Justiz

Leiche in Delstern: Ermittlungen offenbaren grausige Details

Nach dem Leichenfund in Delstern nahm die Mordkommission der Polizei Hagen die Ermittlungen auf. Jetzt liegt die Anklageschrift vor.

Nach dem Leichenfund in Delstern nahm die Mordkommission der Polizei Hagen die Ermittlungen auf. Jetzt liegt die Anklageschrift vor.

Foto: Alex Talash

Delstern.  Ein Rentner soll seine Nachbarin auf brutale Art in Hagen getötet haben. Jetzt ist beim Landgericht die Anklage wegen Totschlags eingegangen.

Dieser Fall hat selbst die hartgesottenen Ermittler der Hagener Mordkommission bis ins Mark erschüttert: Ein Rentner (75) aus Delstern soll seine Nachbarin (59) auf brutale Art getötet und die Leiche im Keller verscharrt haben. Jetzt ist beim Landgericht die Anklage wegen Totschlags eingegangen. Sie enthält grausige Einzelheiten.

Rentner ruft selbst die Polizei

Als am 20. Mai, dem Mittwoch vor Vatertag, um 16.42 Uhr ein Notruf bei der Polizei eingeht, können die Streifenbeamten nicht ahnen, dass sie zu einem Tatort gerufen werden, an dem sich Stunden zuvor ein unvorstellbares Gewaltverbrechen ereignet hat.

Das braun-beige Mehrfamilienhaus an der Delsterner Straße mit dem schmucken Jugendstil-Dekor macht von außen einen gediegenen Eindruck. Der Hausverwalter, 75 Jahre alt, Rentner, empfängt die Polizisten im Hausflur. Dann führt er sie den Holztreppenabgang hinunter in den Keller. Minuten zuvor hatte er den Blaulicht-Einsatz durch seinen eigentümlichen Anruf selbst ausgelöst: Er habe Streit mit seiner Nachbarin gehabt - und nun würde die sich nicht mehr bewegen. Wahrscheinlich bereits am Tag zuvor, am 19. Mai, war die Nachbarin umgebracht worden. Davon geht die Anklageschrift aus.

Fehlende Luftzufuhr als Todesursache

„Das Opfer soll zunächst mit einem Eisenrohr geschlagen worden sein“, erläutert Gerichtssprecher Bernhard Kuchler, „dann wurde es erwürgt oder erdrosselt.“ Todesursache, das ergab die Obduktion in der Gerichtsmedizin, sei fehlende Luftzufuhr gewesen.

Im Keller in Delstern ist die Kriminalpolizei eingetroffen. Hier, in einem nicht mehr genutzten Abstellraum, bietet sich den Ermittlern ein Anblick, der nichts für Zartbesaitete ist: Aus einer blauen Regenwassertonne ragen zwei Beine heraus. Der Körper der Getöteten muss gewaltsam in das Plastikfass gepresst worden sein. Offenbar sollte die Leiche im Kellerboden verschwinden. Dazu war bereits im Estrichboden eine Art Grab ausgehoben worden: rechteckig, 1,20 Meter lang und gut 50 Zentimeter tief.„Das Regenwasser-Fass war mit zwei Speisfässern und vier Säcken Zement, jeder davon 25 Kilo schwer, abgedeckt“, so Kuchler.

Drohung auf Eigentümerversammlung

Seit inzwischen 124 Tagen befindet sich der Rentner, dessen Prozess vor dem Schwurgericht bislang nicht terminiert ist, in Untersuchungshaft. Die Anklageschrift wegen Totschlags liegt nun der Kammer vor. Die Ermittler der Mordkommission „Estrich“ haben in mühevoller Kleinarbeit die möglichen Hintergründe der Tat aufgedeckt. Es soll sich dabei um jahrelange Streitigkeiten innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaft handeln.

Von sieben Parteien im Haus tragen drei den gleichen Nachnamen und gehören zum familiären Umfeld des Angeklagten. Sicher ist: Die Getötete, eine alleinstehende Sozialarbeiterin, lag mit dem nun beschuldigten Hausverwalter und der Eigentümergemeinschaft seit Jahren im Clinch. „Sie wurde von den anderen Hausbewohnern regelrecht tyrannisiert, fühlte sich dort nicht wohl. Alle waren gegen sie“, verriet eine enge Freundin unserer Zeitung.

Dreimal wurde in den letzten Jahren vor dem Amtsgericht prozessiert, um die Entfernung einer Hecke oder falsche Abrechnungen. Am Tattag soll es wieder einmal zu einem heftigen Streit zwischen den verfeindeten Haus-Parteien gekommen sein: Aufgrund eines Rohrbruchs war vor dem Haus die Straße aufgerissen und das Wasser abgestellt worden. Die Frau vermutete dahinter offenbar eine weitere Schikane des Hausverwalters und machte diesem zu Unrecht heftige Vorwürfe.

Streit bei Eigentümerversammlung

War das der Grund, warum sie sterben musste? Diese Frage wird das Schwurgericht zu klären haben. Die Ermittler der Kommission „Estrich“ wollen jedenfalls eine unglaubliche Ankündigung des Rentners herausgefunden haben: „Auf der Eigentümerversammlung im Herbst 2019 soll es geradezu eskaliert sein“, so Kuchler. Dabei hätte der Angeklagte, was von einem Zeugen gehört worden sein soll, das Opfer beschimpft „und ihm wütend angedroht: Ich kenne Orte, da grabe ich ein Loch, da verschwindest du, da wird dich niemand finden!“

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