Ausstellung

Museum in Hagen zeigt Leonardo als genialen Erfinder

Museumsleiter Tayfun Belgin mit einem Wegstreckenzähler von Leonardo da Vinci.

Museumsleiter Tayfun Belgin mit einem Wegstreckenzähler von Leonardo da Vinci.

Foto: Hubertus Heuel / WP Hagen/Heuel

Hagen.  Das Osthaus-Museum in Hagen zeigt in einer Ausstellung Leonardo da Vinci als genialen Erfinder. Er war seiner Zeit um Jahrhunderte voraus.

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Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) werden rund 20 Gemälde zugeschrieben, so genau weiß das niemand. Aber der berühmte Renaissance-Künstler war nicht nur ein außergewöhnlicher Maler, sondern zugleich Erfinder und Wissenschaftler. Und um diese Seite seines Schaffens dreht sich eine Ausstellung, die am kommenden Samstag im Osthaus-Museum eröffnet wird und Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr zu sehen ist. „Dass wir hier nicht die Mona Lisa präsentieren können, versteht sich von selbst“, so Museumsleiter Tayfun Belgin: „Aber ich bin überzeugt, dass wir auch mit der Ideenwelt dieses brillanten Mannes viele Besucher ins Haus locken können.“

Die Schau ist denn auch keine Kunst-, sondern vielmehr eine Technikausstellung. 119 handkolorierte Faksimiles seiner Notizbücher dokumentieren das Schaffen Leonardos, 25 Modelle, exakte Nachbauten aus Holz und Metall nach seinen Zeichnungen, sind teilweise beweglich und können unter Anleitung von den Besuchern bedient werden. Zudem vermitteln sechs Multimediaterminals alles Wissenswerte über Leonardo und seine Zeit, seine Tätigkeit als Ingenieur und Architekt, Brückenbauer und Forscher.

Vor 500 Jahren gestorben

Genies wie Leonardo, der vor 500 Jahren starb, gibt es heute nicht mehr. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass der Sohn einer Magd zugleich anatomische Studien anfertigte, Tiere sezierte, Autos, Brücken, Fluggeräte, Kanonen, Schiffe und Uhren konstruierte und sich nicht zuletzt als Stadtplaner hervortat? Leonardo sei seiner Zeit weit voraus gewesen, sagt Maximilian Netze vom Institut für Kulturaustausch in Tübingen, das die Ausstellung organisiert hat: „Die von Leonardo erdachte Antriebstechnik wurde zum Beispiel erst Jahrhunderte später von Gottlieb Daimler realisiert.“

Während sich in Leonardos Notizbüchern sein unbegrenzter Verstand in Forschungsergebnissen, Vorlieben, Gedanken, Spielereien und Zeichnungen bunt aufeinander folgend manifestiert, ist die Ausstellung im Osthaus-Museum nach Fachgebieten gruppiert, damit wir Normalsterblichen in diesem Blitzgewitter der Erfindungen einigermaßen die Übersicht behalten.

Mit Maschinen die Welt bewegen

Seine Brücke übers Goldene Horn in Istanbul hätte gehalten, das haben Forscher der Universität Lund kürzlich herausgefunden. Sein doppelwandiges Schiff hätte mit den Möglichkeiten des 16. Jahrhunderts dagegen wohl nicht gebaut werden können. Der nach einer Skizze Leonardos konstruierte Fallschirm wiederum wäre funktionstüchtig gewesen. Unter den eher skeptischen Blicken vieler Experten sprang der erfahrene Fallschirmspringer Adrian Nicholas im Jahr 2000 mit diesem Modell über Südafrika ab – wobei der Schirm den Test in ruhigem Sinkflug erfolgreich bestand.

„Leonardo wollte mit seinen Maschinen die Welt bewegen“, sagt Netze. Als Eintrittskarte zu den Fürstenhöfen der Sorza, Medici und Borgia, an denen er sein Geld verdiente, erfand er Belagerungsmaschinen, Sturmleitern und fürchterliche Mordgeräte wie einen Sichelwagen oder eine Riesenarmbrust. Obwohl er den Krieg als „bestialischen Wahnsinn“ bezeichnet haben soll, entwarf er ein Arsenal utopischer Waffen, einige seiner Ideen wurden im 19. Jahrhundert verwirklicht.

Doch auch Leonardos Wehrtechnik gibt einen tiefen Einblick in seinen Erfindungsreichtum und zeigt die Bedeutung, die seine mechanischen Wunder für unsere heutige Zivilisation haben.

Die Wanderausstellung ist bis zum 12. Januar im Osthaus-Museum Hagen (Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr) zu sehen. Die Vernissage beginnt am Samstag, 14. September, um 16 Uhr. www.osthausmuseum.de

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