Extremismus

Minister eröffnet Beratungsstelle gegen Salafismus in Hagen

Anlässlich der offiziellen Eröffnung der „Wegweiser"-Beratungsstelle in Hagen schaut NRW-Innenminister Herbert Reul (rechts) in Hagen vorbei. Mit im Bild:  Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Birgit Buchholz, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirks Hagen/Märkischer Kreis.

Anlässlich der offiziellen Eröffnung der „Wegweiser"-Beratungsstelle in Hagen schaut NRW-Innenminister Herbert Reul (rechts) in Hagen vorbei. Mit im Bild:  Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Birgit Buchholz, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirks Hagen/Märkischer Kreis.

Foto: Maximilian Gerhard

Hagen.  Die Wegweiser-Beratungsstelle in Hagen soll junge Leute vor einem Abgleiten in den Salafismus bewahren. Die Mitarbeiter wollen unerkannt bleiben.

Rund 200 Menschen in Hagen, dem Märkischen sowie dem Ennepe-Ruhr-Kreis werden der salafistischen Szene zugeordnet. Damit es nicht noch mehr werden, hat das nordrhein-westfälische Innenministerium im Juni vergangenen Jahres eine „Wegweiser“-Beratungsstelle am Bergischen Ring eröffnet. „Wir müssen den islamistischen Rattenfängern das Wasser abgraben“, sagte Innenminister Herbert Reul, der der Einrichtung am Montag gemeinsam mit NRW-Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier einen Besuch abstattete.

„Wegweiser“ ist ein Präventionsprogramm des Verfassungsschutzes, das verhindern soll, dass junge Menschen in den Salafismus abrutschen. In der Beratungsstelle, die von der Arbeiterwohlfahrt getragen wird, sind drei Mitarbeiter tätig, die jedoch nicht namentlich genannt werden möchten: „Weil wir in einem sehr sensiblen Bereich arbeiten, aber auch um unseren Selbstschutz zu gewährleisten.“

Erfolge schwer zu messen

Die Anlaufstelle in Hagen ist eine von landesweit 19 Beratungsstellen, sechs weitere sollen noch hinzukommen. Für alle gilt, dass der Erfolg ihrer Arbeit schwer zu messen ist, im Zweifelsfall jedoch verheerenden Anschlägen mit zahlreichen Todesopfern vorbeugen kann. Man könne natürlich nicht nachweisen, ob ein junger Mensch, der Kontakt zu Wegweiser hatte, ohne diese Beratung später schlimme Straftaten begehen würde, so Reul: „Die Mitarbeiter sind daher auf ihr Bauchgefühl und auf ihren Erfahrungsschatz angewiesen. Am Ende geht es um unser aller Sicherheit und darum, Menschen vor Angriffen auf unsere Lebensart zu schützen.“

Die Region Hagen/MK/EN stehe mit ihren 200 dem salafistischen Spektrum zuzuordnen Personen nicht an der Spitze, aber auch nicht am Schluss in NRW, so Burkhard Freier: „Das Problem ist, dass die Szene in der Öffentlichkeit nicht mehr so in Erscheinung tritt wie vor einigen Jahren.“ Dennoch werde weiterhin in Hinterhofmoscheen und Privaträumen missioniert: „Die Szene wandelt sich. Es gibt keine Entwarnung.“

Jugendliche leichter zu manipulieren

Das größte Rekrutierungspotenzial sehen Salafisten unter Jugendlichen, die in ihrer Such- und Findungsphase leichter zu manipulieren sind. Die Wegweiser-Mitarbeiter haben in Hagen ein Netzwerk aufgebaut und kooperieren mit Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen. Rund 50 Fortbildungen mit Menschen, die in diesen Bereichen beschäftigt sind, hat es bereits gegeben, denn ein Jugendlicher, der in den Salafismus abgleiten könnte, wird ja kaum von sich aus die Beratungsstelle aufsuchen.

Deshalb bauen die Mitarbeiter auf Hinweise von Eltern, Erzieherinnen oder Lehrern, wenn diese das Gefühl haben, dass sich ein junger Mensch dahingehend verändert hat. „Wir leuchten dann das soziale Umfeld aus, beschäftigen uns mit der Lebensvorstellung des Jugendlichen und schauen, wie wir ihm helfen können“, so ein Mitarbeiter von Wegweiser. In Immerhin 18 Fällen ist die Beratungsstelle seit ihrer Eröffnung tätig geworden, dreimal kam es zu einer Langzeitberatung.

Wenn die Wegweiser-Berater erfolgreich sind, spielt Extremismus im Denken der Betroffenen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Sicherlich gehe es bei dem Projekt nicht um „Riesenzahlen“, so Reul, nichtsdestotrotz gehe von der Szene nach wie vor eine Riesengefahr aus: „Es ist unsere Pflicht, den jungen Leuten eine Zukunft aufzuzeigen, die nicht in den Abgrund führt. Wir müssen ihnen klarmachen, dass es sich lohnt, in dieser Gesellschaft zu leben und nicht, sie zu bekämpfen. Und wir müssen ihnen zeigen, dass sie uns wichtig sind.“

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