Religion

Lutherkirche droht ein trauriges Ende

Der AIV Mark Sauerland lud zur Diskussion über die Zukunft der Lutherkirche ein.

Der AIV Mark Sauerland lud zur Diskussion über die Zukunft der Lutherkirche ein.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.   Seit zwei Jahren wurde in der Lutherkirche kein Gottesdienst mehr gefeiert. Was soll aus dem Gebäude werden? Direkt nebenan hat sich eine Moschee angesiedelt.

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200 Mitglieder verliert die evangelische Stadtkirchengemeinde pro Jahr. Diese dramatische Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. So hat die Lutherkirche ihre Funktion als Gotteshaus verloren, seit zwei Jahren hat dort kein Gottesdienst mehr stattgefunden. Doch niemand weiß, was aus dem für die Stadt Hagen bedeutenden Bauwerk werden soll.

Dass das Interesse an der Kirche nach wie vor groß ist, bewies die Diskussionsreihe „Der Blaue Tisch“ des Architekten- und Ingenieurvereins Mark Sauerland (AIV). Immerhin 70 Hagener erschienen, um noch einmal einen Blick in das 1960 bis 1964 errichtete Gebäude mit der passgenau in die Seitenempore eingebauten Orgel zu werfen. „Wir würden die Kirche ja gern zur Ehre Gottes erhalten, aber ich bezweifle, dass das möglich ist“, lautete die düstere Prognose von Pfarrerin Julian im Schlaa.

Keine Sofortmaßnahmen zur Rettung des Gebäudes

Denn der Stadtkirchengemeinde, die mit Markus- und Johanniskirche zwei weitere Gotteshäuser besitzt, fehlt angesichts der demographischen Entwicklung das Geld für eine Sanierung der denkmalgeschützten Lutherkirche. „Wir haben doppelt so viele Beerdigungen wie Taufen“, sagte Superintendent Bernd Becker. Mindestens 500.000 Euro müssten aufgebracht werden, um den von Schimmel befallenen Keller zu sanieren und die Fassade zu erneuern. Als der frühere Stadtbaurat Johann Dieckmann, Vorstandsmitglied des AIV, sich darüber wunderte, dass keine Sofortmaßnahmen zur Rettung des Gebäudes unternommen würden, entgegnete Becker, dies könne erst geschehen, wenn ein sinnvolles Anschlusskonzept vorliege.

Symbol für den Wiederaufbau

Was aber soll aus der Lutherkirche werden? Wird sie irgendwann abgerissen? Wird sie in eine Gaststätte oder gar eine Spielhölle umgewandelt? Wird sie von der islamischen Gemeinde übernommen, die mit der benachbarten Moschee samt Minarett den immer größer werdenden Anteil muslimischer Menschen in der Innenstadt repräsentiert? Oder wird sie ein Forum für Kunst und Kultur? „An Räumen für interkulturelle Begegnungen fehlt es in Hagen bislang“, sagte Johann-Christian Grote, Pfarrer in der Projektarbeit des Kirchenkreises. Georg Thomys, Chef des städtischen Bauordnungsamtes, meinte dazu, im Sinne des Denkmalschutzes sei ihm jede Umnutzung lieb, die die Bausubstanz unangetastet lasse: „Für Wohnungen und Büros wäre dagegen ein Umbau nötig, das brächte Probleme mit sich.“

Die Lutherkirche ist aber nicht nur ein Eckpfeiler des Christentums in der Innenstadt, sie gilt auch als Symbol für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Der 1889 errichtete Vorgängerbau wurde 1945 im Bombenhagel der Alliierten nahezu vollständig ausgelöscht. Auf dem Stumpf des alten Turmes wuchs in den 60er Jahren unter Anleitung des Hamburger Architekten Langmaack die neue Lutherkirche empor.

Ein architektonisches Juwel, für das anscheinend niemand mehr Verwendung findet.

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