Leseproben

Kriminalisten entführen nach Italien

Zur Leseprobe war der Emster Kulturhof am Freitag bestens besucht.

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Zur Leseprobe war der Emster Kulturhof am Freitag bestens besucht. Foto: WP

Hagen/Emst.   Mit italienischem Flair verabschiedet sich der Kulturhof auf Emst in die Sommerpause: Bei der von Sven Söhnchen und der Arbeiterwohlfahrt organisierten Leseprobe „3 Commissari“ gab es am Freitag Ausschnitte aus den Krimis von Donna Leon, Veit Heinichen und Andrea Camillieri zu hören.

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Neben Söhnchen lesen an diesem Abend zwei Männer, die eine Menge kriminalistischer Expertise mitbringen: Polizist Martin Erlmann, auch als Lokalpolitiker und aus dem Phoenix-Hagen-Fantalk bekannt, sowie Polizeipräsident Frank Richter hatten sich zuvor mit Kriminalgeschichten aus dem Süden Europas beschäftigt. Unterstützt von Musiker Salvatore Bucco füllen sie die Geschichten mit Leben und zeigen: italienischer Charme funktioniert auch mit Ruhrpott-Slang.

Während draußen der Regen die Fe nsterscheiben hinabläuft, zieht drinnen der Geruch italienischer Antipasti durch das Fachwerkhaus. Auf der Bühne ein Sofa, in warmes Licht getaucht – dort nehmen nacheinander die „3 Commissari“ Platz. Es sind drei bärige Typen, die dort sitzen und mit tiefer Stimme vorlesen. Zwischendurch erzählen sie immer wieder auch persönliche Geschichten. Denn in den Leseproben geht es um italienische Polizeiarbeit, um Ermittlungen in einer Gesellschaft, die ein gespaltenes Verhältnis zu ihren Ordnungshütern hat.

Erinnerungen geweckt

Bei Polizeipräsident Richter weckt das Erinnerungen: Als Vizepräsident von Eurocop, dem Dachverband europäischer Polizeigewerkschaften, arbeitete er auch intensiv mit italienischen Kollegen zusammen. „Man meint tatsächlich, den ein oder anderen wiederzuerkennen. Die Polizeiarbeit läuft dort einfach ganz anders als in Deutschland“, sagt Richter über Donna Leons „Das goldene Ei“. Dass Krimis auch gestandenen Polizisten noch neue Impulse geben können, bestätigte Martin Erlmann: „Ich habe viele unheimlich kreative Ansätze gefunden. Im Alltag fehlt einem genau diese Kreativität manchmal.“

Sich in seiner Freizeit noch mit erfundenen Verbrechen auseinanderzusetzen, obwohl schon der Berufsalltag von Verbrechen aus dem echten Leben geprägt ist, ist keine Selbstverständlichkeit. „Unter Polizisten gibt es nur entweder oder: Man liest viele Krimis, oder man lässt es komplett bleiben“, so Richter.

Die drei italienischen Krimis des Abends hätten es einem wegen der bodenständigen Figuren aber leichter gemacht: Oft seien die Hauptcharaktere anderer Krimis eine Art Superhelden - „und die gibt es bei uns nicht“, so der Polizeipräsident, „bei uns arbeiten normale Menschen, die alles für ihren Job geben.“

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