Sinfoniekonzert

Morgenstern-Trio mit sensationeller Klangkultur in Hagen

Das Morgenstern-Trio

Foto: Morgensterm-Trio

Das Morgenstern-Trio Foto: Morgensterm-Trio

Hagen.  Das Trio und die Hagener Philharmoniker begeistern mit dem Tripelkonzert von Beethoven. Warum es trotzdem ein Sinfoniekonzert mit Überbreite ist.

Kein Komponist erfüllt das Glücksversprechen der Musik so konsequent wie Ludwig van Beethoven (1770-1827). Im Tripelkonzert potenziert sich dieser Anspruch noch, denn hier wird Sinfonik mit Kammermusik verschmolzen. Die Hagener Philharmoniker unter Prof. Florian Ludwig liefern mit dem Morgenstern-Trio jetzt eine brillante Interpretation des Werkes, die vom Publikum mit vielen Bravorufen und langem Beifall gefeiert wird.

Doppelfunktion

Das Klaviertrio gilt als anspruchsvollste Kompositionsgattung überhaupt, weil das Klavier hier eine Doppelfunktion hat: Es muss den Satz von Violine und Cello ergänzen und ist gleichzeitig ein harmonisch vollwertiges Instrument. Indem Beethoven das Klaviertrio mit dem Orchester koppelt, greift er auf die im Barock beliebte Gattung des Concerto grosso zurück. Die Herausforderung besteht darin, den Dialog innerhalb der beiden Klanggruppen und zwischen ihnen zu ermöglichen.

Das viel gefeierte Morgenstern-Trio, aus dem Stipendien-Programm der Werner Richard / Dr. Carl Dörken-Stiftung hervorgegangen, stellt sich den Tücken dieses Konzerts mit Herz und Humor gleichermaßen. Catherine Klipfel (Klavier), Stefan Hempel (Violine) und Emanuel Wehse (Cello) spielen sich Beethovens Motiv-Feuerwerk in einer wunderbaren Mischung aus Innigkeit und Musizierlust zu. Die drei Solisten hören sehr gut aufeinander, deshalb wirkt diese so dichte und konzentrierte Interpretation dennoch erstaunlich frei, wie ein Gespräch unter guten Freunden. Und das Morgenstern-Trio kommuniziert nicht nur miteinander, es steht auch im schönen Kontakt mit dem Orchester. Eigentlich ist das Tripelkonzert ein verstecktes Cello-Konzert, und Emanuel Wehse bringt sein Instrument von den tiefsten Lagen bis zu den höchsten Höhen mit einer Leichtigkeit zum Singen, hinter der sich wirklich große Kunst verbirgt.

Florian Ludwig hat ein gutes Gespür für das Verhältnis zwischen Tempo und Puls bei Beethoven. So dirigiert er auch das Tripelkonzert aus dem Geist der französischen Revolutionsmusik mit all dem Esprit und den so mitreißenden, mit Anlauf genommenen „Raketen“. Die Hagener Philharmoniker setzen die Partitur mit ausgesuchter Freude und feinem Können um. Als Zugabe bedankt sich das Solisten-Ensemble mit dem ersten Satz aus Beethovens Geistertrio op70,1.

Zum Auftakt erklingt die Uraufführung von Ludger Vollmers (geb. 1961) „Danses rituelles d’évocation du véritable printemps #4“, einem orchestralen Frühlingserwachen, das aus den Solothemen der verschiedenen Instrumente rhythmisch anschwellende Beschwörungen in raffinierten Farben entwickelt, die sich im 4. Satz zu einer Art Stampftanz steigern und dann in gleichsam mythischen Akkordschlägen verhauchen.

Ein häufiges, lästiges und vermeidbares Problem im Hagener Sinfoniekonzert sind die langen Umbaupausen, wenn die Planung einen Flügel im zweiten Programmpunkt vorsieht. Auch hier führt die Platzierung des Instruments und die Neuordnung der Musikerstühle zu einem Abend mit Überbreite: Das Hauptwerk, die 45-minütige Sinfonie Nr. 4 von Franz Schmidt (1874 - 1939), kann erst kurz vor 22 Uhr beginnen. Zu diesem späten Zeitpunkt hat sich das Publikum schon deutlich reduziert, von der Aufmerksamkeitskapazität der Verbliebenen ganz zu schweigen.

Ein Requiem

Daher wirkt das Werk, das der Österreicher als Requiem für seine im Kindbett gestorbene Tochter geschrieben hat, eher ermüdend, als dass es die Neugierde anregt. Denn der Spätromantiker arbeitet mit Motivwiederholungen, sein musikalisches Material kreist hauptsächlich um sich selber, den Themen widerfährt ansonsten nicht viel. Gleichwohl nimmt Florian Ludwig das Opus mit großer Konzentration, die Philharmoniker halten durchweg die Spannung, beginnend mit dem einsamen Trompetenruf des ersten Satzes, mit dem die Sinfonie am Ende auch schließt.

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