Schäden

Orkan-Bilanz – „Burglind“ peitscht mit 122 km/h durch Hagen

Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Löschgruppe Tücking: Die Einsatzkräfte müssen einen umgestürzten Baum auf der Straße „Auf der Halle“ zersägen.

Foto: KLEINRENSING, Michael

Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Löschgruppe Tücking: Die Einsatzkräfte müssen einen umgestürzten Baum auf der Straße „Auf der Halle“ zersägen. Foto: KLEINRENSING, Michael

Hagen.   Wieviele Einsätze wurden gefahren? Wo entstand Schaden? Die Bilanz eines Tages, der mit einem heftigen Orkan über Hagen begann.

Nein, an „Kyrill“ kam „Burglind“ gestern Morgen nicht heran. Sowohl in Sachen Windgeschwindigkeit als auch beim Schadensausmaß lässt der Orkan vom 18. auf den 19. Januar 2007 „Burglind“ wie ein Orkänchen aussehen. Und dennoch peitschte mit dem Sturmtief gestern ein Unwetter über Hagen hinweg, das mit Bäumen Mikado spielte, Flüsse ansteigen ließ und Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometer erreichte. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Die Schäden

Am härtesten traf es Hohenlimburg. Besonders das Nahmertal. Zwischen dem Pumpenhäuschen am Koenig­see und dem ehemaligen Einlauf zum See rutschte der Hang ab. Ein Dutzend Bäume kippte um und blockierte die Straße. Der Verkehr kam zum Erliegen. Dramatisch wurde es in der Hasselbach. Wie so häufig nach Sturzregenfällen, lief der alte Löschteich am Alten Henkhauser Weg über, so dass die Wassermassen die dortige Kindertagesstätte zwischenzeitlich zu fluten drohten. Doch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte und auch der ab 8 Uhr nachlassende Regen sorgten dann für Entspannung.

Um kurz nach 6 Uhr liefen am Berchumer Dorfplatz die Keller voll. Die Freiwillige Feuerwehr sicherte mit Sandsäcken das Hab und Gut der Anwohner. An der Berliner Allee stürzte ein Baum auf die Fahrbahn. Zahlreiche Bäume kippten auch im Hagener Süden um. So wie in Dahl und Priorei. Straßen wurden teilweise stark überschwemmt. Die Villigster Straße war stark davon betroffen.

Auf der A1 in Fahrtrichtung Köln, kurz vor der Anschlussstelle Hagen-West, erfasste eine Windböe die Ladefläche eines Bier-Lasters und riss die Verkleidung ab. Dachziegel fegte „Burglind“ von der Johanniskirche am Markt herunter. Die Berufsfeuerwehr musste zur Sicherung Teile des Vorplatzes sperren. Auch hierbei wurde zum Glück niemand getroffen. 40 Einsätze gab es im ganzen Stadtgebiet. 135 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr waren neben der Berufsfeuerwehr im Einsatz.

Die Flüsse

Etwas zeitversetzt nach den starken Regenschauern, heftigen Blitzen und Winden stiegen die Pegel der vier Flüsse rasant an. Die Volme von 1,80 Metern auf rund 2,30 Meter. Die Ennepe in Haspe stieg von 95 Zentimeter auf 1,45 Meter an. Die Ruhr sogar von rund 3,70 Meter auf 5,11 Meter. Die Lenne stieg von 1,91 Meter auf 2,07 Meter an.

Sturm entwurzelt zahlreiche Bäume

Ein Sturmtief hat in Hagen zahlreiche Bäume entwurzelt. Hier zerlegt die Freiwillige Feuerwehr Tücking einen Baum auf der Straße "Auf der Halle".
Sturm entwurzelt zahlreiche Bäume

Windgeschwindigkeit bis 122 km/h - Hagener Meteorologen ordnen den Orkan stärketechnisch ein.

Die ehrenamtlichen Hagener Meteorologen Thomas Geißler („Wetter für Hagen“) und Bastian Rissling („Wetter-Netz Hagen“) erklären, dass „Burglind“ teilweise mit über 100 Stundenkilometern über Hagen hinwegfegte. „Die Windgeschwindigkeiten erreichten mit bis zu 122 Kilometer pro Stunde Windstärke 12“, sagt Bastian Rissling, „dies ergab eine Auswertung der zehn Messstationen des Wetternetzes Hagen. Der Wind flaute danach vorübergehend ab, bis gegen 8.45 Uhr die nächsten Gewitterböen über Hagen hinweg fegten.

Diesmal erreichte der Wind ,nur’ Spitzen von bis zu 98 Kilometern pro Stunde, was allerdings schwerem Sturm entspricht.“ Hagen habe nicht nur landesweit, sondern auch bundesweit einen der Spitzenplätze belegt, von den Gipfellagen abgesehen. Neben dem Wind sei es bei den Gewittern kurzzeitig zu heftigen Regen- und Graupelschauern gekommen. In den Staulagen der Höhen im Süden von Hagen seien bis gestern Nachmittag knapp 30 Liter pro Quadratmeter gefallen.

Schnelle Luft am Boden

Thomas Geißler erklärt die hohen Windgeschwindigkeiten: „Die Böen und der starke Niederschlag haben die Höhenluft, die schneller als die Bodenluft ist, nach unten transportiert. Dadurch wurden auch im Bodenbereich enorme Geschwindigkeiten erreicht.“ Auch wenn die Wetterdienste den Sturm vorhergesagt hätten, sei es immer wieder bemerkenswert, wie man auch als Meteorologe über derartige Unwetter staune. „Vom Schadensumfang her – und daran bemisst man es ja letztlich – ist dieser Orkan nicht mit Kyrill zu vergleichen. Auch wenn über 100 Stundenkilometer schneller Wind schon extrem viel ist.“

Geißler sieht die Spitze dieses Wetter-Extrems mit dem gestrigen Sturm erreicht: „In den nächsten Tagen wird es vereinzelte Schauer geben. In den Höhenlagen kann der Wind etwas schneller sein, aber so schlimm wie gestern wird es nicht mehr.“

>>>Stromnetz nicht beschädigt

  • Das Stromnetz ist in Hagen nicht durch das Sturmtief beeinträchtigt worden. Zwar gab es vereinzelt Störungen – wie in der Krambergstraße in Kabel, wo ein 400-Volt-Kabel eine Störung hatte –, doch mit „Burglind“ hatte das nichts zu tun. Im Klippchen in Hohenlimburg fiel ein Baum auf eine 400-Volt-Freileitung, doch sie wurde nicht beschädigt. Im Nimmertal kippte ein Baum auf eine Stromstation, auch sie bliebt ohne Schaden.
  • Der Ruhrverband warnt eindringlich vor dem Betreten von Wäldern. Dies betreffe insbesondere auch die Wege an den Talsperren des Ruhrverbands, die von zahlreichen Bäumen gesäumt sind. Es bestehe Lebensgefahr durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste.
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