Hohenlimburg.

Mit Puppentheater den Frieden aufbauen

Zum 35-jährigen Bestehen des Weltladen an der Freiheitstraße konnten Brigitte Klinkmann und Heide Vieler (re.) die Friedenskämpferin Heike Kammer begrüßen.

Zum 35-jährigen Bestehen des Weltladen an der Freiheitstraße konnten Brigitte Klinkmann und Heide Vieler (re.) die Friedenskämpferin Heike Kammer begrüßen.

Foto: WP

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Hohenlimburg. Ein Satz hat sich an diesem Abend besonders eingeprägt: „Frieden aufbauen ist sehr schwer, Frieden zerstören sehr leicht.“ Formuliert hat diesen Heike Kammer, Friedens- und Menschenrechtsaktivistin, im Gemeindehaus der reformierten Gemeinde.

Anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Hohenlimburger Eine-Welt-Ladens berichtete Heike Kammer über ihre Arbeit: Seit 1986 war sie als Mitarbeiterin von „peace brigades international“ (pbi), einer internationalen Friedens- und Menschenrechtsorganisation, in mehreren Ländern tätig. So hat sie in Kolumbien, Mexiko und Guatemala Menschen begleitet, um sie vor Angriffen, Vertreibung und Mord zu beschützen. „Dort werden Dorfgemeinschaften gegeneinander aufgehetzt, werden Bauern vertrieben, damit Großgrundbesitzer das Land besetzen können“, erzählte Heike Kammer über das Schicksal der Betroffenen. Auf dem Land, das viele Jahre den eigentlichen Besitzern und ihren Familien zur Selbstversorgung diente, würden dann Monokulturen angelegt, um den Weltmarkt mit Palmöl zu versorgen. Oft werde Gewalt angewendet gegen die Bauern.

Diese Bauern können dann „pbi“ um Hilfe bitten, wenn sie gewaltfrei für ihre Rechte kämpfen möchten. „pbi“ setze sich für sie ein, aber nur, wenn sie legal im Besitz des Landes seien.

Freiräume für gewaltfreien Protest

„Es gibt keine politische Einmischung bei uns, vielmehr sichern wir Freiräume für den gewaltfreien Protest“, sagte Kammer. Ganz im Sinn der Idee Mahatma Gandhis. Gefährliche Situationen werden so weitestgehend vermieden, darauf achte das Team der Organisation. „Wirklich lebensbedrohlich ist es noch nie geworden. Wir sind sehr froh bei den Peace Brigades, dass bisher noch kein Mitarbeiter getötet wurde.“ Dennoch habe es auch bei ihr Momente der Angst gegeben. „Absolute Sicherheit gibt es bei dieser Arbeit nicht.“ Davon lässt sich die Aktivistin nicht abschrecken. Die Hoffnung auf eine gerechtere Welt gebe ihr die Motivation zum Engagement.

Der Erfolg ist schwer zu messen

Auch wenn die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht immer zu sehen seien. „In der Friedensarbeit ist der Erfolg schwer zu messen, denn viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.“ Aber es sei schon ein kleiner Lichtblick, wenn die Menschen am Leben bleiben und vertriebene Bauern auf ihr Land zurückkehren können.

Seit 2005 ist Heike Kammer auch mit einer Puppenbühne unterwegs, um Kindern, aber ebenso Erwachsenen, spielerisch vom friedlichen Miteinander zu überzeugen.

Seit vielen Jahren befreundet

„Die Menschen wieder ins Gespräch miteinander zu bringen, ist oftmals der erste Schritt hin zur Versöhnung.“ Kürzlich hat Heike Kammer in Palästina mit ihren Puppen bei Grundschülern um gegenseitiges Verständnis und friedliches Miteinander geworben. Und auch in Deutschland findet diese Art des Puppentheaters ebenfalls Zustimmung. Dafür nominierte sie die Tageszeitung „Taz“ für den Pantherpreis im vergangenen Jahr, 1999 erhielt sie bereits den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar. „Wir sind glücklich, dass Heike Kammer zu uns gekommen ist“, sagte Brigitte Klinkmann, Vorsitzende der Ökumenisch-diakonischen Aktionsgemeinschaft Dritte Welt e.V., die zu diesem Abend eingeladen hatte.

Geschäftsführerin Heidi Vieler und sie sind mit Heike Kammer seit vielen Jahren befreundet. Sie freuten sich, Heike Kammers Arbeit mit der Übergabe einer Spende der Gesamtfrauenhilfe unterstützen zu können. Denn bald reist Heike Kammer wieder nach Mittelamerika. Dann ist sie dort mit ihrem Puppentheater für vier Monate unterwegs, um Frieden aufzubauen.

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