Fischzüchter in Sorge

Mark-E trocknet das Hasper Lachszentrum aus

Betriebsleiter Dietmar Firzlaff und Vereinsvorsitzender Dr. Rainer Hagemeyer (rechts) sind besorgt, dass die Mark-E dem Lachszentrum am Fuß der Hasper Talsperre das notwendige Rohwasser abdrehen könnte. Foto:Michael Kleinrensing

Betriebsleiter Dietmar Firzlaff und Vereinsvorsitzender Dr. Rainer Hagemeyer (rechts) sind besorgt, dass die Mark-E dem Lachszentrum am Fuß der Hasper Talsperre das notwendige Rohwasser abdrehen könnte. Foto:Michael Kleinrensing

Haspe.   Die Hasper Lachszüchter sorgen sich um die Zukunft ihrer Anlage: Mark-E will künftig weniger Rohwasser für den Verein zur Verfügung stellen.

Es ist eine Mischung aus Wut, Frust und Verzweiflung, die sich bei Rainer Hagemeyer und Dietmar Firzlaff breit macht. „Die wollen uns hier tatsächlich das Wasser abdrehen“, fürchten der Vorsitzende des Lachsvereins sowie des Lachszentrums Hasper Talsperre und sein Betriebsleiter.

Seit Monaten schwelt ein Konflikt mit der Mark-E, die das Wasserwerk am Fuße der Staumauer betreibt, und den ehrenamtlichen Fischzüchtern um die Rohwasser-Zuflussmengen aus dem künstlichen Stausee. Sieben Liter/Sekunde brauchen die Lachsfreunde, um den 400 Fischen für die Zucht ein adäquates Umfeld bieten zu können. Nur zwei Liter/Sekunde möchte Mark-E dem Verein künftig zugestehen.

Daher installiert das Unternehmen zurzeit einen Mengendurchflussbegrenzer, um den Zulauf in die Fischbottiche zu drosseln. „Damit wäre das gesamte Projekt gefährdet“, warnt Hagemeyer. „Wir könnten die Anlage nicht mehr wirtschaftlich fahren.“

Versorgung der Menschen geht vor

Dabei handelt Mark-E keineswegs überraschend: Beim Abschluss des jüngsten Grundstücksüberlassungsvertrages musste Hagemeyer unterzeichnen, künftig mit deutlich weniger Nass auszukommen. „Wir schaffen also bloß angekündigte Fakten“, betont Unternehmenssprecher Uwe Reuter und erinnert daran, dass seit 2014 die oberste Priorität der Hasper Talsperre darin liege, Trinkwasser zu produzieren.

„Wir brauchen das Wasser zur Aufrechterhaltung des Versorgungsauftrages.“ Natürlich habe Mark-E keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen das Lachszentrum: „Allerdings“, so Reuter, „deckt sich die Dimensionierung nicht mehr mit unseren wasserwirtschaftlichen Prioritäten.“

Züchter benötigen nur 2,6 Prozent des Wassers

Eine Einschätzung, die Hagemeyer so gar nicht teilt. Er verweist darauf, dass im Einzugsgebiet der Talsperre etwa 8,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr gesammelt würden. Die Lachszucht benötige davon lediglich 220 000 m³, also lediglich 2,6 Prozent der Gesamtmenge. Da könne es höchstens in extremen Trockenzeiten zu Konflikten kommen.

Unterstützung erhalten die Has­per Lachszüchter für ihre Haltung von Thomas Dodt, bei der Bezirksregierung in Arnsberg verantwortlich für die Stauanlagenaufsicht. Er geht davon aus, dass das Wasserdargebot in Haspe locker ausreicht, um sowohl den Zufluss der Lachszucht als auch die Trinkwasserversorgung von Hagen zu sichern. „Lediglich bei extremen Trockenheiten“, erläutert Dodt, „also wenn mehrere Monate lang kein Niederschlag fällt, könnte es zu Versorgungsengpässen kommen.“

