Gericht

Maskierte Räuber treten in Breckerfeld die Wohnungstür auf

Nach einem Überfall in Breckerfeld muss sich am Mittwoch ein 38-Jähriger vor dem Landgericht Hagen verantworten.

Nach einem Überfall in Breckerfeld muss sich am Mittwoch ein 38-Jähriger vor dem Landgericht Hagen verantworten.

Foto: Ulrich von Born / WAZ FotoPool

Breckerfeld.  Im Mai 2018 wurde eine Breckerfelderin Opfer eines Überfalls. Heute muss sie die Tat noch einmal vor Gericht schildern.

Als es kurz nach 16 Uhr bei ihr klingelte, war die Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses an der Frankfurter Straße noch völlig arglos. Sie öffnete die Wohnungstür. Davor standen zwei Horror-Besucher: Einer getarnt mit Sturmhaube, einer mit Plastikmaske und aufgemaltem Gesicht. Die erschrockene Frau blickte in den Lauf einer Pistole.

Ans Albtraum-Erlebnis erinnern

Heute wird sich die Breckerfelderin noch einmal an den unvergesslichen Überfall vom 3. Mai letzten Jahren erinnern müssen: Das Landgericht Hagen verhandelt gegen einen 38-Jährigen Ennepetaler, der als einer der beiden mutmaßlichen Räuber gilt. Der mögliche Mittäter konnte bislang nicht ermittelt werden.

Am Vormittag soll die Frau als Zeugin vor der 9. großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Bernhard Kuchler (Foto) ihr Albtraum-Erlebnis berichten: Wie sie den beiden maskierten Männern noch blitzschnell die Wohnungstür vor der Nase zuschlug. Wie die Räuber dann mit voller Wucht die Tür eintraten, während sie durch den Hinterausgang der Erdgeschosswohnung flüchtete. Und wie sie einen Nachbarn zur Hilfe rief, der sofort die Polizei verständigte und später noch entscheidend zur Aufklärung des Überfalls beitragen sollte.

Derweil spielte sich in der Wohnung der eigentliche Überfall ab: Der Lebensgefährte der Breckerfelderin, der bis dahin fest geschlafen hatte und erst durch den Lärm wach geworden war, wurde von einem der beiden maskierten Männer mit einer schwarzen Pistole bedroht. Die durchgeladene Schusswaffe auf sich gerichtet, musste er sich hinknien. Währenddessen durchsuchte der zweite Räuber die Wohnung nach Beute und steckte ein Tablet sowie 200 Euro Bargeld in seinen mitgebrachten schwarzen Rucksack.

Erbeutetes Tablet verloren

Als die beiden Täter die Wohnung an der Frankfurter Straße verließen, heftete sich der mutige Nachbar an ihre Fersen und nahm die Verfolgung auf. Dabei gelang es ihm, einen der beiden flüchtenden Männer kurzfristig festzuhalten. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Räuber den verhängnisvollen Rucksack verlor, in dem noch das erbeutete Tablet, behaftet mit verräterischen DNA-Spuren, steckte.

Dieser schwarze Rucksack spielte noch in zwei weiteren Straftaten, die einen Monat zuvor in Sprockhövel begangen worden waren, eine Rolle: Am 7. April 2018, einem Samstag, betrat ein Mann mit schwarzem Rucksack um 7.05 Uhr morgens eine Spielhalle im Zentrum von Sprockhövel. Da die Casino-Aufsicht gerade durch Putztätigkeiten abgelenkt war, bemerkte sie nicht, wie der Unbekannte heimlich die Kasse öffnete und daraus 3000 Euro stahl. Doch die Überwachungskamera filmte den Dieb.

Vier Tage später, diesmal um 7.43 Uhr morgens, betrat der offenbar selbe Mann mit schwarzem Rucksack dieselbe Spielhalle in Sprockhövel und entpuppte sich nunmehr als Räuber: Mit vorgehaltener schwarzer Pistole forderte er mit russischem Akzent: „Gib mir Geld, Geld, Geld.“ Er erbeutete 400 Euro. Die Spielhallen-Angestellte musste sich selbst im Toilettenraum einsperren.

Angeklagter 16-fach vorbestraft

Bei der Tatwaffe, die auf beim Breckerfelder Überfall zum Einsatz gekommen sein soll, handelt es sich um Gas-Schreckschuss-Waffe mit drei Patronen. Der heute Angeklagte, der 16-fach vorbestraft ist, gilt als langjährig Heroin-Abhängiger. Vier Prozesstage sind vorerst anberaumt.

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