Stadtentwicklung

Politik ringt um richtige Fördertöpfe für Ruhrseenprojekte

Im Rahmen der Neugestaltung der Ruhrseen sollen auch die Wege für Spaziergänger, Radfahrer und Freizeitsportler entlang des Ufers neu geordnet werden.

Im Rahmen der Neugestaltung der Ruhrseen sollen auch die Wege für Spaziergänger, Radfahrer und Freizeitsportler entlang des Ufers neu geordnet werden.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Mit Hochdruck bereitet die Stadt eine Bewerbung um Fördermittel vor. Doch die Politik bleibt skeptisch, ob der Vorstoß zu den Ideen passt.

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Plötzlich soll nach dem peinlichen „Regionale“-Flop alles ganz schnell gehen: Innerhalb der nächsten 14 Tage muss die Stadt, sekundiert von einem externen Fachbüro, eine geschliffene Bewerbung auf den Weg bringen, um vielleicht doch noch Zugriff auf das bereits seit 2014 laufende Landesförderprogramm „Grüne Infrastruktur“ zu erhalten. Doch die Vorbehalte in der Politik sind unüberhörbar.

Stephan Ramrath, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, brachte es am Dienstagabend in einer fünfstündigen Marathon-Sitzung des Gremiums auf den Punkt: „Ich sehe ein erhebliches Konfliktpotenzial zwischen Fördertöpfen mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung. Für uns haben die Bereiche Freizeit, Erholung und Tourismus absolute Priorität. Nicht etwa, dass uns jetzt schon Fesseln für die weiteren Entscheidungen angelegt werden“, warnte er vor einer frühzeitigen Festlegung auf eine vorzugsweise ökologische Ausrichtung der Ruhrseen-Neugestaltung.

Ökologische Ausrichtung

Bedenken, die auch das SPD-Lager teilt. „Wir dürfen hier durch eine zu detaillierte Planung nicht schon Pflöcke einrammen, die uns später blockieren“, zweifelte Ratsherr Werner König. Und sein Fraktionskollege Dietmar Thieser forderte die Verwaltung auf, endlich einmal einen Gesamtüberblick zu präsentieren, welche unterschiedlichen Ideen an welchem See nach den Vorstellungen der Planer bis 2027 zur Internationalen Gartenausstellung überhaupt in den Fokus rücken.

Solange ich nicht weiß, ob solch eine Bewerbung um Fördermittel andere Ideen nicht konterkariert, kann ich das nicht entscheiden“, vertrat der Hasper Bezirksbürgermeister die These, dass ein beim Umweltministerium angesiedelter Fördertopf eine ökologische Ausrichtung der Gestaltung des Seeumfelder präjudiziere.

Stadtbaurat Thomas Grothe warb dafür, zunächst einmal fristgerecht den Fuß in die Fördertür zu stellen. Nach WP-Informationen solle es um einen Betrag von bis zu 40 Millionen Euro gehen. Bis zum endgültigen Zuschlag für eine Projektförderung im September sei noch genügend Zeit, um die Einzelprojekte zu modifizieren. Die eigentlichen Förderanträge zu den Einzelmaßnahmen würden ohnehin erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt.

Reichlich Denkanstöße zur künftigen Verkehrspolitik in Hagen angesichts der maroden Brückenbauten gab der Wuppertaler Professor Dr. Felix Huber den Kommunalpolitikern von Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss. „Ein Rückbau eröffnet Chancen für die Stadtentwicklung“, präsentierte der Hochschullehrer diverse Beispiele aus anderen Städten, wo aufgeständerte Verkehrsführungen wieder abgerissen und somit Barrieren für die Stadtentwicklung beseitigt wurden.

Huber schrieb der Politik ins Stammbuch, angesichts der schwächelnden Brücken schon heute Grundsatzdiskussionen über die künftige Mobilität in Hagen einzuleiten, um für diese langfristigen Prozesse einen roten Faden zu entwickeln. Grothe verwies in diesem Zusammenhang auf das Beispiel Aachen, wo schon heute die ersten Weichen im Innenstadtbereich gestellt werden, um den Umstieg vom Individualverkehr auf Busse und Elektroautos zu forcieren. Auf die Frage von Ratsherr König, wie eine Stadt ohne Mittel für Brückensanierung und ohne Geld für einen Verkehrsumbau diesen Prozess wohl bewältigen könne, hatte der Professor letztlich auch keine Antwort.

Hitze-Hotspot Wehringhausen

Die lieferte dafür sein Kollege Prof. Stefan Greiving (Institut für Raumplanung an der TU Dortmund) zum Thema Klimawandel. Der Experte prognostizierte angesichts der anhaltenden Erwärmung zunehmende Starkregenereignisse und Hochwasser-Gefahren, die in Hagen vor allem an der Schwerter Straße und Buschmühlenstraße, am Hauptbahnhof sowie an der Enneper Straße zu Problemen führen könnten. Hier müsse die Stadt sich um entsprechende Vorsorge kümmern, um noch kostspieligere Schadensfälle zu vermeiden.

Gleichzeitig prognostizierte Greiving, dass Wehringhausen aufgrund der Bebauungsstruktur im Sommer zunehmend zu einem Hitze-Hotspot werde. Er empfahl, auch diesen Gedanken beim anstehenden Rückbau von Wohnraum zu berücksichtigen, zumal für Abrissmaßnahmen aus Klimaschutzgründen ebenfalls Fördermittel bereitstehen. Dafür, so Stadtbaurat Grothe, müsse sich die Politik jedoch zunächst auf ein Gesamtkonzept verständigen, um hier entsprechende Anträge stellen zu können.

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