Mit dieser Bewertung bewegt sich die Bezirksregierung auf Augenhöhe mit der Unteren Wasserbehörde in Hagen. „Einen Wassermangel gibt es in Haspe nicht“, betont dort ebenfalls Behördenleiterin Christa Stiller-Ludwig. „Hier werden betriebswirtschaftliche Grenzen eingezogen, die wasserwirtschaftlich unsinnig sind.“

Kreislaufsystem für Verein zu teuer

Mark-E formuliert derweil die Erwartung, dass die Lachszüchter die Größe der Anlage der künftigen Wasserzufuhr anpassen. Gleichzeitig regt das Unternehmen an, über die Anschaffung einer Kreislauftechnik nachzudenken, um den Verbrauch zu reduzieren. „Dafür“, so Vorsitzender Hagemeyer, „hat das Land NRW einst wohlwollend eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Allerdings sind bis heute nur 200 000 Euro angekommen.“ Der von Ehrenamtlichen getragene Verein könne die Kosten einer solchen Anlage jedoch auf gar keinen Fall stemmen: „Dann sitzen die Fische eben bald auf dem Trockenen.“

>>HINTERGRUND: GENETISCHER POOL

  • Anlässlich der Brand-Katastrophe beim Schweizer Chemieunternehmen Sandoz, bei der 1986 Löschwasser mindestens 20 Tonnen Gift in den Rhein schwemmte und Fischpopulationen sowie die Trinkwasserversorgung in der Region zusammenbrechen ließ, vereinbarten die Rhein-Anrainer unter dem Titel „Lachs 2000“ ein Aktionsprogramm, das die Wiederansiedlung rheintypischer Fischarten zum Ziel hatte.
  • Begleitet vom NRW-Umweltministerium und dem Fischereiverband NRW wurde ein Wanderfischprogramm entwickelt, aus dem u. a. das Lachszentrum Hasper Talsperre am Fuß der Staumauer unter der Regie des Vorsitzenden Rainer Hagemeyer entstand. Die elf Gründungsmitglieder des Vereins „Der Atlantische Lachs“ aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Fischereiverbänden setzten sich das ehrgeizige Ziel, die Rückkehr der Lachse vom Meer hinauf bis zu den Laichplätzen in den Quellflüssen in Deutschland wieder möglich zu machen.
  • Nach ersten Versuchen mit der Vermehrung von Lachsrückkehrern entstand in Haspe im Oktober 2002 die erste Halle mit zehn Rundstrombecken sowie Brutschränken mit einer Gesamtkapazität von etwa 900 000 Lachseiern. Die kontinuierliche Wasserversorgung stellt seitdem die Talsperre sicher.
  • Inzwischen ist die Anlage gewaltig gewachsen. Auf Basis von Rückkehr-Tieren ist hier ein genetischer Pool entstanden, der nach Angaben von Betriebsleiter Dietmar Firzlaff heute unbezahlbar ist. Damit ist auch in Zeiten geringerer Rückkehrer die kontinuierliche Unterstützung der natürlichen Lachspopulation sichergestellt. In den Rundstrombecken leben viele Weibchen, die bereits mehrfach abgestreift wurden und für Nachkommen sorgten, die in der Lahn, Sieg, Ahr und anderen Flüssen ausgesetzt wurden und ihre große Wanderung angetreten haben.
  • Im November 2015 wurde die dritte Halle des Lachszentrums, ausgestattet mit neuester Erbrütungstechnik, eingeweiht. Im nächsten Schritt soll die wissenschaftlich begleitete Elterntierhaltung noch weiter ausgebaut werden kann. Aktuell werden in Haspe bis zu vier Millionen Lachs­eier erbrütet, etwa eine halbe Million kleiner Fische werden ausgesetzt und machen sich durch zahlreiche Industrieanlagen hindurch auf ihren beschwerlichen Weg in den Nordatlantik.
  • Durch das ausdauernde Engagement des Vereins „Der Atlantische Lachs“ werden erstmals seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts inzwischen wieder zurückkehrende Fische in Haspe gesichtet.

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