Zunehmende Gewalt

Polizeibeamtin bei Einsatz in Hagen mit Blut bespuckt

Der Respekt vor der Polizei nimmt zusehends ab.

Der Respekt vor der Polizei nimmt zusehends ab.

Hagen.   Innerhalb von 48 Stunden wurden zwei Polizisten in Hagen von aggressiven Tätern attackiert und verletzt. Eine Beamtin wurde mit Blut bespuckt.

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Die Gewalt gegen Polizisten in Hagen setzt sich fort. Sowohl am Samstag- als auch am Montagabend wurden Beamte bei Einsätzen in der Dunkelheit von aggressiven Männern beleidigt, bedroht und tätlich angegriffen. In beiden Fällen hatten die Täter Migrationshintergrund.

Ausgesprochen gefährlich stellt sich die Situation häufig für Polizistinnen dar, vor denen die Täter keinerlei Respekt zeigen. Dies bekam eine Hagener Beamtin am Samstag leidvoll zu spüren, wurde sie doch von einem 39-jährigen Angreifer mit Blut bespuckt.

Der Mann hatte sie zunächst verbal angegangen und dann geschubst, ehe er sie auf diese besonders widerliche Weise attackierte. Die Frau begab sich sofort zur Untersuchung in ein Krankenhaus; welche Folgen der Angriff für sie haben wird, steht noch nicht fest, da die medizinischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.

Aggressive Stimmung

Zu dem Vorfall war es gegen 23 Uhr am Wolfskuhler Weg gekommen, wo sieben Männer im Alter von 21 bis 39 Jahren die Fäuste fliegen ließen. Die Stimmung blieb auch aggressiv, nachdem die herbeigerufenen Polizeibeamten einen blutenden Mann (32) in ein Krankenhaus hatten bringen lassen und einen Diensthund einsetzten, um die Situation zu beruhigen.

Im Gegenteil: Plötzlich spuckte der 39-Jährige Blut auf die Beamtin. Er musste zwar für den Rest der Nacht ins Gewahrsam, wurde am Sonntag aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Unbeteiligter Autofahrer

Der nächste Angriff folgte keine 48 Stunden später. Als Polizisten am Montagabend um 22 Uhr in der Bergstraße ein Fahrzeug überprüften, mischte sich plötzlich ein unbeteiligter Autofahrer (33) ein. Er störte die Amtshandlung, brüllte herum und verweigerte, nachdem es den Beamten zu bunt wurde und sie seine Personalien feststellen wollten, die Herausgabe der Papiere.

Schließlich schlug er auf einen Beamten ein und verletzte ihn an der Hand. Auch er musste mit zur Wache und erwartet eine Anzeige wegen Widerstands gegen Polizisten.

Höhere Geldstrafen gefordert

In den ersten elf Monaten dieses Jahres ist es in Hagen zu 107 Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte gekommen – 2016 waren es im gleichen Zeitraum 116. Dazu Polizeisprecher Ulrich Hanki auf Anfrage der WESTFALENPOST: „Es gibt ein anhaltend hohes Niveau der Gewalt gegen Polizisten.“ Vor einigen Jahren waren weniger Attacken zu verzeichnen (siehe Infobox).

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert indes höhere Strafen für Angriffe auf Polizisten. Dabei gehe es nicht einmal um Gefängnisstrafen, so Bodo Gleis, Vorsitzender der GdP in Hagen: „Wenn man diese Leute vier Wochen in eine Zelle steckt, lachen sie doch nur. Die haben keine Achtung vor staatlichen Institutionen.“ Empfindlich treffen können man sie aber mit Geldstrafen; 500 Euro, wie sie vor sechs Monaten ein Täter in Altenhagen erhalten habe, seien viel zu wenig: „Ich denke, diese Leute dürfen nicht unter 3000 Euro wegkommen.“

Entzug des Führerscheins

Auch einen Entzug des Führerscheins brachte Gleis ins Spiel: „Wer eine Polizistin mit Blut bespuckt, der ist meiner Meinung nach nicht mehr für die Teilnahme am Straßenverkehr geeignet. An die möglicherweise lebenslangen Folgen für meine Kollegin mag ich gar nicht denken.“

Er frage sich, was die Gesundheit und das Leben eines Polizeibeamten wert seien, so Gleis: „Polizisten, Feuerwehrleute und Krankenschwestern müssen die Gewalt ausbaden.“ Er fordert ein Umdenken der Politik: „Härtere Strafen kann man durchsetzen. Wenn man will.“

>>Hintergrund: Widerstand gegen Staatsgewalt

Der Widerstand gegen die Staatsgewalt hat in den vergangenen Jahren in Hagen zugenommen. Lagen die Zahlen 2013 noch bei 77 bzw. 2014 bei 76 Taten, so verzeichnete man in Hagen im Jahr 2015 einen Anstieg um mehr als 73 Prozent auf 132 Taten. Im Jahr 2016 erreichte der „Widerstand“ mit 121 Delikten nahezu das gleiche hohe Niveau.

„Wir sehen dabei mit Sorge, dass die Kollegen immer öfter auch bei einer Unfallaufnahme oder einer Verkehrsbehinderung unvermittelt provoziert, beleidigt und attackiert werden“, so Vize-Kripo-Chefin Michaela Helm schon im März diesen Jahres. „Wir werden nicht auf unser Gewaltmonopol verzichten.“

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