Landwirtschaft

Bundesministerin Klöckner spricht zu Bauern in Breckerfeld

Ministerin in Breckerfeld: Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, mit Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und WLV-Präsident Johannes Röring.

Ministerin in Breckerfeld: Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, mit Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und WLV-Präsident Johannes Röring.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Breckerfeld.  Erster Besuch einer Ministerin in Breckerfeld: Julia Klöckner (CDU), Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, spricht vor Landwirten.

Immerhin wissen wir jetzt, was es zu Mittag gab, bei der Ministerin. Spezialitäten aus der Hansestadt. Eier von Baumeister, Wurst und Käse aus dem Hofladen. „Das essen wir gleich auf der Fahrt“, befand Julia Klöckner, als ihr Bürgermeister André Dahlhaus und die CDU-Vorsitzende Ulrike Borowski am Ende einen Korb voller Köstlichkeiten überreicht hatten.

Davor lag – beim ersten Besuch einer Bundesministerin in der Hansestadt überhaupt – ein wahrer Parforceritt durch die gesamte Breite der Landwirtschafts- und Agrarpolitik. Die gemeinsame Agrarpolitik auf EU-Ebene, Klimaschutz und Biodiversität, die Düngeverordnung, das Tierwohl und ein geplantes Siegel, das dem Verbraucher Orientierung geben soll – das sind die großen Themengebiete, die Klöckner, selbst auf dem Hof einer Winzerfamilie in der Pfalz groß geworden, anschneidet.

Auf EU-Ebene geht es um Kompromisse

Klöckner spricht dabei immer wieder das an, was an den Tischen vieler Bauernfamilien in der Region Dauerthema sein dürfte. Die steigenden Ansprüche der Verbraucher, die wachsenden Standards, die die Landwirte erfüllen müssen und die Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, aber bis in die Region Auswirkungen haben. „Landwirtschaft“, so sagt Klöckner, „ist nicht homogen. Auch unter den Landwirtschaftsministern in der EU gibt es die unterschiedlichsten Sichtweisen. Deshalb wird es immer um Kompromisse gehen.“

Ihr geht es aber nicht nur um Kompromisse, sondern auch um den Ruf, um das Ansehen einer Branche, die wichtiger Wirtschaftszweig und gleichzeitig unersetzlich für die Ernährung der Bevölkerung ist. Und so erzählt die Ministerin die Geschichte von Bauers-Kindern, die in der Schule als Ackervernichter und Tierquäler beschimpft worden seien. Die so sehr gemobbt wurden, dass die Eltern sie schließlich von der Schule genommen hätten. „Manchmal hat man das Gefühl, der Kunde will am liebsten Fleisch von Tieren, die nie geschlachtet wurden“, so Klöckner, „wir Deutsche sind Weltmeister darin, Geld für unsere Küchen auszugeben. Aber wir sind nicht bereit, höhere Preise für das zu zahlen, was darin zubereitet wird.“

Dialog mit dem Verbraucher

Die Art und Weise der Diskussionen über die Landwirtschaft treibt die Ministerin nach eigener Aussage um: „Es gibt nur alles oder nichts. Die Anzahl der Unterschriften, die eine Nicht-Regierungs-Organisation für oder gegen irgendwas sammelt, kann man aber nicht gleichsetzten mit der Qualität der Argumente.“ Der komplette Verzicht auf Pflanzenschutzmittel beispielsweise sei wissenschaftlicher Blödsinn. Es müsse vielmehr erklärt werden, warum man auf welches Mittel setzt. „Ich kenne keinen Verbraucher, der heute im Supermarkt sagt: Ich hätte gerne den Salatkopf mit den Schädlingen.“

Stattdessen, so Klöckner, wolle sie sich einsetzen für einen gemeinsamen Umweltschutz von Bevölkerung und Landwirtschaft. „Es kann nicht sein, dass die Bauern allein die Sündenböcke sind“, so die Ministerin. Man müsse jungen Leuten wieder Lust auf die Grünen Berufe machen.

Stallbau wird zur bürokratischen Herausforderung

Worte, die viele der rund 200 geladenen Gäste – CDU-Mitglieder aus Breckerfeld und dem EN-Kreis, Landwirte, Vertreter des Landwirtschaftsverbandes – gerne hörten. Und trotzdem bleiben naturgemäß Sorgen. Beispiel: Christian Abel, Milchbauer aus Breckerfeld, der erzählt, dass er – nicht zuletzt für das Wohl seiner Tiere – gerade erst einen neuen Stall gebaut habe, welch große bürokratische Herausforderung das aber gewesen sei: „Das Projekt ist eine Belastung für die ganze Familie“, sagt der junge Landwirt. Und: „Manchmal wäre es gut, wenn wir Landwirte einfach mal eine gewisse Zeit ungestört wirtschaften könnten.“ Viele in der Halle verstehen, was er damit meint.

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