Nena-Konzert

Nena auf Zeitreise in Hagen - "Oldschool" in ihrer alten Schule

Die Fans kamen Nena beim Clubkonzert in der Pelmke ganz nah.

Die Fans kamen Nena beim Clubkonzert in der Pelmke ganz nah.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen-Wehringhausen.   Ausgerechnet „Oldschool“ hat Nena ihr neues Album betitelt. Denn beim zweieinhalbstündigen Clubkonzert in der Pelmke da fielen Song und Bühne, Vergangenheit und Gegenwart zusammen.

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Hier, in ihrer ehemaligen Grundschule, kokettierte die inzwischen 54 Jahre alte und so energiegeladen wie einst daherkommende Nena mit einem Anflug von Sentimentalität: „Das ist ein sehr spezieller Abend für mich. Hier bin ich zur Schule gegangen, und jetzt mache ich diese Show. Das ist total krass.“

Auf ihre Facebook-Seite hatte sie am Morgen noch ein Schulmädchen-Foto von sich mit Kreidetafel gestellt. Tatsächlich befand sich Nenas Klassenraum direkt neben dem Pelmke-Saal, in dem sie vor 200 begeistert mitgehenden Fans ihr Leben musikalisch zusammenfasste. „Mein erstes Album ist seit 34 Jahren draußen, es ist so alt, man kann’s nicht einmal mehr im Laden kaufen“, sang sie im Titeltrack.

Knackige Elektro-Beats in der Pelmke

Der Rückblick auf mehr als drei Jahrzehnte im Popgeschäft ist das Grundthema von Nenas Oldschool-Songs. „Heute Computer, damals analoge Handarbeit“, heißt es in einem der Lieder. Will sagen: Nena sieht sich als Künstlerin alter Schule, die nicht stehen geblieben ist, sondern sich der Zeit angepasst hat. Sie hat das Album in Zusammenarbeit mit dem Berliner Rapper Samy Deluxe produziert, es sind härtere, knackigere Elektro-Beats als früher, zu denen sie die Pelmke rockt.

Und sie klingen live deutlich mitreißender als digital, was natürlich auch damit zu tun hat, dass Nena eine Vollblutmusikerin ist. Die intime Club-Atmosphäre, der distanzlose Kontakt zu den Fans heizen die Stimmung auf beiden Seiten an. Keine Bodyguards, keine Sperrgitter, kein Graben – mehrmals unterbricht Nena ihre Songs und lässt das Publikum singen: „Ich freue mich so, dass ihr da seid“, ruft sie.

Ein Leben ohne Nena für Fans unvorstellbar

Das Publikum – nun ja, junge Leute findet man nicht an diesem Abend in der Pelmke. Die Zuschauer sind durchweg 40 bis 50 Jahre alt – oder darüber hinaus. Viele tragen die legendären Streifenhosen der 80er Jahre, etwa Heike Högy (47), ein Nena-Hardcore-Fan: „Ich finde sie einfach geil, ein Leben ohne Nena kann ich mir nicht vorstellen.“ 110 Nena-Buttons und 30 Platten hatte sie schon 1984 gesammelt, nachdem sie ihr Idol im ARD-Musikladen einst zum ersten Mal gesehen hatte.

Die Sendung gibt es nicht mehr, aber Nena, das einstige Aushängeschild der Neuen Deutschen Welle, ist immer noch da. Aus der wilden Szene in Wehringhausen, die einst aufbrach, die Musikwelt zu verändern und dann tatsächlich Musikgeschichte schrieb, ragt sie als nahezu einzige hinein in das Hier und Jetzt. Ihr erstes Live-Konzert habe sie im Hasper Jugendheim gegeben: „Ich stand mit meinem Vater hinter der Bühne und wollte nicht hochgehen. Da hat er zuerst meinen Puls gefühlt und mir dann einen Tritt in den A... gegeben.“ Als sie dann erstmals einem Publikum gegenüber gestanden habe, habe sie sofort gewusst: „Das ist es, was ich machen will.“

Es waren diese Reminiszenzen an eine untergegangene Ära, mit denen Nena sich selbst und ihre Fans zwischen den Songs immer mal wieder daran erinnerte, dass sie ein Stück deutsche Popkultur geworden ist. Bei den alten Hits wie „Nur geträumt“, „99 Luftballons“, „Wunder gescheh’n“ oder „Leuchtturm“ ging es oldschool-mäßig ab in der Pelmke. Dazwischen reflektierten Lieder wie „Bruder“, das von ihrem verstorbenen Sohn Christopher handelt, Nenas Umgang mit der Zeit. Sie habe ihr Schicksal irgendwann in die Hände genommen, sang sie in „Lieder von früher“ und fragte, ob es das alles wert gewesen sei.

Und gab selbst die Antwort: „Ja, das war’s.“

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