A 45 Baustelle

Neue Lennetal-Autobahnbrücke in Hagen wächst weiter

Projektleiter Michael Neumann vor der Lennetalbrücke. Rechts ist die fertige Fahrbahn Richtung Frankfurt zu sehen, links der schon gebaute Teil Richtung Dortmund.

Projektleiter Michael Neumann vor der Lennetalbrücke. Rechts ist die fertige Fahrbahn Richtung Frankfurt zu sehen, links der schon gebaute Teil Richtung Dortmund.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   An der Lennetalbrücken-Baustelle in Hagen wird mit Hochdruck an der Fahrbahn Richtung Dortmund gearbeitet. Sie soll mindestens 80 Jahre halten.

Die alte Lennetalbrücke gibt es nicht mehr. Das 990 Meter lange Bauwerk, das 50 Jahre lang unzählige Autos auf dem Weg vom Ruhrgebiet ins Sauerland (und umgekehrt) überquerten, wurde vollständig abgerissen.

Übrig geblieben sind – unsichtbar – Reste der Flachfundamente aus Beton, auf denen die alten Pfeiler ruhten und die bis zu fünf Meter tief auf ewig im Erdreich schlummern werden. „Sie wurden bis zu zwei Meter Tiefe abgetragen“, sagt Projektleiter Michael Neumann vom Landesbetrieb Straßen NRW: „Es wäre unwirtschaftlich und nahezu unmöglich, sie vollständig zu entfernen.“

Bau der Lennetal-Autobrücke auf der A 45 schreitet in Hagen fort

Die alte Brücke mag fort sein, die neue wächst derweil mit Macht heran. Im Gegensatz zum Vorgängerbau wird sie aus zwei Teilen bestehen. Die nach Frankfurt führende Hälfte ruht bereits auf Behelfspfeilern und nimmt seit März 2017 den gesamten Verkehr auf (zwei Fahrspuren in jede Richtung plus Rettungsgasse in der Mitte).

Inzwischen hat auch der Überbau in Fahrtrichtung Dortmund begonnen, rund 350 Meter des geschlossenen Stahlhohlkastens, auf dem später die massive Fahrbahnplatte aus Stahlbeton liegen wird, ragen bereits aus dem Widerlager am Schwerter Ende hervor. Bald wird die Brücke auch vom Hagener Ende aus nach vorn geschoben, beide Stränge sollen schließlich zielgenau auf einen schon errichteten Mittelbau treffen und die Straßenhälfte voll­enden.

Bei Hitze fast ein Meter Ausdehnung

Ist das geschehen, ist der Brückenbau natürlich noch nicht abgeschlossen, beide Fahrbahnen liegen dann ja noch geschätzte 20 Meter voneinander entfernt. An nur einem einzigen Tag, der noch exakt terminiert werden muss, soll die nach Frankfurt führende Hälfte dann von den Behelfspfeilern auf die neuen Pfeiler hinübergeschoben werden. „Dazu werden ca. 30 000 Tonnen Stahl auf einmal bewegt“, blickt Neumann diesem Tag gespannt entgegen.

Der Bau der Lennetalbrücke bedeutet hohe Ingenieurskunst. Das betrifft nicht nur die Dimensionen des 125 Millionen Euro teuren Projekts, bei dem alles größer, schwerer und monumentaler ausfällt als auf herkömmlichen Baustellen. Eine fast ein Kilometer lange Brücke ist in Deutschland mit dieser Technik noch nie gebaut worden. So müssen die Statiker sich mit

der Tatsache auseinandersetzen, dass das Baumaterial auf die Witterung reagiert. Bei den derzeit herrschenden Temperaturen dehnt sich die Brücke um fast einen Meter aus.

„Die Fahrbahnübergänge aus Stahl können diese Bewegungen ausgleichen“, berichtet Neumann. Selbst die Schutzplanken besitzen Dehnelemente, die sie vor dem Verbiegen oder Zerreißen bewahren sollen. „Sie wurden eigens für den Bau dieser Brücke entwickelt“, so der Projektleiter.

Auch beim Querverschub der kolossalen Bauteile müssen besondere statische Herausforderungen berücksichtigt werden. Der Brückenüberbau darf beim Querververschub auf keinen Fall verkanten. „Eine Brücke dieser

Größenordnung bringt extreme Anforderungen mit sich“, sagt Neumann. Der Bau werde deshalb ständig vermessungstechnisch überwacht.

Lennetal-Autobahnbrücke soll Ende 2019 fertig sein

Ende 2019 soll die Brücke mit dann drei Spuren in jeder Richtung eröffnet werden. Selbst wenn der Verkehr auf der A 45 weiter zunimmt, besitzt sie eine errechnete Lebensdauer von 80 Jahren. Wer weiß, mit welcher Technik die Ingenieure der Zukunft dann an den Bau einer dritten Lennetalbrücke gehen.

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