Gertrud Bäumer

Kopf der Powerfrau ziert Briefmarke

Die Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer wurde im Jahr 1873 in Hohenlimburg geboren.

Foto: Stadtarchiv Hagen

Die Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer wurde im Jahr 1873 in Hohenlimburg geboren. Foto: Stadtarchiv Hagen

Hohenlimburg.   Sie ist das Sinnbild einer Frauenrechtlerin: Gertrud Bäumer. Wer weiß, dass sie aus Hohenlimburg stammt?

„Gertrud-Bäumer-Weg? Wo soll der denn sein?“ Diese Straße gibt es übrigens auch in Rostock, Hannover oder Regensburg. Aber dort möchte der Mann im Taxi nicht hin, sondern nach Hohenlimburg. „Den Namen habe ich schon mal gehört“, so der Fahrer. Um den Weg zu finden, braucht er aber das Navi.

Biegt man von der B7 in die obere Lindenbergstraße ein, ist der Gertrud-Bäumer-Weg die erste der zwei links verlaufenden Parallelstraßen. Die zweite Straße heißt Hacheney – dort hat der Hohenlimburger Bauverein viele alte Immobilien abgerissen. Zwischen Hacheney und Gertrud-Bäumer-Weg befinden sich der Kindergarten an der Lindenbergstraße sowie eine ehemalige Kirche, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

„In dieser Straße bin ich aufgewachsen“, sagt der Hohenlimburger Michael Schilken. Über die Namensgeberin weiß er jedoch nicht viel. „Es ist trotzdem eine schöne kleine Straße mit sehr netten Nachbarn.“

Andenken bewahrt

„Ich wohnte einige Jahre in der Gertrud Bäumer Straße, allerdings in Hagen-Helfe“, sagt Gisela Steckel. Diese Straße in Boele wurde nach der Eingemeindung Hohenlimburgs in die Letterhausstraße unbenannt. „Meine Eltern wohnen noch dort.“

Das Andenken hat die Stadt Hagen den Hohenlimburgern also bewahrt. In vielen Fällen verlief es umgekehrt. Beispiel: Der ehemalige Hubertusweg im Stadtteil Reh trägt heute den Namen Jagdweg, weil es in Hagen bereits eine Hubertusstraße gab.

Aber wer war jetzt Gertrud Bäumer? „Gertrud Bäumer war eine deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin“, sagt André Richter. „Google verrät doch alles.“

Richtig – „Google“ verrät alles, weil Gertrud Bäumer eine Hohenlimburger Persönlichkeit gewesen ist. Im heutigen Sprachgebrauch würde man sie wohl als „Powerfrau“ bezeichnen. Sie ist bislang die einzige Hohenlimburgerin, deren Konterfei eine Briefmarke der Deutschen Bundespost ziert. Sie war Schriftstellerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin.

Am 12. September 1873 kam Gertrud Bäumer als Tochter des Pfarrers der evangelisch-reformierten Gemeinde Hohenlimburgs im Pfarrhaus an der Freiheitstraße zur Welt. An der Berliner Universität studierte sie Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften. Ihr besonderes Bestreben war der Ausbau der Bildungs- und Berufswege für Mädchen, die Stiefkinder der damaligen Gesellschaft.

Größeren Einfluss über Publizistik und Frauenverbände hinaus gewann Gertrud Bäumer nach dem Ersten Weltkrieg als demokratische Abgeordnete der Nationalversammlung und des Reichstags. 1920 wurde sie Ministerialrätin im Reichsinnenministerium, zuständig für Jugendwohlfahrt und Schulwesen. 1933, nachdem sie von den Nationalsozialisten ihrer politischen Ämter enthoben worden war, wandte Bäumer sich stärker historischen Studien, Reisen und schriftstellerischen Arbeiten zu. Im Herbst 1933 schrieb sie ihre politische Autobiografie – Lebensweg durch eine Zeitenwende, die sie offenbar als „geistige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ verstand. Trotz des 1939 gegen sie ergangenen Redeverbots hielt sie weiter Vorträge, vor allem in evangelischen Kreisen.

Nach dem politischen Aufbau der Bundesrepublik hielt Bäumer noch einige Vorträge, insbesondere zu theologischen und historischen Themen, begann aber bald, an Atherosklerose zu leiden, was ihr die öffentliche Tätigkeit nach und nach unmöglich machte. Gertrud Bäumer war 1949 mit ihrer Schwester Else Bäumer nach Bad Godesberg gezogen.

Zu ihrem 80. Geburtstag kehrte sie noch einmal nach Hohenlimburg zurück. Mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester sowie einer befreundeten Dame residierte sie drei Tage im „Westfälischen Hof“. Die Bewunderung der Hohenlimburger über ihre ausgedehnte literarische Tätigkeit quittierte die Gefeierte innerlich bewegt: ,,Ich wollte den Menschen Gutes tun, ich wollte ihnen helfen.“ Als sie einen Blick auf das Lennetal und den Raffenberg warf, sagte sie: „Was für eine schöne Heimat habe ich doch. Das muss ich noch alles malen!“

Gertrud Bäumer versprach, bald wieder nach Hohenlimburg zu kommen, jedoch wurde sie Anfang 1954 in die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel (Bielefeld) verlegt, wo sie am 25. März verstarb. Sie wurde auf dem dortigen Friedhof begraben.

Leitbild für die Jugend

Ende der 70-er Jahre brachte die CDU-Ratsfraktion den Vorschlag ein, das Gymnasium Hohenlimburg in Gertrud-Bäumer-Gymnasium umzutaufen, um der „Jugend ein Leitbild mit auf den Weg zu geben“. Der Vorschlag wurde jedoch verworfen.

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