Verfall

Nur Investoren können das Brandt-Gelände in Hagen retten

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Hagen. Vor sieben Jahren spuckten die Öfen in Hagen-Haspe den letzten Brandt-Zwieback aus. Seitdem liegt das gewaltige Betriebsgelände brach - und verkommt. Das heruntergekommene Gelände im Hagener Westen lässt sich nur mühsam weitervermarkten.

Entrümpelungsmüll türmt sich an der Laderampe entlang der Südstraße, die Graffiti-Schmierereien an den denkmalgeschützten Fassaden und stadtbildprägenden Brücken über die B 7 erinnern eher an besetzte Häuser im Hamburger Hafenviertel. Zehn Jahre nach der Schließungsentscheidung fürchtet die Politik, dass nur durch Abriss die heruntergekommene Brandt-Brache eine Zukunft habe. Doch Investor Heinz Windhäuser gibt sich gerade in diesen Tagen wieder optimistischer, eine Einzelhandelslösung zu finden.

Weber: Nur Abriss macht Gelände attraktiv

Ein einladendes Entree einer Stadt sieht anders aus. Wer aus Richtung Westen nach Haspe hereinkommt, zieht im Schatten der Brandt-Silhouette lieber den Nacken ein. Eingeschlagene Fensterscheiben, rostige Sperrgitter und vergessenes Granulat auf den Bürgersteigen aus den langen Wintertagen wecken Fluchtinstinkte. „Dass in dieser Kulisse kein Investor Lust verspürt, sich anzusiedeln, kann ich verstehen”, wettert der Hasper SPD-Ratsherr Jochen Weber und fordert, die Industriebrache endlich dem Erdboden gleich zu machen.

Gut zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Inhaber Carl-Jürgen Brandt bekannt gab, den Zwieback-Produktionsstandort an der Enneper Straße aufgeben zu wollen. Während die Belegschaft zunächst noch spekulierte, der Fabrikant würde auf ein Alternativgelände in der Hagener Peripherie ausweichen, wurde diese Hoffnung im Januar 2000 zerstört. Eine konkurrenzlos attraktive Subventionskulissse im thüringischen Ohrdruf ließ Carl-Jürgen Brandt sämtliche Hagener Grundstücksofferten ablehnen. Am 18. April 2000 unterschrieb er den Kaufvertrag für das neue Betriebsgelände, gut 500 Beschäftigte verloren bis zum 5. Dezember 2003, als die Öfen den letzten Hasper Zwieback ausspuckten, ihren Job.

Vor zehn Jahren wurde Schließung des Werkes bekannt

Seitdem ist das gewaltige Betriebsgelände entlang der Enneper Straße in einen Dornröschenschlaf gefallen. Trotz eines patrouillierenden Wachdienstes haben die Zerstörungen von ungebetenen Besuchern reichlich Spuren hinterlassen, die Natur erobert die Fugen in den Bauwerken und Straßenpflasterungen. „Wer sich hier ansiedeln soll, braucht freie Sicht auf die Flächen”, erinnert Weber daran, dass auch erst mit dem Abriss der Hasper Hütte neue Investoren auf die geräumten Brachflächen ansprangen. Gleichzeitig plädiert der Hasper SPD-Politiker dafür, dass der Rat sich noch einmal dafür einsetzt, die eher hinderlichen Denkmalschutzauflagen bei der Landesregierung in Düsseldorf zu hinterfragen oder gar zu kippen. „Dort wurde uns seinerzeit Hilfe durch den Regierungspräsidenten zugesagt - passiert ist bis heute rein gar nichts.”

Sämtliche Vermarktungsversuche floppten: Die ehrgeizige Idee eines Outlet-Centers wurde nicht nur von den Nachbarkommunen, dem Hagener Einzelhandel und der Kammer-Lobby torpediert, sondern vor allem vom Wirtschaftsministerium ausgebremst. Ebenso scheiterte der mit heißer Nadel gestrickte Versuch, in Haspe einen Gesundheitscampus anzusiedeln - die Stadt hatte die Bewerbungsfrist beinah verschlafen . . .

Projektentwickler setzt auf Einzelhandel

Doch Heinz Windhäuser, Geschäftsführer des baden-württembergischen Projektentwicklers Freiherr von Maydell, ringt weiterhin um Interessenten. Dabei hält er einen Abriss für zweitrangig: „Wer in der Branche unterwegs ist, kann sich das Areal auch so vorstellen. Unsere vordringliche Aufgabe ist es, für eine wirtschaftliche Nutzung das entsprechende Baurecht zu schaffen”, möchte er die erforderlichen 1,5 Millionen Euro, die beispielsweise allein für den Abriss des einstigen Kekswerkes erforderlich wären, momentan nicht in die Hand nehmen. Aktuell entwickelt er ein Konzept für einen Einzelhandelsanbieter, der sich zumindest für Teilflächen des Geländes interessiert. „Da sind wir intensiv dran”, kündigt Windhäuser an, die Vorstellungen des Investors schon bald mit der Stadt abstimmen zu wollen.

Wieder mal ein Hoffnungsschimmer, der den düsteren Eindruck der heruntergekommenen Industriebrache jedoch erst in fernerer Zukunft wird verdrängen können.

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