Kultur

Oper „Everest“ lässt Hagener Theaterbesucher frösteln

Erwarten die Premiere der Oper „Everest“ mit Spannung (von links): Regisseur Johannes Erath, Dramaturgin Corinna Jarosch und Generalmusikdirektor Joseph Trafton. Foto:Yvonne HINZ

Erwarten die Premiere der Oper „Everest“ mit Spannung (von links): Regisseur Johannes Erath, Dramaturgin Corinna Jarosch und Generalmusikdirektor Joseph Trafton. Foto:Yvonne HINZ

Hagen.   Die europäische Erstaufführung „Everest“ feiert am Samstag, 5. Mai, im Hagener Theater Premiere. Die moderne Oper wird siebenmal aufgeführt.

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Die Fantasie kann Berge versetzen. Oder Menschen das Gefühl geben, sich hoch oben auf einem Berg zu befinden. „Ich bringe kein Doku-Drama auf die Bühne, sondern ein sinnliches Werk mit suggestiver Kraft“, sagt Johannes Erath. Der Regisseur spielt auf „Everest“ an; die europäische Erstaufführung, die am Samstag, 5. Mai, im Hagener Theater Premiere feiert, wurde von ihm inszeniert.

2015 in Dallas uraufgeführt

Die Oper, die auf realen Ereignissen basiert und von dem Engländer Joby Talbot komponiert wurde, hatte ihre Uraufführung 2015 in Dallas. Und wurde von Publikum und Kritikern gefeiert. Für Hagen entdeckt hat die moderne Oper Generalmusikdirektor (GMD) Joseph Trafton. Das 75-minütige Werk (ohne Pause) wird in englischer Sprache mit deutschen Übertexten gesungen.

„Everest“ entführt die Theaterbesucher mit subtilen Bildern, Videoeinspielungen und Musik, die den Pulsschlag regelrecht vorgibt, auf den mit 8848 Meter höchsten Berg der Erde.

„Die Weite des Himalaya können und wollen wir nicht darstellen, uns geht es vielmehr darum, die inneren Zustände der Bergführer und ihrer Kunden zu zeigen“, unterstreicht Dramaturgin Corinna Jarosch.

Entsetzlicher Schneesturm

1996 ereignete sich tatsächlich das Drama auf dem Mount Everest, das in der Oper verarbeitet wird. Expeditionen, die damals auf dem Weg zum Gipfel waren, gerieten in einen entsetzlichen Schneesturm; viele starben in der eisigen Kälte.

Dennoch – der Berg übt auch heute noch eine große Faszination auf Menschen aus. Was zeigt: Der Mensch will den Berg bezwingen und sich selbst überhöhen, es geht um den besonderen Kick auf einem Gipfel, aber auch um Weltflucht, um realen Problemen zu entkommen.

Die Geschichte erzählt von dem Bergführer Rob Hall und seinen reichen Kunden Doug Hansen und Beck Weathers. Beck Weathers ist schwer verletzt, fällt auf dem Mount Everest ins Delirium und droht zu erfrieren. Doch er wird – im Gegensatz zu den anderen beiden Männern - gerettet.

Gefährliches Luxus-Hobby

Weathers hatte seinem Bergführer Hall damals die Wahnsinns-Summe von 65 000 Dollar dafür bezahlt, dass dieser ihn auf den Mount Everest führt. Die Absurdität der Expedition wird deutlich, und die Entwicklung, dass Extrem-Bergsteigen immer mehr zu einem oberflächlichen Luxus-Hobby wird.

Anders als erwartet, ist Weathers schließlich der einzige Überlebende des Horror-Trips. Und die Todesnähe führt ihn dazu, eine Kehrtwende in sein Leben zu bringen und sich mit seiner Familie auszusöhnen. Die Katastrophe hat ihn geheilt.

Halluzinationen der Bergführer

„Auf der Bühne stellen wir keine Bergszenen nach, sondern versuchen, die Halluzinationen der Bergsteiger sichtbar zu machen“, erläutert Dramaturgin Jarosch.

Atmosphärische Dichte bringt die Musik. „Insgesamt sieben Schlagzeuge kommen zum Einsatz, außerdem viele Trommeln und weitere Schlaginstrumente. Und eine Windmaschine“, macht GMD ­Joseph Trafton neugierig. Die Schlagzeuge werden im Orchestergraben, aber auch hinter den Logen – also ganz nah an den Zuschauern – platziert.

„Wir schaffen Surround-Flair. Die Musik lässt es einem kalt den ­Rücken runterlaufen“, verspricht Trafton. Doch nicht nur düstere Bergklänge und bedrohlicher Echoschall bestimmen die Szenerie, auch intime, harmonische Melodien finden in der Oper ihren Platz.

>>>HINTERGRUND

  • „Everest“ feiert am Samstag, 5. Mai, um 19.30 Uhr auf der Hauptbühne Premiere. Der britische Komponist Joby Talbot ist bei der Premiere anwesend. Im Vorfeld (ab 18.30 Uhr) ist Talbot bei einer Einführungsveranstaltung im Theatercafé anwesend und steht Rede und Antwort. Dramaturgin Corinna Jarosch übersetzt das Gespräch. Der Eintritt ist frei.
  • Auf der Hagener Theaterbühne wird der Bergsteiger Beck ­Weathers von dem amerikanischen Bass-Bariton Morgan Moody verkörpert.

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