Kommentar

Nuhsan C. – Kriminalität als bloßes Marketing-Mittel

Michael Koch, Redaktionsleiter.

Michael Koch, Redaktionsleiter.

Foto: Michael Kleinrensing

Rapper Nuhsan C. aus Hagen geht weit über das erträgliche Maß an Provoaktion hinaus. Er wird dem deutschen Rechtsstaat aber noch nachtrauern.

Bestimmte Musik zu hören kann Protest sein. Grenzüberschreitungen gehören dazu, insbesondere bei Jugendlichen, um sich gegen die älteren Generationen abzugrenzen. In meiner Jugend war man stolz, wenn man sich irgendwo die auf dem Index stehende Platte „Ab 18“ der Band „Die Ärzte“ besorgt hatte. Heute sind diese eine Mainstream-Band, damals sangen sie Lieder über verbotene Sexualpraktiken.

Die Provokation gehört also dazu. Das heute Rap zum vorherrschenden Musikstil bei den Jugendlichen geworden ist und derbe, politisch inkorrekte Texte deren Markenkern sind, ist kaum verwunderlich. Auch diese Generation benötigt Abgrenzung. Und dennoch ist es nicht nur eine Frage meines Alters (44 Jahre), die mich sagen lässt: Was Nuhsan C. (alias Jigzaw), macht, geht weit über das erträgliche Maß hinaus. Hier wird die kriminelle Vergangenheit, die Flucht vor den Behörden, das Verhöhnen des Rechtsstaates bewusst als Marketing-Mittel eingesetzt.

Auch wenn die Messerattacke vom Wilhelmsplatz nun ab kommenden Mittwoch in dem Berufungsprozess erneut verhandelt wird, darf man schon heute festhalten: Wegen einer brutalen Körperverletzung hat Nuhsan C. bereits eine längere Jugendstrafe abgesessen. Reue ist nicht zu verspüren. Die, die ihm jetzt zujubeln, scheinen das völlig auszublenden.

Doch obwohl Nuhsan C. den Rechtsstaat verhöhnt: Das Landgericht Hagen handelt völlig richtig. Man ist nicht blauäugig und ahnt, dass auch

die Gerichtsverhandlung von Nuhsan C. und seinem Umfeld zur großen Marketingaktion missbraucht werden kann. Das Gericht wird sich nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Stattdessen sorgt es mit dem Sonder-Gerichtssaal und den Auflagen für Besucher auch dafür, dass Nuhsan C. einen fairen Prozess bekommt, bei dem die Paragrafen im Vordergrund stehen. Das tut der Staat für Nuhsan C., den dieser so verhöhnt. Er wird ihm vielleicht noch nachtrauern, wenn er – egal wie das Urteil ausgeht – früher oder später in die Türkei abgeschoben wird. Da wird der großmäulige Gangster-Rapper kleinlaut werden. Michael Koch

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