Liedermacher

Lieder regen zum Nachdenken und Träumen an

Der Liedermacher Reinhard Mey überzeugt seit Jahrzehnten sein Publikum.

Der Liedermacher Reinhard Mey überzeugt seit Jahrzehnten sein Publikum.

Foto: Ingo Wagner

Hagen.  Liedermacher Reinhard Mey gastierte in der Stadthalle. Den mehr als 1000 Besuchern ging sein Konzert zu Herzen.

Die Bühne ist leer. Nur ein unscheinbarer Mann steht in der Mitte. Graues Haar, schwarzes Hemd, schwarze Hose. Vor dem Bauch eine hellbraune Gitarre, die wegen des vielen Schwarz heraussticht. Genauso begeisterte Reinhard Mey am Mittwochabend über 1000 Besucher in der ausverkauften Stadthalle.

Mit seiner bloßen Anwesenheit und seiner rauchigen Stimme wirkte er wie ein Geschichtenerzähler, während das Publikum gespannt zuhörte. „Ich finde es mutig von ihm, sich ohne irgendwas dahin zu stellen“, beteuerte Marina Schmeiser, die ihrem Mann Benedikt die Karten zu Weihnachten geschenkt hatte.

„Ich finde es fantastisch. Ich kenne die Musik noch aus Kindertagen und finde ihn authentisch,“ fügte Benedikt Schmeiser hinzu.

Nur wenige jüngere Besucher

Die beiden Anfang-30-Jährigen gehörten eher zu den jüngeren Besuchern an diesem Abend. Die meisten Fans hatten sich zumindest haarfarben-technisch mit den Jahren ihrem Idol angepasst. Viele jüngere Besucher waren in Begleitung ihrer Eltern gekommen; sie sind mit den Liedern von Reinhard Mey groß geworden.

So auch Familie Heck aus Herdecke: „Wir lauern ihm seit 1983 auf. Die Lieder sprechen einen einfach an. Und man muss ihn anschauen, er ist kein Entertainer, hat aber die Bühnenshow im Gesicht.“

Auch die 29-jährige Tochter Steffi konnte den Grund für den Besuch des Konzertes knapp zusammenfassen: „Er ist Familientradition. Ich bin damit groß geworden.“

Liedermacher mit Gefühl

Wer Reinhard Mey zuhörte, begann zu Träumen. Die Musik regte zum Nachdenken an, gerade auch, da sie sich gesellschaftskritisch mit der heutigen Zeit auseinandersetzt.

Der Liedermacher war gewandt mit seinen Worten und brachte geschickt mit viel Gefühl Dinge zur Sprache, über die andere nur nachdenken. So konnte man im Publikum beobachten, dass nach dem ein oder anderen Lied bei so manchem Zuhörer eine Träne kullerte.

Doch genauso kam es vor, dass unaufgefordert die Besucher leise mitsangen und auf ihren Sitzen wippten.

Zeitlos, ehrlich und direkt

Die 81-jährige Anneliese Krause, die zum ersten Mal ein Konzert von Mey besuchte, hatte eine Erklärung für dieses Phänomen: „Er ist zeitlos, ehrlich und direkt. Er berührt mich und ich fühle mich durch seine Lieder angesprochen.“

Wie Mey in seinem ersten Lied des Abends formulierte „Ich will ein Spielmann sein“, konnten die Besucher ihm attestieren, dass er den richtigen Beruf für sich gefunden hat.

Es gibt vermutlich nur wenige Liedermacher, die es mit ähnlichen Melodien und in ruhiger Atmosphäre schaffen, mit berührenden Texten das Publikum zweieinhalb Stunden zu unterhalten. Denn Mey erzählte aus seinem Leben und über das, was ihm über die Jahre begegnet war.

Dafür erntete er Bewunderung von seinen Fans. „Er schafft es, seine Gedanken zur Sprache zu bringen. Er überzeugt mich immer wieder“, erklärte Heike Schürmann.

„Gute Nacht, Freunde“

Am Ende des Konzertes verwöhnte Mey seine Gäste mit Klassikern wie „Über den Wolken“ und verabschiedete sich in den späten Abend mit „Gute Nacht, Freunde“. Der Künstler Reinhard Mey konnte in Hagen ­wieder einmal überzeugen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben