Prozess

Lastwagenfahrer (25) gesteht Überfälle auf Prostituierte

Nach dem Angriff auf eine Prostituierte stand ein Hemeraner in Hagen vor Gericht.

Foto: MERKEL, Cornelia

Nach dem Angriff auf eine Prostituierte stand ein Hemeraner in Hagen vor Gericht.

Hemer/Hagen.   Zweimal hat ein Lkw-Fahrer eine thailändische Prostituierte (57) in ihrem Hagener Wohnwagen überfallen. Frau schlägt Angreifer mit Holzlatte.

Sein Urteil fällt erst nächsten Montag. Die ersten unangenehmen Schäm-Momente musste der 25-jährige Kraftfahrer aus Hemer aber schon am Montag vor dem Landgericht erfahren.

Im März 2017 und im Januar 2018 hatte er eine thailändische Prostituierte (57) überfallen, die ihre Liebesdienste in einem Wohnwagen an der Ruhrtalstraße anbietet. „Ich bin doch alt wie eine Oma und du bist 25. Was du getan hast, kann dein Leben kaputt machen“, ließ sich die Asiatin von einer Dolmetscherin übersetzen. Zuvor hatte der Angeklagte ihr 500 Euro in Bar als Schmerzensgeld auf den Tisch des Zeugenstandes gelegt.

Prostituierte in Hagen mit Werbegeschenk bedroht

„Ich habe da einfach riesigen Mist gebaut“, sagt der junge Mann, der bislang nur einmal durch Fahrerflucht auffällig geworden war. Vor der sechsten großen Strafkammer legte er gestern ein umfassendes Geständnis ab. Er hatte zunächst auf einer seiner Lkw-Touren am 9. März 2017 an der Ruhrtalstraße gehalten, und war mit einem kleinen Werkzeug, das er als Werbegeschenk von einer Brauerei erhalten hatte, auf das kleine Bordell auf Rädern zugegangen.

Als die Dame öffnete, bedrohte er sie aus ihrer Sicht mit einer kleinen ausgeklappten Klinge des Werkzeugs und verlangte Geld von ihr. Er drängte sie rückwärts in den Wohnwagen zurück, schmiss sie aufs Bett.

Es kam zum Gerangel. Die Prostituierte griff zu einer Wasserflasche und schlug dem Angreifer auf die Hand. Dabei verlor er das Werkzeug, ergriff die Flucht und nahm dabei den Rucksack der Prostituierten mit. Darin enthalten: Hundefutter und Schmerztabletten. Er sei knapp bei Kasse gewesen. „Und ich wollte meiner Freundin ein Geschenk zum Monatstag machen. Und ich dachte, bei Prostituierten könnte man zumindest 300 oder 400 Euro erwarten.“

Frau schlägt Angreifer mit Holzlatte

Am 16. Januar kam er noch mal wieder. Als er drohend vor der Tür stand, erkannte die Dame ihn wieder und wollte den Wohnwagen schließen. Der Kraftfahrer stieß sie vor die Brust, sie stürzte in den Wagen, er zerrte an ihr und verlangte wieder Geld. Im Gerangel griff die Prostituierte zu einer Holzlatte und schlug auf den Angreifer ein. Dieser ergriff die Flucht, durchwühlte dabei die Schränke, wurde aber nicht fündig. „Ich bin noch mal vorbeigefahren, weil wir wegen unseres Umzugs Geld benötigten. Ich dachte, diesmal klappt es“, gibt der Täter zu, „ich schäme mich so. Auch dafür, dass ich der Dame so eine Angst gemacht habe.“

Die Angst stand ihm während der Verhandlung am Montag auch ins Gesicht geschrieben. Er wolle für seinen Sohn da sein, der im Oktober zur Welt komme. Er entschuldigte sich bei seinem Opfer, bot 500 Euro Schmerzensgeld in Bar an. Die Dame willigte ein. Der Prostituierten wurde durch Nachfragen der Richterin auch ihre eigene schlechte Situation vor Augen geführt. „Keine Frau will eine Nutte sein“, sagte sie. „Gehen Sie zum Arbeitsamt“, erklärte ihr die Richterin, „dort gibt es eine andere Arbeit für Sie.“

Unternehmen wirft Lkw-Fahrer nach Vorfällen raus

Sein vorheriges Unternehmen musste der 25-Jährige verlassen, er fährt nun für eine andere Firma. Ein vorbeikommender Jogger hatte während einer der Taten den Schriftzug auf dem Lastwagen des Täters erkannt und das Unternehmen identifiziert.

Dass der 25-Jährige bestraft wird, steht nach bisherigem Verhandlungsstand so gut wie fest. Fraglich ist, wie schwer das Gericht den Raub beurteilt. Die Prostituierte arbeitet aus Angst mittlerweile nur noch bis zum späten Nachmittag.

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