Aktion Reportertausch

Mit der Buslinie 510 durch die Hagener Lebenswelten

Der Bus 510 gehört zu den Linien mit der längsten Fahrzeit in Hagen. Zwischen Rummenohl und Baukloh bekommen die Mitfahrer nahezu sämtliche Facetten der Hagener Lebenswirklichkeit zu Gesicht. Foto:Archiv/Kleinrensing

Der Bus 510 gehört zu den Linien mit der längsten Fahrzeit in Hagen. Zwischen Rummenohl und Baukloh bekommen die Mitfahrer nahezu sämtliche Facetten der Hagener Lebenswirklichkeit zu Gesicht. Foto:Archiv/Kleinrensing

Hagen.   In 71 Minuten von der Sterbecke zum Baukloh: Tauschreporterin Laura Sandgathe ist mit der Buslinie 510 durch die Hagener Welten gerollt.

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Mit dem Bus von Sterbecke bis Baukloh, einmal quer durch die Stadt. 76 Minuten Fahrzeit, ohne Umsteigen. Das würde wohl normalerweise niemand machen – außer er ist Tauschreporter und will Hagen und seine unterschiedlichen Stadtteile mal aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Verpassen sollte man den Bus der Linie 510 nicht – er fährt nur einmal in der Stunde, und zwar pünktlich. Von Rummenohl geht es über die Dörfer, die doch eigentlich keine Dörfer, sondern Teile der Stadt Hagen sind. Richtig ländlich ist es hier, am Straßenrand verkauft ein Bauer Erdbeeren und Spargel. An nahezu jeder zweiten Haltestelle fährt der Busfahrer einfach vorbei, niemand will hier ein- oder aussteigen.

Verlassene Häuser in Wehringhausen

Je näher wir jedoch der Innenstadt kommen, desto mehr Menschen steigen zu. Iris Steiner setzt sich neben mich. Sie ist auf dem Weg zum Markt: „Es ist günstiger, mit dem Bus zu fahren, vor allem Parken ist in der Innenstadt teuer.“

In der City bietet der Blick aus dem Fenster das Kontrastprogramm zu den grünen Wiesen vom Anfang der Strecke. Erst kleine Läden, dann Kaufhäuser säumen die Straßen, durchs Fenster sind geschäftige Menschen mit Handy am Ohr zu sehen.

Auf der Fahrt durch Wehringhausen fallen mir einige heruntergekommene, offenbar verlassene Häuser auf. Teilweise sind ihre Fenster verrammelt oder die Rollläden geschlossen. Ein Mann im Bus ärgert sich lautstark über einen anderen, dessen Einkaufstrolley ihm beim Aussteigen offenbar im Weg steht. Die anderen schauen auf ihre Handys, hören Musik oder träumen vor sich hin.

Wie eine kleine Innenstadt

Es geht durch den Ortskern von Haspe, der mit seinen Cafés und Geschäften fast wie eine eigene kleine Innenstadt wirkt. Bald ändert sich das Stadtbild dann erneut. Die Häuser werden kleiner, die Vorgärten gepflegter und zwischendrin meine ich, eine Villa zu endecken.

An der Endhaltestelle Baukloh will ich eigentlich kurz aussteigen und mich umschauen, doch es geht direkt wieder weiter. Auf dem Rückweg fallen mir die Firmengebäude am Straßenrand und auch die verlassene Brandt-Fabrik auf. Gewerbebetriebe prägen das Bild am Rand von Hagens Innenstadt.

Bus als Treffpunkt

Unterdessen erlebe ich, dass der Bus auch Treffpunkt insbesondere für ältere Leute sein kann. Zwei ältere Damen freuen sich, einander zu sehen: „Ich war neulich bei Ihnen, aber da waren Sie nicht da.“ Schnell bringen sie sich gegenseitig auf Stand, ein „Kommen sie doch mal vorbei“, dann steigt eine wieder aus.

Auf der Wehringhauser Straße steht der Bus im Stau. Drei Lkw stehen vor uns, es geht nur langsam voran. Der Verkehr in der Innenstadt sei schwierig, erzählt mir später der Busfahrer. Auch wenn man gut fahre, komme man nur langsam voran.

Tatsächlich kommen wir mit einigen Minuten Verspätung wieder in Rummenohl an. Wieder bin ich der einzige Fahrgast, der bis zur Endhaltestelle fährt. Etwa 15 Minuten Pause bleiben dem Fahrer jetzt, dann geht es für ihn wieder los – vorbei an Hagens unterschiedlichen Gesichtern.

>>HINTERGRUND: LÄNGSTE BUSLINIEN

  • Die Linie 510 pendelt zwischen Rummenohl und Baukloh. Die Fahrtzeit beträgt 76 Minuten.
  • Damit ist die 510 eine der Linien Hagens mit der längsten Fahrzeit - aber nicht die längste.
  • Am meisten Zeit kann man in der Linie 524 verbringen, sie fährt in 81 Minuten zwischen Industriestraße und Im Sibb.

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