Gewerkschaft

Neuer DGB-Chef in Hagen stand selbst kurz vor Hartz IV

Stefan Marx ist in Hagen neuer Geschäftsführer der DGB -Region Ruhr-Mark.

Stefan Marx ist in Hagen neuer Geschäftsführer der DGB -Region Ruhr-Mark.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Stefan Marx ist neuer DGB-Geschäftsführer in Hagen. Er war selbst schon arbeitslos, stand kurz vor dem Hartz-IV-Bezug.

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Wenn es um das Thema Arbeitslosigkeit geht, dann ist das für Stefan Marx nicht nur Theorie. Dann kann der neue Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DBG) für die Region Mark-Ruhr aus eigener Erfahrung sprechen. Denn der 49-Jährige war selbst arbeitslos. Elf Monate, als in Oberhausen sein langjähriger Arbeitgeber Babcock dicht gemacht hatte und dem gelernten Industriekaufmann auch die Position als Betriebsrat nichts half. „Das war eine äußerst unangenehme Situation mit zwei Kindern “, erinnert sich Stefan Marx. „Ich stand kurz davor, in Hartz IV abzurutschen.“

Es war schließlich ein neuer Job als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall, zuständig für Jugend und Handwerk, der ihn davor bewahrte und der ihm auch den weiteren beruflichen Weg in der Gewerkschaftsszene ebnete. Er wechselte als Organisationssekretär zum DGB nach Paderborn und von dort nun nach neuneinhalb Jahren als neuer Geschäftsführer nach Hagen, zuständig für die Region Mark-Ruhr und die Belange von acht Einzelgewerkschaften unter dem DGB-Bach.

Proteste gegen AfD

Er tritt damit die Nachfolge des im Mai nach kurzer schwerer Krankheit verstorbenen Jochen Marquardt an. „Ich weiß, ich bin weniger streitbar als er“, schätzt sich Stefan Marx selbst ein. Marquardt hatte aus seiner dezidiert linken Einstellung nie einen Hehl gemacht, seine Positionen auch sehr deutlich vertreten.

Der neue DGB-Geschäftsführer ist aber auch ein politischer Mensch: Stefan Marx ist seit über 25 Jahren SPD-Mitglied, hat sich in seiner Heimatstadt Oberhausen kommunpolitisch engagiert. In Paderborn war er zuletzt als DGB-Sekretär auch öffentlich sehr pointiert in Erscheinung getreten, weil er zu Protesten gegen die Alternative für Deutschland (AfD) aufgerufen hatte.

Generell ist er aber nicht der Mensch, der polarisieren will: „Ich arbeite gerne in Bündnissen und Allianzen. Ob mit Kirchen, Parteien, Bürgerinitiativen oder auch Organisationen wie Attac. Ich bin dafür, Kompromisse auszuhandeln“, sagt Stefan Marx. Seine eigene SPD-Mitgliedschaft spiele daher auch zunächst einmal beruflich keine Rolle.

Was nicht heißt, dass er sich nicht in politische Diskussionen in Hagen einmischen will: „Wenn es um Mobilität geht, wenn es um die Ausweisung von neuen Gewerbeflächen geht, dann geht es um die Belange unserer Mitglieder“, sagt Marx. „Für sie ist es wichtig, wie schnell sie ihre Kinder zur Kita bringen und dann zu Arbeit fahren können.“ Und deshalb will er sich einbringen in eine Diskussionen um einen Masterplan für Hagen, der – so ist sein Eindruck nach wenigen Wochen – bislang fehlt. „Wenn es um eine engagierte Standortpolitik geht, bin ich dabei.“

Zu Hagen hat Marx, der in Oberhausen geboren und aufgewachsen ist, bislang dagegen überhaupt keine Beziehung, weder beruflich noch privat: „Na klar, wir haben damals schon registriert, dass Nena aus Hagen kommt. Aber mehr war da nicht.“ Doch schon bald will der 49-Jährige, der in zweiter Ehe verheiratet ist und insgesamt vier Kinder hat, zumindest eine Wohnung für unter der Woche in Hagen mieten.

RWO-Fan und Rollenspieler

Privater Lebensmittelpunkt bleibt aber Oberhausen. Und so ist er auch weiter nicht Fan von Schalke oder Dortmund, sondern „natürlich nur von Rot-Weiß Oberhausen“, sagt er augenzwinkernd. „Ich muss ja keinen anderen Bundesliga-Verein unterstützen, weil wir bald aufsteigen werden.“ Und was auch bleibt, ist sein Hobby: Stefan Marx ist oft mittelalterlicher Rollenspieler. „Da ist man mal ganz raus, dann kann man total abschalten.“

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