Kunst in Hagen

„Konkrete Kunst“ einer starken Frau

Eva Niestrath-Berger hat dieses Objekt 1991 aus Torfpappe und Stahlblech erstellt.Es wird – neben etlichen anderen Werken – ab  dem 19. Mai ausgestellt.

Eva Niestrath-Berger hat dieses Objekt 1991 aus Torfpappe und Stahlblech erstellt.Es wird – neben etlichen anderen Werken – ab dem 19. Mai ausgestellt.

Foto: Yvonne Hinz

Hagen.   In Hagen bislang noch nie gezeigte Arbeiten der bekannten Malerin und Bildhauerin Eva Niestrath-Berger werden ab 19. Mai in Hagen ausgestellt.

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Sie ist die von der Stadt Hagen meist beauftragte Künstlerin für Arbeiten im öffentlichen Raum. Kein Wunder also, dass man über Werke von Eva Niestrath-Berger in beinahe jedem Hagener Stadtteil stolpert. „Daher wird sie landläufig auch als ,Stadtbildhauerin’ bezeichnet“, sagt Elisabeth May.

Die Kunsthistorikerin am Osthaus-Museum und Niestrath-Berger-Expertin bezeichnet die außergewöhnliche Frau auch deshalb als besonders spannende Künstlerin, da sie sehr früh in die Abstraktion gegangen ist: „In den 1960er-Jahren gab es in Westfalen insgesamt 15 Bildhauerinnen, von denen nur drei abstrakt arbeiteten. Eine davon war Eva Niestrath-Berger.“

Idee und Materie

Am Freitag, 19. Mai, spricht May einführende Worte zur Ausstellung „Idee und Materie“ in der ­Ardenku-Galerie. 50 Arbeiten, größtenteils in den 1980er-Jahren entstanden, sind zu sehen. Es handelt sich um Werke, die erstmals in Hagen gezeigt werden.

Zum Hintergrund: Die 1993 verstorbene Eva Niestrath-Berger hatte testamentarisch verfügt, dass ihr Nachlass beinahe komplett an eine Galerie in Saarlouis (ihrem Geburtsort) gehen sollte. Jüngst wurde besagte Galerie jedoch aufgelöst, der Nachlass ging an eine Nichte von Niestrath-Berger, die wiederum die 140 Werke (Papierarbeiten, Zeichnungen, Grafiken und Objekte) Petra Holtmann überließ.

Über ein Drittel der Arbeiten sind nun in einer großen Werkschau in der Holtmann’schen Galerie am Höing zu sehen.

Überregional und international anerkannt

Die 1914 im Saarland geborene Eva Niestrath-Berger gilt als wichtigste Vertreterin der konkreten Kunst in Deutschland und ist überregional anerkannt. Sie bekam im gleichen Jahr wie Emil Schumacher (1991) den etablierten Osthaus-Preis verliehen.

Dass die kleine, zierliche Frau überaus innovativ arbeitete, ist auch international früh erkannt und honoriert worden. So findet man Werke (größtenteils Papyrus-Arbeiten) in Sammlungen in New York (im Cooper-Hewitt-Museum), in Kairo sowie in Teheran.

„Wenn sie 1951 nicht nach Hagen gekommen und bis zu ihrem Lebensende hier geblieben wäre, dann wäre sie mit Sicherheit noch weit bekannter geworden“, mutmaßt Elisabeth May.

Nach Hagen kam Eva Niestrath- Berger, da sie den hier ansässigen Bildhauer Karel Niestrath heiratete. In den frühen 60er-Jahren entzog sie sich jedoch dem starken künstlerischen Einfluss ihres Mannes und arbeitete seitdem selbstständig im (Künstler-) Haus Busch. 1991 starb sie mit 78 Jahren in Hagen.

Mit dem Material kämpfen

Dass sich die Künstlerin als ­Malerin wie auch als Bildhauerin am Material abarbeitete und sie ­regelrecht mit dem Material kämpfte, ist auch in den Arbeiten, die in der Ardenku-Galerie ausgestellt werden, zu sehen. „Eva ­Niestrath-Berger perforierte, ritzte oder färbte Papier, bis es auseinanderfiel. Und sie ließ Entwicklungsprozesse geschehen. So durfte sich Pappe ­wellen und verfärben und Metall durfte rosten“, resümiert Petra Holtmann.

>>HINTERGRUND

Von 1978 – 82 hat Eva ­Niestrath-Berger die Hagener Fußgängerzone als „Stadtbildhauerin“ künstlerisch maßgeblich mitgestaltet, u.a. hat sie die gusseisernen Baumroste entworfen.

Weitere von ihr erstellte „Kunst im öffentlichen Raum“: Zum Beispiel die sieben Basaltstelen im Park am Allerwelthaus, eine Bodenplastik vor der Gesamtschule Helfe, ein farbenfrohes Hinterglasbild an der Grundschule Emst sowie ein ­Relief an der Freiherr-vom-Stein-Grundschule in Vorhalle.

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