Seniorenheim

Pflege-Mängel – Aufnahmestopp in Hagener DRK-Heim

Blick von oben: Das DRK-Heim Lange Straße (oberer Bildbereich) liegt neben der Feuerwache Mitte. Aktuell herrscht Aufnahmestopp.

Blick von oben: Das DRK-Heim Lange Straße (oberer Bildbereich) liegt neben der Feuerwache Mitte. Aktuell herrscht Aufnahmestopp.

Foto: Hans Blossey

Wehringhausen.   Das Seniorenheim des DRK an der Lange Straße darf aktuell keine neuen Bewohner aufnehmen. Die Heimaufsicht hat einen Stopp verhängt.

Aufnahmestopp in einem der größten Pflegeheime der Stadt. Weil die Hagener Heimaufsicht im Seniorenheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Lange Straße Mängel in der pflegerischen Dokumentation und Arbeit festgestellt hat, darf die Einrichtung aktuell keine neuen Bewohner aufnehmen. Das DRK sieht die Verantwortung für die Probleme bei der bisherigen Pflegedienstleiterin, mit der man sich vor dem Arbeitsgericht streitet, weil man sie kündigen möchte. Doch von Seiten der Frau, die in den Vormonaten mehrere Überlastungsanzeigen an ihre Vorgesetzten gesendet hat, heißt es, dass das Problem im DRK-Heim an der Lange Straße eher struktureller Natur sei.

Als die bei der Stadt angesiedelte Heimaufsicht als Kontroll-Behörde im Spätsommer das Seniorenheim prüfte, platzte die Pflege-Bombe. Lücken in der Dokumentation, fehlende Pflegevisiten, bei denen die Arbeit des Pflegepersonals von der Führungsebene überprüft wird und leidende Bewohner. Bei einer Person war ein Dekubitus-Fall eingetreten.

Ein Dekubitus (auch Wundliegen oder Druckgeschwür genannt) ist eine dauerhafte Wunde, die sehr unterschiedliche Größen haben kann und von den oberen Hautschichten über die tief liegenden Bindegewebsschichten bis hin zum Knochen reichen kann. Ein Dekubitus kann ein Hinweis auf schwere pflegerische Mängel sein und lässt bei Aufsichtsbehörden die Alarmglocken schrillen. Zu einem solchen Fall kann es kommen, wenn bettlägerige Patienten nicht regelmäßig bewegt werden.

Prozess vor dem Arbeitsgericht

Der neue Chef des DRK in Hagen ist Udo Stroh. Er folgte vor wenigen Wochen auf Jürgen Hecht, der jetzt Geschäftsführer der Freizeitgesellschaft Metropole Ruhr ist. „Es geht nicht darum, jemanden zum Sündenbock zu machen“, sagt Hecht, der noch in der Verantwortung stand, als die Heimaufsicht die Mängel aufdeckte. Man habe die Pflegedienstleiterin von ihrer Führungsrolle entbinden wollen und ihr eine Stelle als normale Pflegekraft angeboten. Weil sie diese Stelle nicht hätte haben wollen, habe man sich gezwungen gesehen, ihr zu kündigen.

Hecht: Mehr Personal als nötig

„Im Bericht der Heimaufsicht steht ganz klar, dass die vorherige Pflegedienstleiterin ihre Arbeit nicht fortführen kann, weil Dokumentationen nicht mehr gemacht wurden, genauso wie Pflegevisiten. Die Heimaufsicht hat das entdeckt. Und die Pflegedienstleiterin organisiert nun mal die Pflege.“ Hecht erklärt, dass der Pflegedienstleiterin sogar mehr Personal zur Verfügung gestanden habe, als ihr nach dem Pflegeschlüssel eigentlich zugestanden habe. Dennoch seien Überlastungsanzeigen geschrieben worden, was darauf hindeute, dass bei der Betroffenen Ermüdungserscheinungen zu erkennen seien.

Heimleiterin räumt ihren Posten

Die vorherige Heimleiterin (Heimleitung und Pflegedienstleitung sind mittlerweile ausgetauscht) habe von sich aus gefragt, ob sie von ihrer Aufgabe entbunden werden könne, erklärt der neue DRK-Vorstand Udo Stroh. Im DRK-Heim Lange Straße sei ein neues Dokumentationsprinzip eingeführt worden, zu dem jeden Tag Schulungen stattfinden würden. „Unser Landesverband beim DRK, den wir um Hilfe angerufen haben, sieht uns auf einem guten Weg, die Missstände in den Griff zu bekommen“, sagt Stroh. „Ich rechne damit, dass der Aufnahmestopp im Januar, nach erneuter Prüfung, vorbei ist.“

Pflegedienstleiterin zeigte Überlastung an

Die ehemalige Pflegedienstleiterin gibt in dieser Angelegenheit mit Verweis auf das schwebende Verfahren keine Stellungnahme ab. Im Arbeitsgerichtsprozess macht sie aber deutlich, dass sie das Problem im DRK-Heim Lange Straße nicht ausschließlich bei sich selbst, sondern in den Arbeitsstrukturen sieht. Zu wenig Personal, zu viel Überlastung, zu wenig Unterstützung. Knappheit an allen Enden.

Teilweise habe die einstige Pflegedienstleiterin drei oder vier zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen, für die sie gar nicht verantwortlich gewesen sei. Und: Sie sei mit einer Vielzahl von Patienten angesichts der schlechten personellen Ausstattung regelmäßig ­allein gewesen.

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