Polizei

Manfred hört auf: Vom Obdachlosen zum Hagener Diensthund

Diensthund Manfred, ein belgischer Schäferhund, geht bei der Polizei Hagen in den Ruhestand.

Diensthund Manfred, ein belgischer Schäferhund, geht bei der Polizei Hagen in den Ruhestand.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.  Polizeihund Manfred darf bei der Polizei Hagen nach zehn Jahren in den Ruhestand. Als junger Hund hat er auf der Straße gelebt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Er hat eine Karriere bei der Polizei hingelegt, die in ganz Nordrhein-Westfalen wohl einmalig sein dürfte. Vom Obdachlosen zum Drogenschnüffler Nummer eins. Jetzt, im Alter von zehn Jahren, geht Diensthund Manfred bei der Polizei Hagen in den Ruhestand.

Fotoshooting am Polizeiwagen: Stolz präsentiert sich Manfred noch einmal für die Kamera auf der Motorhaube des Streifenwagens. Er hat Verbrecher geschnappt, hat Drogen aufgespürt, er hat sein Herrchen beschützt. Treu war er in all den Jahren. Dabei war eine solche Entwicklung gar nicht absehbar...

Ein hässlicher Hund mit Glubschaugen

„Was für ein hässlicher kleiner Hund – das war mein Eindruck, als ich Manfred zum ersten Mal gesehen habe“, sagt Mark-Achim Hilger, „als er damals aus dem Auto gesprungen ist, war er völlig unterernährt, hatte richtige Glubschaugen.“ Zehn Jahre lang ist Manfred, der Partner mit der kalten Schnauze, an seiner Seite geblieben – gehorsam, aufmerksam, treu.

Manfred, der bis dahin Mennes hieß, hatte mit einem Obdachlosen gelebt. Zumeist auf der Straße, ohne Dach über dem Kopf. Bis es nicht mehr ging. „Er wäre wohl im Tierheim gelandet“, sagt Mark-Achim Hilger, „ein Bekannter, bei dem er kurzfristig untergekommen war, hat mich angerufen und gefragt, ob ich ihn mir nicht mal anschauen wolle. Ich habe ein paar Übungen gemacht und war sofort begeistert.“

Neuer Name für den neuen Partner

Test bestanden – der neue Partner darf gleich mitkommen. „Mennes – das kam für mich nicht in Frage“, sagt der 49-Jährige, „noch im Auto habe ich zu ihm gesagt: Du bist jetzt Manfred.“

Manfred lernt eifrig, und er lernt schnell. „Er hatte schon immer eine extrem hohe Arbeitsbereitschaft“, erzählt Mark-Achim Hilger, „er ist unerschrocken, hat ein hohes Triebverhalten und ist intelligent. Unter meinen Kollegen hat er den Spitznamen ,Der Professor’.“

Nach Feierabend zum Familienhund

Und der kommt nicht von ungefähr. Denn Manfred, der belgische Schäferhund, kann genau unterscheiden, ob er im Dienstwagen oder im Privatauto mitfährt. „Entsprechend verhält er sich auch“, sagt Mark-Achim Hilger, „in seiner Freizeit ist er ein ganz normaler Familienhund. Meine Kinder können mit ihm kuscheln – alles kein Problem. Nur wenn Besuch kommt, schicke ich ihn auf seinen Platz.“

Im Dienst aber kann der Familienhund – wenn es sein muss – zum Tier werden. „Es gibt viele Situationen, in denen er mir den Rücken frei gehalten hat“, sagt Mark-Achim Hilger, „unsere Einsätze waren ja nicht ungefährlich. Häufig waren wir nachts gemeinsam unterwegs. Wenn mich jemand angreifen wollte, hat er mich ohne nachzudenken und zu zögern verteidigt. Es ist ein gutes Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann.“

Manfred findet Drogenplantage

Manfred, mit dem Mark-Achim Hilger mehr Zeit verbringt als mit seiner Familie, beschützt sein Herrchen, er jagt Verbrecher, und er, der Ermittler auf vier Pfoten, löst immer wieder Fälle.

„Da waren viele spektakuläre Fälle dabei“, sagt Mark-Achim Hilger, „einmal hat er in Schalksmühle eine riesige Drogenplantage aufgetan, die hinter einer extra eingezogenen Wand in einem Keller versteckt war. Er hat im Garten des Hauses ein Entlüftungsrohr aufgetan, das zu dem Raum führte. Ohne Manfred wären wir einfach abgezogen.“

Offiziell ist der 10. Dezember der letzte Arbeitstag für Manfred. „Zehn Jahre größtenteils im Nachtdienst hinterlassen Spuren“, sagt Mark-Achim Hilger, „da ist es auch im Sinne des Tierwohls eine gute Entscheidung, dass er jetzt kürzer treten darf.“

Jetzt bekommt Diensthund Manfred von der Polizei Hagen einen Pflegevertrag. Seinen Ruhestand darf er als Familienhund bei den Hilgers genießen. Und dabei zugucken, wie sein Nachfolger, der Rangar heißt, jeden Tag zum Dienst aufbricht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben