Millionärsmord

Mord an Hagener Millionär: Täter müssen lebenslang in Haft

Im Mordfall des Hagener Millionärs Wolfgang S. wurden die Angeklagten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Hier der Angeklagte B. mit seiner Anwältin Ina Klimpke.

Im Mordfall des Hagener Millionärs Wolfgang S. wurden die Angeklagten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Hier der Angeklagte B. mit seiner Anwältin Ina Klimpke.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die zwei Männer, die den Hagener Millionär Wolfgang S. in seinem Haus überfallen und ermordet haben, sind zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Urteil im Prozess um die Tötung des Hagener Millionärs Wolfgang S. (55): Am 25. Verhandlungstag schickte das Schwurgericht beide Angeklagte lebenslang hinter Gitter.

Mord, Raub mit Todesfolge, erpresserischer Menschenraub und gefährliche Körperverletzung. Die von der Kammer festgestellten Tatbestände schallen laut durch Gerichtssaal 201, als um 14.08 Uhr Vorsitzender Richter Marcus Teich zu seiner filigranen 70-minütigen Urteilsbegründung ansetzt.

Während Angeklagter Thomas W. (52, Lünen), der mindestens einen Schuss auf den vermögenden Immobilienkaufmann abgab, den Richterspruch äußerlich gelassen und kühl wegzustecken scheint, ringt der korpulente Mitverurteilte Milan B. (47, Bosnien), der sich offenbar auf eine mildere Strafe eingestellt hatte, sichtlich um Fassung.

Brutal und grausam

Aber was in den frühen Abendstunden des 9. November 2006 in der Millionärsvilla an der Bergruthe auf Emst ablief, war an Brutalität und Grausamkeit kaum noch zu überbieten. „Schlimmer ging’s nicht“, brachte es Richter Teich auf den Punkt. Zwei maskierte Räuber hatten auf dem noblen Anwesen zunächst die Lebensgefährtin (52) von Wolfgang S. brutal überfallen, ihr den Kiefer und die Rippen gebrochen, dann wurde der Hausherr, der nackt aus seiner Sauna kam, regelrecht hingerichtet.

Eine Kugel („bewusst und gewollt abgegeben“) aus dem geladenen Revolver von Thomas W. traf den Millionär aus zehn Zentimetern Nähe in dessen Brust, eine zweite Kugel schlug in seinen Kopf ein. Wolfgang S. schleppte sich noch schwer verletzt und stark blutend wenige Schritte weiter – „bis er japsend zusammenbrach“, so Richter Teich, „und das war von beiden Angeklagten auch so wahrgenommen und erkannt worden.“

Angesichts dieser Worte kämpft der verurteilte Milan B., der eine Halskette aus weißen Kügelchen trägt, mit den Tränen. Thomas W. tuschelt mit seiner Verteidigerin.

Dass sich die beiden Schüsse „im Gerangel versehentlich gelöst“ hätten, wie dieser behauptet hatte, nahm ihm die Kammer aber nicht ab. Marcus Teich: „Versehentlich? Mag man bei einem Schuss ja noch glauben, aber bei zweien? Das ist uns ein Zufall zu viel.“

Auch sei die Tat, ohne Anzeichen einer Erschütterung angesichts der Leiche, von beiden Angeklagten eiskalt durchgezogen worden: „Überall war Blut. Da ist es doch geradezu absurd zu behaupten, man habe die Verletzungen nicht gesehen“, so der Vorsitzende. „Das war ein gemeinschaftlich begangener Mord aus Habgier. Es ging ums Geld und nichts anderes.“

Tipp für blutigen Überfall im Rotlichtmilieu aufgeschnappt

Die Verteidiger hatten den Mordvorwurf als nicht nachgewiesen angesehen und Haftstrafen von neun bzw. sechseinhalb Jahren gefordert. Während des Prozesses hatten die beiden Angeklagten ihre Tatbeteiligung zugegeben, allerdings eine Tötungsabsicht bestritten.

Zur Vorgeschichte: Den Tipp für den blutigen Überfall schnappten die beiden nun verurteilten Männer vermutlich im Rotlichtmilieu auf. Der extrovertierte Selfmademan S., der sein Vermögen zuletzt vor allem durch Immobiliengeschäfte vermehrte und sich zudem auf dem Parkett des Kunsthandels bewegte, saß an dem Mordabend in seinem Haus an der Bergruthe allein in der Sauna. Als seine Lebensgefährtin mit dem Auto vorfuhr, sprangen zwei Gestalten aus der Dunkelheit auf die 52-Jährige zu, malträtierten sie brutal mit Schlägen und Tritten und zwangen die Frau, die Haustür zu öffnen.

Zwei Schüsse treffen Millionär Wolfgang S.

Dort trafen die bewaffneten Gangster bei der Suche nach Beute auf Wolfgang S. Schnell eskalierte die Situation, bis letztlich zwei Schüsse aus einem Revolver fielen – das tödliche Projektil traf den Hausherrn in der Brust.

Ungerührt drang das Ganoven-Duo an dem Sterbenden vorbei bis ins Schlafzimmer im Obergeschoss vor, räumte dort den Safe aus und konnte vor allem mit Schmuck und wertvollen Uhren im Gesamtwert von etwa 600 000 Euro in die November-Nacht entkommen.Bargeld auf dem Nachttisch, wertvolle Bilder an den Wänden, Nobelkarossen in den Garagen und auch ein zweiter Safe im Untergeschoss blieben unbeachtet.

TV-Fahndung bei "Aktenzeichen XY"

Aber auch weite Teile der Beute blieben trotz europaweiter Fahndung über Interpol, einer TV-Fahndung bei „Aktenzeichen XY“ sowie einer von der Familie ausgelobten Belohnung, die bis nach Südosteuropa kommuniziert wurde, bis heute unauffindbar.

Es folgte eine der aufwändigsten Ermittlungen einer Sonderkommission der Hagener Kriminalpolizei in der Nachkriegsgeschichte: Akribisch wurden Spuren in dem Luxusobjekt gesichert, das gesamte Tatortumfeld mit Hundertschaften der Bereitschaftspolizei durchkämmt, zig Zeugen im privaten und geschäftlichen Umfeld befragt und auch das gesamte Rotlichtmilieu des Ruhrgebietes, in dem das 55-jährige Opfer sich immer wieder bewegte, durchkämmt.

DNA-Spuren überführen Täter

Doch eine wirklich heiße Spur blieb über ein Jahrzehnt aus. Im August 2017 schnappten die Handschellen am Dortmunder Flughafen bei dem Bosnier Milan B. (45) zu, als dieser aus seiner Heimat zu einem Besuch nach Deutschland zurückkehrte. Sein Komplize Thomas W. (51) saß zu diesem Zeitpunkt bereits hinter Gittern, nachdem er 2014 zusammen mit seinem Bruder nach einem ähnlich brutalen Muster ein älteres Ehepaar in Rottach-Egern ausgeraubt hatte.

Anhand der inzwischen deutlich verbesserten Spurenanalytik hatten die DNA-Identifizierungsmuster die Polizei in Kooperation mit dem rechtsmedizinischen Institut der Uni München zu den bereits einschlägig bekannten Gewaltverbrechern geführt, die sich aus ihrer gemeinsamen Jugendzeit in Lünen kennen.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik