Glaube

Pauluskirche in Hagen ist ein Rückzugsort für die Natur

Elke Schwerdtfeger, Kerstin Zuber, Monika Dittmar und Barbara Thieme.

Foto: Michael Kleinrensing

Elke Schwerdtfeger, Kerstin Zuber, Monika Dittmar und Barbara Thieme. Foto: Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Die evangelische Pauluskirchengemeinde in Wehringhausen interpretiert den christlichen Glauben als Auftrag zum Erhalt der göttlichen Schöpfung.

Der Turm der altehrwürdigen Pauluskirche ist nicht nur ein Zeichen für den christlichen Glauben. Er symbolisiert zugleich, dass großstädtisches Leben und Ökologie durchaus eine Symbiose eingehen können. Am Turm hängt ein Brutkasten für Turmfalken, das benachbarte Gemeindehaus ist mit Nistmöglichkeiten für Spatzen und Fledermäuse bestückt. „Gott hat diese Erde geschaffen und uns anvertraut“, begründet Elke Schwerdtfeger, Pfarrerin der Pauluskirchengemeinde, das Engagement in Sachen Umweltschutz: „Als Christen haben wir uns nicht nur um die Menschen zu kümmern, sondern die gesamte Schöpfung im Auge zu behalten.“

Hingabe trägt Früchte

Die Hingabe an die Natur trägt Früchte. Die Falkeneltern ziehen derzeit mindestens zwei Jungvögel groß, abends flattern Fledermäuse durch die Dämmerung rund um den Turm, und auch die Spatzen, deren Bestand sich in ganz Deutschland auf dem Rückzug befindet, haben die Nistplätze der Kirchengemeinde angenommen. Der Hagener Naturschutzbund hat den ökologischen Tätigkeitsdrang der Gläubigen jetzt mit einer Auszeichnung honoriert, Vorsitzender Frank Munzlinger überreichte Pfarrerin Schwerdtfeger die Plakette „Lebensraum Kirchturm“ und hob hervor, dass die Pauluskirchengemeinde beim Arten- und Naturschutz eine Vorreiterfunktion in Hagen einnehme.

Wurst von „glücklichen Schweinen“

Tatsächlich haben sich alternative Konzepte in der Gemeinde weitgehend durchgesetzt. Der im Gemeindehaus ausgeschenkte Kaffee stammt aus fairem Handel, auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, die beim Gemeindefest ausgegebene Bratwurst stammt von „glücklichen Schweinen“, Alufolie ist grundsätzlich verpönt und der Energieverbrauch wurde durch verschiedene Maßnahmen wirksam reduziert. Um die Pfarrerin hat sich ein Arbeitskreis gebildet, der sich am Umweltmanagement Grüner Hahn orientiert und stets auf der Höhe der Zeit agiert. „Als nächstes wollen wir Bienenstöcke im Garten aufstellen“, berichtet Küsterin Kerstin Zuber.

Prächtiger Garten

Dieser Garten mit seinen prächtigen Blumen und Stauden bildet ein herrliches Refugium im trubeligen Wehringhausen. Auch Elstern haben hier ihren Schlafplatz und sorgen dafür, dass die ungeliebten Stadttauben dem Kirchengelände fernbleiben. Zur Abwehr der Vögel hatte die Gemeinde auch Dachböden und Glockenturm verriegelt, doch damit wurden andere Arten wie Eulen, Kauz, Fledermäuse und Falken ebenfalls ausgesperrt.

Stadttauben bleiben draußen

Umso erfreuter sind Naturschützer, dass Falken, Spatzen und Fledermäuse nun wieder Nistmöglichkeiten haben. „Mit insgesamt 30 Fledermausnisthilfen und den Möglichkeiten für die anderen Arten hat die Pauluskirchengemeinde ein Pilotprojekt in der Stadt umgesetzt“, so Franco Cassese von der Biologischen Station in Hagen. Jetzt könne man auch auf andere Gemeinden zugehen, um die Maßnahmen zu erläutern und den Artenschutz voranzutreiben.

„Wir versuchen Schritt für Schritt, unser Handeln hier vor Ort umweltfreundlicher zu gestalten“, erklärt Pfarrerin Elke Schwerdtfeger: „Und wir wollen unsere Position als Gemeinde in der Stadt nutzen, um zu zeigen, was man auch hier für die Artenvielfalt tun kann.“

Die Stadttauben müssen weiterhin draußen bleiben. Denn die Biologische Station hat eine spezielle Dachgaube angefertigt, durch die die Fledermäuse wunderbar ein- und ausfliegen können. „Die Tauben aber nicht“, so Cassese.

>>Hintergrund: Der grüne Hahn

Das kirchliche Umweltmanagementsystem Der Grüne Hahn soll dazu beitragen, die Beschlüsse der Landessynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers aus dem Jahr 2007 zum Klimawandel und zur CO2-Reduktion einzuhalten.

Auch das Klimaschutzkonzept der Landeskirche empfiehlt Gemeinden, den Grünen Hahn einzuführen. Umweltschutz und Betriebskostensenkung gehen hier Hand in Hand.

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