Wechsel am Markt

Nach 30 Jahren: „Toys geht“, irisches Unternehmen übernimmt

Die großen Lettern sind verschwunden. Bald wird hier der Name der irischen Neu-Besitzer zu lesen sein.   

Die großen Lettern sind verschwunden. Bald wird hier der Name der irischen Neu-Besitzer zu lesen sein.  

Foto: Fiebig

Vorhalle.   Tausende Hagener haben hier für ihre Kinder Spielzeug gekauft. Und Tausende Kinder liebten das Gefühl, wenn sie das Spielzeug-Geschäft betraten.

Man sagt in Hagen ja, man geht „zu Toys“. Über 30 Jahre lang war der US-Spielzeugriese mit seiner Filiale am Vorhaller Kreisel quasi der Fixstern am Spielzeughimmel für alle Hagener Kinder. Doch das Spiel ist aus für „Toys ,R’ us“. Die Kette ist insolvent. Was das für den Vorhaller Spielzeug-Standort bedeutet? Er hat eine Perspektive.

Gestern Mittag, 12.30 Uhr. Wusch! Die Tür geht auf. Der erste Blick fällt diesmal auf sich leerende Regale. Toys baut ab. Während man als Kind noch dachte, man betrete einen meterhohen Tempel modernster Spielzeug-Artikel, sieht man jetzt, dass die Filiale ­immer eine große Halle mit Metallregalen gewesen ist. Manche Gänge sind schon freigeräumt, andere Regale werden gerade geleert. Der Verkaufsbetrieb läuft weiter. ­Niemand ist traurig, keiner panisch und niemand in Hektik. Draußen über dem Haupteingang haben Arbeiter am Vortag bereits die großen Buchstaben der Spielzeug-Kette abmontiert. Gestern kamen auch die fetten Lettern runter, die hoch über dem Vorhaller Kreisel prangten.

Mitarbeiter beantworten keine Fragen. Auch die Marktleitung sagt nichts, verweist nur auf die Konzernleitung. Die ist aber nicht zu erreichen. Im Hintergrund heißt es, dass niemand der Toys-Mitarbeiter auf der Straße lande. Was daran liegt, dass die irische Spielzeug-Kette „Smyths Toys“ für knapp 80 Millionen Euro die europäischen Toys-Filialen in Österreich Deutschland und der Schweiz übernommen hat. Um im Bild zu bleiben: Die Iren steigen damit zum größten Spieler auf dem europäischen Markt auf. Und wollen laut Informationen der WP auch die Filiale in Vorhalle erhalten und sie zu einem „Smyths Toys Store“ machen.

Was das inhaltlich und in der Ausrichtung bedeutet, wollte die WP von der dortigen Pressestelle erfahren. Gestern Morgen hieß es zunächst, am Vormittag sei ein Ansprechpartner verfügbar. Doch weder am Telefon noch auf schriftliche Anfrage waren gestern Informationen zu bekommen.

Toys hat Online-Boom verschlafen

In Wirtschaftsfachkreisen heißt es, das Traditions- Spielzeughaus ­„Toys ,R’ us“ habe den Onlineboom verschlafen. Große Käufergruppen hat beispielsweise Amazon abgesaugt. Vor allem habe Toys nie die Verzahnung zwischen stationärem Handel und dem Online-Geschäft hinbekommen. Durch die Umwandlung der Toys’R’us Filialen in „Smyths Toys Superstores“ wird diese sogenannte „Multichannel-Strategie“ des irischen Unternehmens nun zum Tragen kommen. Das Präsentieren und Verkaufen auf mehreren Plattformen und Kanälen.

Das Unternehmen „Toys ,R’ us“ war 1948 gegründet worden. Mit den großen Verkaufsräumen und dem riesigen Angebot galt dieser Schritt einst als revolutionär. Das Sagen auf dem Spielzeugmarkt – das werden viele Hagener vielleicht noch aus ihrer Kindheit wissen – hatten in dieser Zeit kleine lokale Fachhändler.

Filialen an gefragten Punkten

Was mit dem ganzen Spielzeug aus der bisherigen Toys-Filiale nun geschieht, ist unklar. Neben dem Standort an der A1 in Hagen hat Smyths nun noch weitere Filialen im Bochumer Ruhrpark und im Indupark in Dortmund. Das Spiel geht weiter. Unter neuer Flagge.

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