Nahverkehr

Politik setzt sich für mehr Busse auf Hagener Straßen ein

Im Rathaus an der Volme diskutieren die Politiker über einen besseren Nahverkehr für Hagen.

Im Rathaus an der Volme diskutieren die Politiker über einen besseren Nahverkehr für Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Kehrtwende nimmt Formen an: Die Politik fordert einen attraktiveren Personennahverkehr in Hagen. Auch ein Verkehrsexperte fordert mehr Busse.

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Neues Jahr, neue Ansätze: In der ersten Sitzung des Rates 2017 soll es in einem Antrag darum gehen, welche Auswirkungen es auf den Verkehr in der Stadt hat, wenn mehr Geld für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) fließt. „Ich denke, dass wir alle Fraktionen unter einen Hut kriegen“, sagt Hans-Georg Panzer, Vorsitzender des Umweltausschusses.

In diesem Gremium war die Diskussion jüngst aufgepoppt, als wieder einmal der Luftreinhalteplan auf der Tagesordnung stand. Eine der Maßnahmen, die die zu hohen Schadstoffe in der Innenstadt reduzieren sollen, ist die Steigerung der Attraktivität des ÖPNV.

Nahrverkehrsplan wird gerade neu aufgestellt

Was dem entgegensteht, ist die Finanzsituation der Stadt. „Seit Jahren reden wir darüber, aber es tut sich nichts“, sagt Panzer, „es wird höchste Zeit, dass wir das Thema angehen.“

Für einen Grünen-Politiker wie Panzer ein nachvollziehbarer Ansatz. Aber auch aus den anderen Fraktionen deutet sich Zustimmung an. Werner König (SPD) war es, der die Debatte im Umweltausschuss in Gang brachte (unsere Zeitung berichtete): „Wir stellen den Nahverkehrsplan für Hagen ja gerade neu auf. Bislang unter der Prämisse, dass der ÖPNV nicht teurer werden darf. Das sollten wir überdenken.“

Jetzt sollen, so Panzer, zumindest die Möglichkeiten, die Kosten und die Effekte aufgezeigt werden, die ein Ausbau des ÖPNV bietet. Konkrete Summen stehen noch nicht im Raum.

Aber: „Bislang schießen wir einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag zu. Warum soll es nicht möglich sein, den um zehn Prozent anzuheben?“ Über den Widerspruch zwischen Luftreinhalteplan und den Sparvorgaben müsse auch mit der Bezirksregierung gesprochen werden.

„Hagener haben ein Recht auf saubere Luft“

Ein möglicher Konflikt, den auch Regierungspräsidentin Diana Ewert sieht. „Letztlich muss die Stadt abwägen, wie sie sich zu den Maßnahmen im Luftreinhalteplan stellt“, so Ewert, die im Gespräch mit der WP den guten Austausch zwischen Arnsberg und Hagen hervorhebt. „Fest steht: Auch die Hagener Bürger haben ein Recht auf saubere Luft. Aber die Stadt muss genau gucken, welche Maßnahme wie teuer ist und was sie bewirkt.“ Die Haushaltskonsolidierung müsse eingehalten werden.

Dass ein attraktiver ÖPNV durchaus Effekte nach sich zieht, ist für Professor Heiner Monheim, Mitinhaber des Raumkom-Instituts für Raumentwicklung und Kommunikation, klar. Der Verkehrs-Experte tritt für einen radikalen Ansatz ein: fünfmal mehr Haltestellen und ein Zehn-Minuten-Takt bis in die Wohnquartiere hinein.

Busnutzern wird viel zugemutet

„Autos sollen immer direkt vor der Haustür stehen, aber Bus-Nutzern muten wir lange Wege zu“, sagt Monheim. „So kann das nicht funktionieren.“

Monheim räumt auch auf mit der These, dass der Nahverkehr teurer sei als der Individualverkehr. „Ein besserer ÖPNV bringt auch mehr Einnahmen“, so Monheim, „und gleichzeitig werden die kommunalen Haushalte von den extrem hohen Kosten des Autoverkehrs entlastet. Es ist für eine Kommune wie Hagen wesentlich teurer, ein viel zu großes Straßennetz zu unterhalten, in dem Autos Vorrang gewährt wird, als den ÖPNV auszubauen. Autoverkehr ist in höchstem Maße defizitär.“

>>>HINTERGRUND: 33 Millionen Fahrgäste pro Jahr

136 Busse der Hagener Straßenbahn AG (ohne die der Tochter Sander) rollen auf Hagener Straßen und fahren 543 Haltestellen im gesamten Stadtgebiet an.

Inklusive der Nachtexpresse verkehren 45 Linien in der Stadt.

Die Busse legen pro Jahr 8,6 Millionen Kilometer zurück und haben in 2015 33 Millionen Fahrgäste befördert.

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