Insolvenz

Letzte Stahlgießerei in Hagen steht vor dem endgültigen Aus

Das trad

Foto: Hans Blossey

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Haspe.   Keinen Investor für Geweke Gusstechnik in Haspe gefunden: Rund 50 Mitarbeiter verlieren in Hagens letzter Stahlgießerei wohl ihren Job.

Nach mehr als 100 Jahren steht Geweke Gusstechnik – in Hagen besser bekannt unter dem Namen Eisenwerke Geweke – vor dem endgültigen Aus. Findet sich nach mehr als zwei Jahren Suche nicht doch noch in allerletzter Minute ein Investor, wird wohl spätestens Ende Oktober die Produktion eingestellt.

Rund 50, zum Teil Jahrzehnte in dem Betrieb tätige Beschäftige werden wohl ihren Job verlieren. Und Hagen verliert seine letzte Stahlgießerei – ein bedeutendes Stück Industriegeschichte würde aus der Stadt verschwinden.

Die Entwicklung hat Insolvenzverwalter Thomas Thiele am Mittwoch der WESTFALENPOST bestätigt. Verbunden mit der klaren Botschaft, dass die Kunden sich darauf verlassen könnten, dass die bestehenden Aufträge erfüllt würden: „Ein großes Lob an die Belegschaft, die trotz der sehr schwierigen Lage weiter sehr zuverlässig arbeitet.“

Schon Ende März 2016 hatte der Traditionsbetrieb Insolvenz angemeldet. Allerdings hatte das Amtsgericht ein Verfahren in Eigenverwaltung zugelassen. Das bedeutete: Geschäftsführer Lutz Graebe blieb weiter im Amt, ihm zur Seite gestellt wurde der Wuppertaler Rechtsanwalt und Restrukturierungsexperte Stephan Ries. Und als Sachwalter für die Interessen der Gläubiger wurde Rechtsanwalt Thomas Thiele eingesetzt, der nun zum Insolvenzverwalter geworden ist.

Denn nachdem zunächst vielversprechende Verhandlungen mit einem möglichen Investor erneut gescheitert seien, habe man handeln müssen, so Thomas Thiele. Und auch Geschäftsführer Lutz Graebe, der seit 26 Jahren bei den Eisenwerken arbeitet, muss nun letztlich kapitulieren: „Ich habe selbst überlegt, ob ich das Unternehmen übernehme. Aber nach reiflicher Überlegung musste ich einsehen, dass das mit meinen 60 Jahren nicht mehr realistisch ist.“

Zu wenig Ertrag für Investitionen

Dabei lief der Betrieb, das bestätigen sowohl Graebe als auch Thiele, in der Phase der Insolvenz in Eigenverwaltung relativ gut. Auch wenn gleich zu Beginn die bittere Pille geschluckt werden musste, dass 17 Mitarbeitern gekündigt wurde. Die Kunden seien dem Unternehmen aber treu geblieben, die Produktion sei gelaufen. „Im Vergleich der Geschäftsjahre 2016/17 haben wir sogar fünf Prozent an Umsatz zugelegt“, so Geschäftsführer Graebe. Letztlich habe das aber nicht gereicht, um genug Mittel für die längerfristige Weiterführung des Betriebe und vor allem für die dringend notwendigen Investitionen zu erarbeiten. Zumal man keine neuen Kunden habe gewinnen können.

Noch etwa sechs bis sieben Wochen wird es nun dauern, bis die letzten Gießerei-Aufträge abgearbeitet sind, weitere sechs bis acht Wochen, bis auch alle Nach-Bearbeitungen erledigt sind. Kommt nicht noch ein Investor, dann wird wohl am 31. Oktober die Produktion in der Geweke endgültig enden.

Die IG Metall, so Gewerkschaftssekretärin Gisela Mielke, bedauere das wahrscheinliche Aus: „Für die Mitarbeiter wird es sehr schwer, da sie zum großen Teil ja schon sehr, sehr lange in dem Betrieb beschäftigt sind.“ Die Gewerkschaft will nun für die Interessen der Mitarbeiter im Insolvenzverfahren kämpfen.

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