Lieber zur Polizei

Näherin hat nach Geldfund in Hagen keine ruhige Minute mehr

Nasrin Mostafa und Ehemann Sarmad Ilias mit dem Nähkästchen.

Nasrin Mostafa und Ehemann Sarmad Ilias mit dem Nähkästchen.

Foto: Michael Kleinrensing

Haspe.   Sie kaufte ein Nähkästchen, dann entdeckte sie darin einen Umschlag mit viel Geld. Das stürzte Nasrin Mostafa und ihren Ehemann in Gewissensnöte.

Nachdem Nasrin Mostafa (44) das Nähkästchen gekauft hatte, stellte sie es zu Hause in eine Ecke. Erst zwei Tage später warf sie wieder einen Blick hinein, entdeckte den Umschlag und darin das Geld. Von da an hatte sie keine ruhige Minute mehr.

Sie fotografierte die Euroscheine und schickte das Foto ihrem Mann Sarmad Ilias (37). „Warte, bis ich zu Hause bin“, schrieb er von der Arbeit zurück. Nachts konnten sie nicht schlafen, sie überlegten, was zu tun sei, was sie mit dem Geld machen sollten und wem es wohl gehöre. Und einmal blitzte die Idee auf, es Nasrins Mutter zu schicken, die in bitterer Armut im Irak lebt – jenem Land, aus dem die beiden Kurden selbst 2007 vor Terror und Krieg nach Deutschland geflüchtet waren.

In Second-Hand-Shop gekauft

Dann aber, es war mittlerweile drei Uhr in der Nacht und sie lagen noch immer wach im Bett, entschieden sie, das Geld zur Polizei zu bringen: „Wir haben ein Auto, eine Wohnung, einen Fernseher und Arbeit. Gott sei Dank. Das ist nicht unser Geld. Wir werden unglücklich, würden wir es behalten.“

Nasrin Mostafa und Sarmad Ilias brachten ihren Fund zur Wache und baten die Beamten, das Geld in Verwahrung zu nehmen und zu versuchen, den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen. Danach hätten sie sich regelrecht erleichtert gefühlt, berichtet Nasrin Mostafa: „Mein Herz schlug wieder normal.“

Für sechs Euro gekauft

Erstanden hatte sie die Box mit dem Nähmaterial für sechs Euro in Webers Fundgrube, einem Second-Hand-Shop in Wehringhausen. Denn die Irakerin ist eine passionierte Näherin, und das prall mit Scheren, Nadeln, Garn und Stoffen gefüllte Kästchen kam ihr gerade recht. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sich darin ein mittlerer dreistelliger Geldbetrag befand.

Wie ihr Mann arbeitet Nasrin Mostafa für den türkisch geprägten Bildungsverein Prisma, der u.a. Integrationskurse anbietet und wo beide dank ihrer ausgezeichneten Sprachkenntnisse als Dolmetscher tätig sind. Sie haben, was sie zum Leben brauchen, dennoch sind sie natürlich nicht wohlhabend: „Aber keine Religion der Welt erlaubt es, Geld zu behalten, das einem nicht gehört.“

Rechtmäßig erworben

Die Polizei wird nun versuchen, den Besitzer des Geldes zu ermitteln. Gelingt das nicht, wird es an Nasrin Mostafa zurückgegeben. „Sie wäre dann die Besitzerin, da sie das Nähkästchen rechtmäßig erworben hat“, sagt der Hagener Rechtsanwalt Jürgen Klenk.

Aber daran will die Finderin lieber gar keinen Gedanken verschwenden. Sie ist froh, ihre Ruhe wiedergefunden zu haben.

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