Rapper-Prozess

Polizei mit Großaufgebot beim Prozess gegen Rapper Nuhsan C.

Freunde: Skandal-Rapper Kollegah zahlt 40.000 Euro Kaution und holt Nuhsan C. persönlich am Gefängnis in Hagen ab.

Freunde: Skandal-Rapper Kollegah zahlt 40.000 Euro Kaution und holt Nuhsan C. persönlich am Gefängnis in Hagen ab.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Der Prozess wegen schwerer Körperverletzung gegen Rapper Nuhsan C. startet am Mittwochmorgen am Landgericht Hagen. Die Polizei ist vorbereitet.

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Mit solch einem Großaufgebot hat die Polizei wohl noch nie einen Prozess vor einem Hagener Gericht begleitet: Wenn der umstrittene Hagener Skandal-Rapper Nuhsan C. alias „Jigzaw“ (25) sich vor dem Vorsitzenden Richter Dieter Krause wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, werden hunderte, wenn nicht gar tausende Fans am Gerichtsgebäude erwartet. Doch lediglich 49 Zuschauer finden in dem eigens eingerichteten Verhandlungssaal Platz.

„Die Kollegen werden sicherstellen, dass der Prozess reibungslos ablaufen kann“, erklärt Sebastian Hirschberg, Sprecher der Polizei Hagen. „Jegliche Störungen der Verhandlungen werden wir unterbinden. Daneben geht es darum, dass der Verkehr rund um das Gerichtsgebäude nicht beeinträchtigt wird.“

Polizei Hagen wertet Rapper-Videos in Netzwerken aus

Zur Vorbereitung auf den ersten Prozesstag hat die Hagener Polizei die sozialen Netzwerke intensiv beobachtet. In den letzten Tagen hatte Nusahn C. als „Jigzaw“ , der von dem nicht minder umstrittenen Skandal-Rapper Kollegah gefördert und unterstützt wird, immer wieder seine Fans dazu aufgefordert, am Gerichtsgebäude zu erscheinen und dafür zuletzt auf Instagram mehr als 8000 Likes erhalten. Gleichzeitig hatte er angekündigt, vor Gericht auszusagen.

Seine Sicht der Dinge, die sich am 13. Juli 2017 in Wehringhausen auf dem Wilhelmsplatz zugetragen hatten, hatte Nuhsan C. ebenfalls in einem Video gepostet. Der Rapper gibt darin an, angegriffen worden zu sein, spricht sogar von einem „Attentat“. Er hätte sich lediglich in Notwehr mit einer Machete verteidigt. Sein Kontrahent, ein Pole, wurde dabei so schwer verletzt, dass er notoperiert werden musste.

Rapper in erster Instanz zu dreinhalb Jahren verurteilt

Das erstinstanzliche Gericht unter Vorsitz von Richter Manfred Kleeschulte hatte deshalb am 16. April dieses Jahres Nuhsan C. wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Urteil, mit dem sich der Rapper und sein Kölner Anwalt Dr. Christof W. Misere gar nicht einverstanden zeigten.

Dass Nuhsan C. zuletzt überhaupt Videobotschaften per Instagram verbreiten konnte, hat er seinem Förderer Kollegah zu verdanken, der zusammen mit Farid Bang den Musikpreis Echo verliehen bekam, obwohl deren Rap-Texte als antisemitisch gelten. Das hatte einen der größten Skandale der jüngeren Musikgeschichte ausgelöst.

Kollegah fährt im Mercedes an der JVA Hagen vor

Kollegah persönlich war am 1. Juni in einem schwarzen Mercedes vor der Justizvollzugsanstalt Hagen vorgefahren, hatte eine Kaution in Höhe von 40.000 Euro in bar hingeblättert und seinen Schützling „Jigzaw“ aus der Untersuchungshaft freigekauft. Damals waren mehr als 100 Fans an der Gerichtsstraße aufgelaufen.

Für einen erheblichen Auflauf hatte Nuhsan C. alias „Jigzaw“ auch am 13. Juli in Hagen gesorgt. In der City hatte er T-Shirts an seine Fans verteilt. Teilweise sorgten der Rapper und seine Fans für ein Verkehrschaos.

Nuhsan C. droht Abschiebung in die Türkei

Ganz gleich wie der Prozess – angesetzt sind vorläufig drei Verhandlungstage – ausgeht, könnte Nuhsan C. noch vor einem ganz anderen Problem stehen: Dem Rapper, der nach dem blutigen Vorfall in Altenhagen geflüchtet war, sich wochenlang versteckt hielt und die Ermittler verhöhnte, droht die Abschiebung in die Türkei.

Das Asylverfahren des 24-Jährigen, der fürchtet, als Angehöriger der armenischen Minderheit in der Türkei verfolgt zu werden, ist noch nicht abgeschlossen. Seine Familie wird in Deutschland lediglich geduldet. Nuhsan C. selbst sollte bereits 2016 abgeschoben werden, weil er nach einer Messerstecherei zu viereinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden war. (Wir berichten am Mittwoch fortlaufend über den Prozessauftakt)

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