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Noch noch jeder zweite ICE nach Berlin soll in Hagen halten

Der Hauptbahnhof Hagen: Der ICE auf der Strecke Köln-Berlin wird hier nach dem Jahr 2020 wohl nur noch halb so oft halten wie heute.

Foto: Michael Kleinrensing

Der Hauptbahnhof Hagen: Der ICE auf der Strecke Köln-Berlin wird hier nach dem Jahr 2020 wohl nur noch halb so oft halten wie heute. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Bahn plant nach WP-Recherchen eine neue ICE-Sprinter-Strecke Köln-Berlin. Zu Lasten von Hagen: Hier würde nur noch die Häfte der ICE halten.

Die Deutsche Bahn plant eine neue Sprinter-Linie von ICE-Zügen von Köln nach Berlin. Der Bahnhof in Hagen wird dabei wohl der Leidtragende sein, denn hier wird der ICE auf dieser Strecke dann wohl nur noch alle zwei Stunden statt – wie heute – stündlich halten. Umgesetzt wird das Ganze wohl frühestens ab dem Jahr 2021. Die Bahn will die Pläne auf Anfrage der WESTFALENPOST zwar noch nicht bestätigen. Sie dementiert sie aber auch ganz ausdrücklich nicht.

Die Zugtrennung/-zusammenführung – oder wie der Fachmann sagt: Flügelung – in Hamm ist bislang fester Bestandteil einer Reise von oder nach Berlin: Ein Teil des ICE aus der Hauptstadt fährt über die Ruhrschiene (Dortmund-Essen-Düsseldorf), der andere über die Wupper-Schiene (Hagen, Wuppertal). Für den Hagener Hauptbahnhof bedeutet dies, dass zumindest tagsüber stündlich ein ICE dieser deutschlandweit wichtigen Verbindung in der Volmestadt hält.

Sprinter-Strecken boomen

Doch damit könnte ab 2021 Schluss sein: Wenn die Sprinterstrecke Köln-Berlin tatsächlich Wirklichkeit wird, dann gibt es darauf nur noch einen Halt – und zwar in Hannover. Die Sprinterstrecke wird zwar nach den bisherigen Überlegungen wohl zusätzlich zu den schon jetzt bestehenden ICE-Verbindungen angeboten, doch Hagen profitiert davon nicht. Denn in Hamm soll nur noch jeder zweite ICE getrennt werden.

Das heißt: Nur noch alle zwei Stunden hielte er dann auch in Hagen, in der anderen Stunde würde er in voller Länge über die Ruhr-Schiene fahren. Damit soll auf der Wupper-Strecke Platz für den ICE-Sprinter geschaffen werden, der dann zwar durch Hagen fährt – ohne Halt.

Ein Bahn-Sprecher will die Pläne nicht im Detail kommentieren: „Sämtliche Ideen und Konzepte werden aktuell entwickelt und auf ihre Umsetzung geprüft.“ Zudem sei man noch in Abstimmung mit den Landesverkehrsministerien und den für den Regionalverkehr zuständigen Aufgabenträgern. Klar gemacht wird aber auch: „Die Achse NRW-Hannover-Berlin hat für die Bahn einen sehr hohen Stellenwert.“ Daher sollten auch perspektivisch vier ICE-Verbindungen innerhalb von zwei Stunden angeboten werden, bislang sind es nur zwei. Der Fernverkehr boome, und gerade die schnellen Verbindungen zwischen den Metropolen seien sehr beliebt, wie der Erfolg der neuen ICE-Sprinter-Strecke Berlin-München zeige.

Kritik: Enge Taktung wichtig

Ob Hagen am Ende wirklich in Sachen Fernverkehrsverbindungen schlechter da stehe, sei auch nicht ausgemacht, so der Bahnsprecher: Die Überlegungen für die Strecke Köln-Berlin seien ja nur ein Element einer großen Offensive der Bahn auf den Langstrecken: „Wir wollen den Fernverkehr generell ausbauen. Und die Stadt Hagen ist für uns ein wichtiger Fernverkehrshalt und in unserer langfristigen Fahrplankonzeption fest verankert.“

Rainer Preuß hat erst durch die WESTFALENPOST-Recherchen von den Überlegungen der Bahn erfahren. Der Grünen-Ratsherr nutzt den ICE beruflich sowohl in Richtung Köln als auch in Richtung Berlin regelmäßig. Er zeigte sich in einer ersten Reaktion entsetzt: „Die Attraktivität der Bahn entsteht vor allem durch die Taktung. Für Pendler und auch Geschäftsreisende ist es sehr wichtig, wenn es um die Frage geht, ob man die Bahn nutzt.“ Wenn ein Termin länger dauere, mache es einen Unterschied, ob man ein oder zwei Stunden länger auf den nächsten Zug warte. „Hagen ist doch ein wichtiger Haltepunkt. Hier wohnen viele Menschen. Der Hauptbahnhof Hagen ist auch für die Menschen in Wetter, Herdecke, dem Sauerland und dem Märkischen Kreis sehr wichtig.“ Er bezweifelt, dass der Zeiteffekt durch eine Sprinter-Verbindung so viel ausmache: „Nach Berlin dauert es schon jetzt nur 3 Stunden und 20 Minuten. Das ist unschlagbar im Vergleich zum Auto.“

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