Baumwipfelpfad

Mit den Kronen der höchsten Bäume auf Augenhöhe

Baumwipfelpfad für Hagen

Soll Hagen einen Baumwipfelpfad bekommen? Also einen langen hölzernen Steg, der auf Höhe der Baumkronen verlaufen soll.
Mo, 11.09.2017, 16.49 Uhr

Baumwipfelpfad für Hagen

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Hagen.  Ob in Hagen eines Tages ein Baumwipfelpfad realisiert wird, steht noch in den Sternen. Wir haben eine ähnliche Anlage in den Alpen getestet.

Es wird weiter gerungen, ob es tatsächlich im Stadtwald an der Hinnenwiese einen Baumwipfelpfad geben wird. Also einen langen hölzernen Steg, der auf Höhe der Baumkronen verlaufen soll und sowohl als touristische Attraktion als auch als waldpädagogisches Instrument dienen soll. Welche ökologischen Ausgleichsmaßnahmen sind nötig?

Lohnt sich das Projekt dann noch für die Investoren von Forest Adventures, dem Unternehmen aus dem Taunus, das bereits den Kletterwald in Wetter realisiert hat? Das sind Punkte, die aktuell geklärt werden müssen. Und dann wird noch die spannende Frage sein, ob es eine politische Mehrheit geben wird.

Praxistest in 21 Metern Höhe

Doch wie fühlt es sich eigentlich an, über solch einen Baumwipfelpfad zu gehen? Die WESTFALENPOST hat den Praxistest gemacht und zwar auf dem Baumkronenweg im Walderlebniszentrum Ziegelwies in Füssen. In 21 Meter Höhe kann man über den 480 Meter langen hölzernen Pfad gehen. Es ist eine spannende Tour, die tatsächlich Einblicke in den obersten Teil des Waldes erlaubt.

Baumwipfelpfad

Es wird weiter gerungen, ob es tatsächlich im Hagener Stadtwald an der Hinnenwiese einen Baumwipfelpfad geben wird.
Baumwipfelpfad

Die Perspektive ist einmalig und weckt so etwas wie den Forschergeist. Und es ist eine einigermaßen wacklige Tour. Die sechs jeweils etwa eine Tonne schweren Pfade, die zwischen den vier Stützen verlaufen, sind flexibel. Aber Angst muss man trotz alledem nicht haben, 1,80 Meter breit sind die Pfade und die Geländer vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.

Tolle Ausblicke

In dem Mischwald kommt man den verschiedenen Bäumen nahe und hat tolle Ausblicke auf die Flusslandschaft des Lechs sowie auf die mächtigen Berge der Alpen. Und natürlich ist es auch noch einmal ein besonderes Gefühl, dass man mit dem Baumkronenweg eine Staatsgrenze überschreitet – und zwar die zwischen Österreich und Deutschland.

Barrierefrei ist das Ganze, ein wichtiges Kriterium für Behinderte und alte Menschen, aber auch für Familien mit Kinderwagen. Es ist kein Problem, auch mit kleinen Kindern den Baumkronenweg zu bewältigen. Dass es angrenzend noch ein Walderlebniszentrum gibt, das die Natur noch näher erklärt, macht den Baumkronenweg für Familien noch interessanter.

Die Eintrittspreise sind mit vier Euro (für Erwachsene ab 16 Jahren) moderat, Kinder und Jugendliche zahlen gar nichts. Was gibt es noch zu sagen? 60 000 Schrauben sind hier verbaut worden und die vier Stützen, die bis zu 17 Meter in den Boden ragen, haben ein recht dickes Betonfundament.

Fundamentale Unterschiede

Wird das, was für den Stadtwald an der Hinnenwiese angedacht ist, ähnlich aussehen? „Nein“, sagte Tobias Spindler von Forest Adventures. „Im Vergleich zu dem Baumkronenweg in Füssen unterscheidet sich unsere Bautechnik und dadurch hoffentlich auch das entstehende Produkt fundamental.“

Viel naturschonender werde man vorgehen und auch einen noch näheren Blick auf die Baumwipfel ermöglichen. „Unser Ziel ist es, nicht nur in die Nähe der Baumkrone, sondern am besten mitten in diese hinein zu kommen, um Aus- und Einblicke zu ermöglichen, die so von anderer Stelle aus nicht möglich sind.“

Um das zu ermöglichen, müsse die Bautechnik besonders sanft, die Eingriffe in Wald so klein wie möglich und bodenschonend sein. „Für Baumwipfelpfade ist es üblich, Tragwerke in Werkstätten vorzufertigen und dann mit schwerem Gerät in den Wald zu bringen“, sagt Tobias Spindler. Um das Ganze dann vor Ort zu installieren, seien Breite Zuwege und auch dicke Fundamente nötig. „Und das schließt dann oft aus, ganz nah an den Bäumen zu sein“, sagt der Diplom-Kaufmann. „Im Gegensatz hierzu fertigen wir alles an Ort und Stelle mit eher leichteren Gerätschaften.“

Rohre statt Betonfundament

Statt mit viel Beton wolle man mit neu entwickelten Rohrfundamenten neue Wege gehen, die es erlauben sollen, mit dem Baumwipfelpfad tatsächlich mitten durch den Wald zu gehen, ohne dessen Gesundheit zu beeinträchtigen. Die Kehrseite sei aber eine deutlich länger Bauphase.

Während eine Anlage, wie die in Füssen, innerhalb von Wochen vor Ort aufgebaut werden können, erwarte man in Hagen eine Bauzeit von deutlich über einem Jahr. „Wir denken und hoffen aber, dass sich das langfristig lohnt, wenn unsere Gäste ganz nah an und in die Natur kommen können.“

Baustart nicht vor 2020

Ohnehin: Es wird auf jeden Fall noch dauern, sollte der Baumwipfelpfad tatsächlich realisiert werden. Denn erst, wenn alle planungsrechtlichen, politischen und auch wirtschaftlichen Fragen geklärt sind, kann Forest Adventures mit der Feinplanung beginnen. Selbst wenn aus Sicht der Investoren alles ideal läuft, wird es keinen Baustart vor dem Jahr 2020 geben.

>>HINTERGRUND: VIEL RÜCKENDECKUNG

  • Bei den Hagenern stößt der Baumwipfelpfad rund um den Kaiser-Friedrich-Turm auf wenig Widerspruch. 69 Prozent der Bürger hätten gegen die Investition nichts einzuwenden – 26 Prozent finden das Projekt richtig gut, 19 Prozent sogar sehr gut.
  • Das hat im Frühjahr 2017 die repräsentative Befragung im Rahmen des WP-Bürgerbarometers ergeben. Lediglich 12 Prozent der Menschen in Hagen bewerten den Vorstoß als schlecht, 17 Prozent als sehr schlecht. Die Stadtspitze begleitet die Idee konstruktiv.
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