Ott-Orgel

Ott-Orgel aus Lutherkirche erklingt nun in Nizza

Die Ott-Orgel in der evanglischen Lutherkirche. Nun steht das Instrument in Nizza.

Die Ott-Orgel in der evanglischen Lutherkirche. Nun steht das Instrument in Nizza.

Foto: Kleinrensing

Hagen.   Seit 1968 stand die Ott-Orgel in der Luther-Kirche in Hagen. Nun wurde das Instrument nach Nizza transportiert. Keine leichte Aufgabe. . .

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Als die Katholiken der Kirchengemeinde St. Paul in Nizza am Heiligen Abend ihr Gotteshaus betraten, brausten Klänge auf, die jahrzehntelang zur Christnacht in Hagen zu hören gewesen waren.

Denn die Ott-Orgel aus der Lutherkirche sorgt mittlerweile in der südfranzösischen Hafenstadt für erbauliche Stimmung. Das unter Denkmalschutz stehende Instrument wurde aufwändig demontiert, per Laster 1170 Kilometer gen Süden verfrachtet und an der Cote d´Azur wieder aufgebaut.

„Ich freue mich sehr, dass wir nicht nur für die Lutherkirche, sondern jetzt auch für die Orgel eine so gute Lösung gefunden haben“, sagte Juliane im Schlaa, Pfarrerin der evangelischen Stadtkirchengemeinde.

1968 eingeweiht

Das Instrument des Orgelbauers Paul Ott wurde 1968 in der Lutherkirche eingeweiht und ist vor allem mit dem Namen des Kantors Roland Voit verbunden, der auf der Orgel bis 2010 zahlreiche Matineen und Konzerte spielte.

„Ich bin schon ein wenig enttäuscht, dass sich dieses hervorragende Instrument nicht mehr in Hagen befindet, obwohl ich natürlich einsehe, dass nicht anders gehandelt werden konnte“, sagt der bekannte Kirchenmusiker über den Umzug der Orgel: „Schließlich war ich schon als Kind dabei, als die Orgel aufgebaut wurde.“

Nach der Schließung der Kirche vor sechs Jahren stand die Orgel einer weiteren Nutzung des Gebäudes im Weg.

Einem Verkauf des Instrumentes an eine Gemeinde in Oslo verweigerte das Hagener Denkmalamt die Zustimmung. Doch als sich jetzt die Möglichkeit abzeichnete, die Orgel nach Nizza zu verkaufen, waren auch die Denkmalschützer einverstanden.

Empfindliche Pfeifen

Doch wie entfernt man eine mit 2200 Pfeifen gespickte, passgenau in die Empore eingebaute Orgel aus ihrem angestammten Platz in der Lutherkirche? Vier Mitarbeiter des internationalen Orgel-Fachhändlers An­dreas Ladach aus Wuppertal benötigten eine volle Woche, um das Instrument auseinander zu nehmen und die Teile vorsichtig in einem Sattelauflieger zu stapeln. Denn vor allem die empfindlichen, aus Zinnblei gefertigten und leicht verbiegbaren Pfeifen, darunter ein 5,30 Meter langes Exemplar, das nicht zerlegt werden konnte, mussten wie rohe Eier behandelt werden, um sie nicht zu beschädigen.

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, so Ladach: „Aber dafür harmoniert die Ott-Orgel jetzt genauso mit ihrem neuen Standort wie zuvor mit der Lutherkirche.“

Schließlich wird es dem Instrument herzlich gleichgültig sein, dass es jetzt in einer katholischen Kirche erklingt. Denn während der kompromisslose, neobarocke Baustil von Paul Ott in Deutschland mittlerweile verpönt ist, reißen sich die Franzosen, bei denen dieser Typ nie gebaut wurde, geradezu um solche Orgeln.

Zweite Ott-Orgel in Nizza

In der Kirche St. ­Etienne von Nizza befindet sich bereits eine weitere Ott-Orgel aus dem Kloster Loccum: „Die hat dort eingeschlagen wie eine Bombe“, schildert Ladach den Erfolg seiner Vermittlungsbemühungen. Als sich daher für die St.-Paul-Gemeinde die Möglichkeit auftat, die Orgel aus Hagen zu erwerben, zögerte der Kirchenvorstand nicht lange. So floss immerhin ein niedriger fünfstelliger Betrag in die Schatulle der Hagener Stadtkirchengemeinde.

Und vielleicht wird Kantor Roland Voit ja doch noch einmal in den Genuss kommen, das Instrument zu spielen, wenn ihn die Südfranzosen zu einem Konzert einladen. . .

>> INFORMATIONEN ZUR KIRCHE

Die Lutherkirche wurde 2010 wegen Schimmelbefalls Schimmelbefalls geschlossen. Sie war erst 1962 eingeweiht worden, nachdem der Vorgängerbau im Zweiten Weltkrieg im Bombenhagel der Alliierten untergegangen war. Am 19. Dezember dieses Jahres verkaufte die Stadtkirchengemeinde die Lutherkirche zum symbolischen Preis von einem Euro zum symbolischen Preis von einem Euro an die Stadt Hagen, die in dem Gebäude einen Kindergarten einrichten möchte. Zur Stadtkirchengemeinde Stadtkirchengemeinde gehören noch die Johanniskirche am Markt sowie die Markuskirche am Ischeland.

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