Eine unglaubliche Geschichte

Nach 48 Jahren haben sich die Schwestern gefunden

Im Jahr 1970 wurde Alexandra „Alex“ geboren. Ihre Schwester Katharina betreute sie im ersten Lebensjahr. Dann verließ Katharina Vamvakas mit ihrem Freund Grigori die Heimat Hohenlimburg und zog nach Stockholm. Jetzt haben sich die Schwestern nach 48 Jahren wiedergesehen.

Im Jahr 1970 wurde Alexandra „Alex“ geboren. Ihre Schwester Katharina betreute sie im ersten Lebensjahr. Dann verließ Katharina Vamvakas mit ihrem Freund Grigori die Heimat Hohenlimburg und zog nach Stockholm. Jetzt haben sich die Schwestern nach 48 Jahren wiedergesehen.

Foto: oheimann

Hohenlimburg.   Das ist eine nahezu unglaubliche Geschichte. Nach 48 Jahren haben sich die Schwestern Alexandra (48) und Katharina (66) Vamvakas wiedergesehen.

Es ist eine Lebensgeschichte, die sich für ein Drehbuch einer Familien-Saga eignet; eine Geschichte, wie es sie nur einmal gibt. Diese hat die 48-jährige Alexandra „Alex“ Kemmerling erlebt. Eine Geschichte voller Emotionen und (Freuden)-Tränen, aber auch voller Zufälle, die aber deutlich macht, welche Möglichkeiten die sozialen Medien inzwischen weltweit bieten. Denn ohne das Internet hätte die heute in Oestrich lebende Fachverkäuferin niemals erfahren, dass sie eine Schwester mit Namen Katharina hat. Diese ist inzwischen 66 Jahre alt und lebt seit 1970 mit ihrem Mann Grigori in Stockholm. Jetzt haben sich die Frauen wiedergesehen.

Die Vorgeschichte

Hohenlimburg schrieb das Jahr 1961. Da zieht es den damals 34-jährigen Christos Vamvakas aus seiner griechischen Heimat ins ferne Hohenlimburg. Angeworben von Landsleuten, die bereits in der Stahl- oder Kaltwalzindustrie unterm Schlossberg arbeiteten.

Christos Vamvakas fand beim ältesten Hohenlimburger Kaltwalzunternehmen, J.P. Hüsecken, im Nimmertal eine Anstellung als Glühereiarbeiter.

Seine Tochter Katharina, die noch bei der Mutter in Griechenland lebte, hatte jedoch Sehnsucht nach ihrem Vater. So holte dieser die zu diesem Zeitpunkt 11-Jährige im Jahr 1964 nach Hohenlimburg und lebte mit ihr an der Freiheitstraße. Deshalb besuchte Katharina die Wesselbachschule und lernte schnell und zügig die deutsche Sprache. Denn fast 50 Jahre später kann sie sich mit ihrer wiedergefundenen Schwester nahezu perfekt unterhalten.

Es kam, wie es damals häufig passierte. Christos Vamvakas verliebte sich in eine Hohenlimburgerin, zog mit ihr zur Obernahmer Straße 95 und heiratete sie im Jahr 1969. Ein Jahr später, im Februar 1970, wurde die gemeinsame Tochter Alexandra geboren. Diese wurde in den ersten Lebensmonaten auch von der großen Schwester Katharina betreut. Als diese ihren 18. Geburtstag gefeiert hatte, verließ sie mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann Grigori Tasiopulos (71) ihre Heimat. Denn der allzu strenge Vater war von der „jungen Liebe“ wenig begeistert. Deshalb flüchtete das Paar nach Stockholm, wo Verwandte von Grigori lebten.

Weil Katharina „über Nacht“ ihre Familie verlassen hatte, wurde sie mit einem Bann „bestraft“ und war deshalb im wahren Sinne des Wortes kein Thema mehr. Kein Wort wurde somit in den Folgejahren an der Obernahmer Straße über die verlorene Tochter gesprochen. Deshalb wusste Alexandra bis zum vergangenen Jahr nicht, dass sie eine Halbschwester hatte. Und schon gar nicht, dass diese in Stockholm lebte.

Die erste Nachricht

Im Spätsommer 2018 erhielt sie nämlich von einem Thomas Tasiopulos über Facebook eine Freundschaftsanfrage. Der war ihr völlig unbekannt, so dass die 48-Jährige Vorsicht wallten ließ und nicht reagierte. Doch der Unbekannte blieb hartnäckig, recherchierte weiter, fand die Telefonnummer heraus und schrieb über Whatsapp die Wahl-Oestricherin an. Doch die wagte es nicht, zurückzurufen. Erst ein befreundeter Grieche griff zum Handy und rief an - das Eis war dadurch gebrochen. Alexandra erfuhr, dass in Stockholm eine Schwester lebte, die sie noch niemals in ihrem Leben bewusst wahrgenommen hatte. Denn als diese Hohenlimburg verließ, war „Alex“ neun Monate alt.

Die Motivation der Schwester

Doch worin lag für Katharina die Motivation, nach ihrer Schwester zu suchen? Die 66-Jährige war an Krebs erkrankt. Sie dachte deshalb über ihr Leben nach. Und da kam ihr die kleine Schwester aus Hohenlimburg in den Sinn. Deshalb bat sie ihren Sohn Thomas zu recherchieren. Und der hatte Erfolg.

Das erste Wiedersehen

Viele Telefongespräche folgten. Zuletzt reiste Katharina zu ihrer in Brügge (Belgien) lebenden Tochter Marina. Deshalb war es für Alexandra mehr als eine moralische Verpflichtung, mit ihrem Ehemann Jürgen nach Belgien zu fahren, um den für sie einmaligen Tag zu erleben. „Ich war sprachlos. Ich konnte gar nichts sagen“, berichtet sie von einem höchst emotionalen Moment des Wiedersehens.

Seither telefonieren die Schwestern einmal in der Woche miteinander. Und für Alex und Jürgen Kemmerling steht fest, in diesem Sommer nach Stockholm in die schwedische Hauptstadt zu reisen. Zu erzählen gibt es genug.

700 Griechen lebten in den 60ern in Hohenlimburg

Für 700 griechische Männer und Frauen wurde Hohenlimburg in den 60er Jahren zur Wahlheimat. Einer der ersten war Nikolaous Toparlakis, den es schon 1960 an die Lenne zog. Viele Jahre arbeitete er bei Krupp in der Obernahmer, ehe er im Jahr 1974 das Restaurant „Mykonos“ eröffnete.

Weil er der deutschen Sprache mächtig war, wurde er von den Hohenlimburger Arbeitgebern gebeten, in seiner Heimat Werbung für die Unternehmen an der Lenne zu machen. Viele Griechen folgten seinem Ruf. So auch Christos Vamvakas. „An ihn kann ich mich noch gut erinnern“, berichtet „Niko“ Toparlakis, „schließlich habe ich meine griechischen Landsleute viele Jahre aufgrund meiner Kontakte zu einem Steuerberater bei der Erstellung des Lohnsteuerausgleichs unterstützt.“

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