotstandes in Hagen. Die Forderungen wurden wissenschaftlich unterfüttert.

Einen ähnlichen Plan hatte sich auch die Verwaltung überlegt, doch das endete in den Augen anwesender Ratsmitglieder eher in einer Aufdeckung der Situation statt in einem Hoffnung gebenden Bericht. Umweltausschuss-Vorsitzender Hans-Georg Panzer bezeichnete den Vortrag, den Umweltdezernent Thomas Huyeng hielt, als „am Thema vorbei“.

Konzeptlos trotz Konzepten

Huyeng hatte aufgezeigt, wie viele Masterpläne und „integrierte Konzepte“ mittlerweile in Hagen entworfen wurden, deren Fruchtbarkeit aber wenig messbar sind. Letztlich sagte er: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander“.

Panzer erinnerte noch daran, dass die erste vorgeschlagene Maßnahme des 200 Seiten starken Radverkehrskonzeptes wegen dreier Autoparkplätze nicht realisiert wurde. Und dass Aldi an der Boeler Straße ein 3000-Quadratmeter-Grundstück bebauen durfte und nur drei Bäume darauf pflanzte. Raunen im Saal.

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